Der Lieblingsbuch-Lawineneffekt

Es gibt ja so Bücher, die treten eine Lawine los. Nicht unbedingt in der Öffentlichkeit – das auch, aber das meine ich nicht – sondern bei einem selbst. Solche Bücher lassen einen nicht los, und man kommt mit ihnen von Hölzchen auf Stöckchen. Es ist ein bisschen so, wie wenn man im Internet nur schnell eine neue Packung Antiallergika bestellen will und sich zwei Stunden später völlig fasziniert vor einem Video über die seltensten Augenfarben der Welt wiederfindet. Nur viel schöner.

So ein Buch war für mich “Lethal White” von Robert Galbraith, Teil 4 der Krimiserie um Privatdetektiv Cormoran Strike und seine Partnerin Robin Ellacott. Die ersten beiden Teile fand ich gut, nach dem dritten mit seinem enervierenden Ende war ich schon ziemlich angefixt (die Bissspuren am Buch sind immer noch sichtbar), und mit “Lethal White” geriet die Lawine dann so richtig ins Rollen. Innerhalb von drei Tagen verschlang ich abwechselnd Hörbuch und Hardcover (welches mit über 600 Seiten wahrlich kein Pappenstiel ist), und schon währenddessen erwischte ich mich dabei, wie ich nicht nur für die beiden Hauptfiguren vollends in Flammen stand, sondern auch, wie ich Hintergrundinfos über tödliche Gendefekte bei Pferden, die olympischen Spiele in London, kornische Biersorten und die korrekte Behandlung eines Muskelfaserrisses googelte. Außerdem wanderte aus Gründen “Wherever you will go” von The Calling auf meine Cormoran Strike Playlist bei Spotify (ja, ich habe eine Cormoran Strike Playlist, und ich schäme mich nicht dafür).

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Die Deutsche Bahn, vier französische Kerle und ich: „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas

Alle für einen. Einer für alle. Und die Deutsche Bahn für (oder wohl eher gegen) mich. Ich sitze jedenfalls in einem umgeleiteten, 90 Minuten verspäteten ICE zur Frankfurter Buchmesse und verpasse meinen ersten Termin, als ich mir die drei Musketiere an Bord hole, auf meinen E-Reader. Mit dem Klassiker von Alexandre Dumas liebäugele ich schon seit Tagen, nachdem ich mir die BBC-Reihe „The Musketeers“ reingezogen hatte und fand, es sei wirklich mal Zeit für die gute alte Romanvorlage. Die schwebt also auf meinen Kindle. Ich hab‘ ja Zeit. *seufz*

Il était fort silencieux, ce digne seigneur. Nous parlons d’Athos, bien entendu. Depuis cinq ou six ans qu’il vivait dans la plus profonde intimité avec ses compagnons Porthos et Aramis, ceux-ci se rappelaient l’avoir vu sourire souvent, mais jamais ils nel’avaient entendu rire.

– Les Trois Mousquetaires, Alexandre Dumas

Was mir dann die Zeit vertreibt, ist ein blumiger, dramatischer, dialogreicher, simpel zu lesender Abenteuerroman, von dem ich viele Elemente und Figuren aus diversen Verfilmungen schon so gut kenne wie alte Bekannte. Ich vermute mal, hätte es damals schon den Begriff „Popcornkino“ gegeben, so wäre der treffend gewesen für dieses Mantel-und-Degen-Drama.

Quelle: tumblr, Urheber unbekannt

Der Beginn ist hinlänglich bekannt: der junge Gascogner d’Artagnan wird auf seinem Weg nach Paris beraubt und legt sich, in der Hauptstadt angekommen, gleich mit allen drei Musketieren an, die er zum Duell fordert. Aus den Duellen wird nichts, dafür aber setzt sich die größte Bromance-Geschichte aller Zeiten in Gang: aus d’Artagnan, Porthos, Aramis und Athos wird im Handumdrehen das eingeschworendste Männerquartett aller Zeiten.

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