„Der Blumensammler“ von David Whitehouse

Titel: Der Blumensammler
Originaltitel: The Long Forgotten
Autor: David Whitehouse
aus dem Englischen von: Dorothee Merkel
Format: Hardcover
Verlag: Tropen Verlag (Klett-Cotta)
erschienen:30.08.2018
Länge: 346 Seiten

Dieses Buch flatterte mir bereits letztes Jahr – passenderweise zusammen mit einem Tütchen Blumensaamen – als Überraschung vom Verlag ins Haus (danke, @Tropen Verlag!) und musste eine Weile auf meinem Lese-Regal keimen, bis ich es lesen konnte. Und stellte sich als Exot in meinem Leseprogramm heraus!

Die Saat der Erinnerung

Der deutsche Titel ist ein bisschen irreführend. Natürlich geht es auch um Blumen. Schließlich macht sich Peter Manyweathers, eine der Hauptfiguren im Roman, auf, sechs äußerst seltene Pflanzen zu finden und reist dabei um die halbe Welt. Dennoch scheint der englische Originaltitel, „The Long Forgotten“, passender (und vermittelt auch nicht den klischeehaften Anschein eines „Frauenbuches“), denn vornehmlich geht es in David Whitehouse’s kuriosem Roman um die Erinnerung.

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10 Coole (Hör)bücher für heiße Tage

Puh, Leute – ist das HEISS! Das Eis schmilzt dir unter den Fingern weg, im Schwimmbad kriegst du kein Bein auf den Boden, und im Büro gibt der Computer röchelnd den Geist auf. Was jetzt noch hilft: Ein schönes kühles… BUCH!

Ich hab‘ euch mal 10 Titel rausgesucht – auf Deutsch, auf Englisch, zum Lesen, zum Hören – , die euch an schön kühle Orte entführen bzw. das Blut in den Adern gefrieren lassen:

Das Schneemädchen von Eowyn Ivey

Kindler Verlag (Rowohlt)

Mabel und Jack leben in den 1920er Jahren einsam in der Wildnis Alaskas. Ihr Wunsch, ein Kind zu bekommen, hat sich als vergeblich herausgestellt, und in die harten Lebensumstände des kalten Nordens tun ein Übriges dazu, ihre Liebe zu belasten. Da taucht plötzlich ein Mädchen auf, begleitet von einem Fuchs. Mabel und Jack kümmern sich um das seltsame Kind.

Eowyn Ivey ist eine zarte, märchenhafte Geschichte um Liebe und Familie gelungen. Die Beschreibungen der kargen, schönen Landschafts Alaskas versetzen den Leser mitten hinein in die weiße, raue Schneewelt.

Königskinder von Alex Capus

der Hörverlag

Max und Tina, ein schon lange verheiratetes Paar, muss durch einen Wintereinbruch eine Nacht im Auto auf einem Alpenpass verbringen. Eingeschneit, erzählt Max Tina die (vielleicht, vielleicht auch nicht) erfundene Liebesgeschichte des greyezer Hirten Jakob, der sich zur Zeit der französischen Revolution in Marie, die Tochter eines reichen Bauern, verliebt.

Besonders als Hörbuch ist diese kleine, feine Geschichte ein Genuss: Ulrich Noethen erzählt mit plauderndem Charme und wirft sich in den Dialogen des eingeschneiten Ehepaars selbst die Bälle zu, dass es ein erfrischendes Vergnügen ist!

Geisterfjord von Yrsa Sigurdardottir

S. Fischer Verlag

Drei junge Leute legen per Boot in einem verlassenen Dorf in einem einsamen Fjord auf Island an, um es wieder aufzubauen. Aber es stimmt irgendetwas ganz und gar nicht in dem eisigen, düsteren Geisterdörfchen. Gleichzeitig ermitteln anderswo in einem kleinen Ort eine Polizistin und ein Psychologe in einer Reihe unnatürlicher Todesfälle. Und dann scheint es, dass der lange verschollene Sohn des Polizisten vielleicht doch nicht ganz so verschollen ist.

Mit subtilem Horror lässt Sirgurdadottir dem Leser die Haare zu Berge stehen: Geräusche, erhaschte Schemen, das Gefühl einer unheimlichen Präsenz – wo sie nur andeutet, erledigt unsere blühende Phantasie den Rest. Das eisige Setting und die blutgefrierende Story sorgen für doppelte Gänsehaut!

Nordwasser von Ian McGuire

Lübbe Audio

Henry Drax ist Harpunierer auf einem Walfangschiff, das sich auf dem Weg in die Arktis befindet. Patrick Summer, der Arzt an Bord, überführt den gewissenlosen Drax einer ungeheuerlichen Tat. Der Konflikt zwischen den Männern spitzt sich zu.

Hart, kalt und atmosphärisch vom dunklen Wasser der nördlichen Meere getränkt ist diese raue Geschichte, die man sich nur anhören sollte, wenn man auch die Grausamkeiten des Walfangs verkraftet. Trotzdem: Kaum etwas kühlt einen so sehr runter wie dieser von Wolfram Koch stimmungsvoll gelesene Roman über tiefe Abgründe.

Macbeth von Jo Nesbo

Penguin (Randomhouse) Verlag

Es beginnt mit einem Regentropfen, der von oben auf die ewig graue, ewig verregnete Stadt irgendwo im Verlierer-Teil von England fällt: Dorthin verpflanzt Jo Nesbo seine moderne Adaption von Shakespeare’s Theaterstück. Macbeth – hier Leiter eines SWAT-Teams der Drogenpolizei – gerät in einen kaltblütigen Strudel aus Machtgier und Wahn.

Nesbo hat aus dem klassischen Bühnenstück einen Noir-Thriller gemacht, der außer Blutrot nur die Farben Grau und Schwarz kennt: Eine eindrucksvolle, fatale Gangsterballade, bei deren Lektüre man immer ein bisschen friert.

Lautlose Nacht von Rosamund Lupton

Argon Verlag

Yasmin ist mit ihrer gehörlosen Tochter Ruby per Anhalter in Alaska unterwegs, um herauszufinden, ob ihr Mann tatsächlich bei einer Explosion gestorben ist – was sie nicht glaubt. Ein Wintersturm naht, und es scheint, dass den beiden jemand folgt…

Auch wenn man sich darüber aufregt, dass eine Mutter ihr Kind in Gefahr bringt, wirkt dieser Alaska-Thriller durch seine kalte, paranoide Atmosphäre – und bietet mit der 10jährigen Ruby, die auf Gebärdensprache angewiesen ist, eine ganz besondere Figur.

Meteor von Dan Brown

Bastei Lübbe Verlag

Bevor Dan Brown den Symbolologen Robert Langdon ins Rennen schickte, schrieb er diesen fesselnden Thriller um die Entdeckung eines Meteoriten, in der Arktis im Eis eingefroren. Darin scheint sich eine außerirdische Lebensform zu befinden. Geheimdienstagentin Rachel Saxton macht sich auf zum Fundort.

Fesselnde Spannung im ewigen Eis, die auf die üblichen Brown’schen Erklärungseinschübe zu allem möglichen Wissenswerten zwar nicht verzichtet, aber dennoch ein Tempo vorlegt, dass einem der Atem in der klirrend kalten Luft gefriert.

The Snow Queen von Michael Cunningham

Macmillan Audio

Barrett Meeks spaziert mit frisch gebrochenem Herzen durch den Central Park in New York, als er am Himmel ein  seltsames Licht sieht und sich daraufhin plötzlich der Religion zuwendet. Währenddessen scheitert sein Bruder Tyler zuhause daran, einen Song für seine todkranke Ehefrau zu schreiben.

Spielt zwar nicht im Winter, aber diesen introspektiven Roman begleitet eine Traurigkeit und Vergänglichkeit, eine bittersüße Melancholie und schmerzhafte Wortschmiederei, dass es einen fröstelt. Im Nachwort erklärt Cunningham, was das mit dem Märchen „Die Schneekönigin“ zu tun hat. Großartig: Die nachdenkliche, zweifelnde Performance von Sprecherin und Schauspielerin Claire Danes.

 

Whiteout von Anne von Canal

mare Verlag

Die Wissenschaftlerin Hanna befindet sich auf einer Arktisexpedition zur Klimaforschung, als sie erfährt, dass ihre engste Jugendfreundin, zu der der Kontakt vor Jahren plötzlich abbrach, gestorben ist. Während bei den Bohrungen im Eis immer mehr schief läuft, stellt sich Hanna zunehmend aufgewühlt den offenen Fragen der Vergangenheit.

Während einem die Kälte des Eises und des kleinen, verwundbaren Camps in der Arktis in die Knochen kriecht, halten einen die Kindheitserinnerungen warm – um dann frostige Wahrheiten ans Licht zu bringen.

Unterm Lagerfeuer von Nickolas Butler

Klett Cotta Verlag

Eine Sammlung von Kurzgeschichten aus dem Herzen Amerikas, über Freundschaft, einfaches (und dennoch kompliziertes) Leben, wo man im Winter seinen Mut beim Tauchgang unter meterdichtem Eis beweist und eine Kettensäge zur Party mitbringt. Geschrieben in klarer, spartanischer und dennoch simpel-poetischer Sprache, sind diese Shortstories des Autors von „Shotgun Lovesongs“, als würde man sich im Januar um ein Lagerfeuer versammeln: Sie spenden einen Hauch Wärme in einer größtenteils rauen und kalten Welt.

 
Und? Mit welchen coolen Büchern oder Hörbüchern kühlt ihr euch ab?

„Westwall“ von Benedikt Gollhardt

Westwall von Benedikt GollhardtTitel: Westwall
Autor: Benedikt Gollhardt
Format: Hörbuch (mp3 CD)
Verlag: der Hörverlag
erschienen: 25.03.2019
Länge: 11:40 Std., leicht gekürzte Lesung

Vielversprechendes deutsches Thriller-Debüt

Selten finde ich mal einen neuen Thriller, der nicht nach einem der vielen, bereits abgewetzten üblichen Schemata abläuft. Noch seltener: interessante deutsche Thriller. Die irren Serienkiller, die brutalen, teils voyeuristischen Psycho-Spielchen bin ich ziemlich leid, und ebenso deutsche Versuche, mit einem kaputten, grenz-depressiven Kommissar die skandinavischen Noir-Krimis kopieren zu wollen. Das liegt vielleicht an mir, aber auch an der Übersättigung des Marktes mit derartigen Thrillern.

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Hörbücher: Eine Europa-Reise

Gerade haben 28 EU-Länder bei der Europawahl abgestimmt, und in Deutschland waren die Wahlbeteiligung und das Interesse an den Ergebnissen so groß wie nie. Die EU ist ein Konglomerat aus 28 sehr unterschiedlichen Ländern mit eigener Kultur, eigener Sprache – und eigener Literatur.
Für das Audible Magazin habe ich 28 Hörbuch-Titel herausgesucht, die entweder von Autorinnen und Autoren des jeweiligen Landes geschrieben wurden oder deren Geschichten darin spielen: Eine Europareise zum Anhören.

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Englische Hörbuch-Neuerscheinungen im Juni 2019

Unter den englischen Hörbüchern aus dem Juni 2019 ist die Reiselust schon ausgebrochen: Wir werden entführt in andere Zeiten, fremde Welten und unbekannte Universen. Außerdem: Neues von Peter Grant (bzw. einem deutschen Kollegen) und von Don Tillman, Rosie und ihrem Sohn Hudson! Ich stelle euch wie immer meine 10 Favoriten vor.

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Vergangenheitssuche in Galicien: „Alles was ich dir geben will“ von Delores Redondo

Titel: Alles was ich dir geben will
Autorin: Dolores Redondo
Originaltitel: Todo esto te daré
Aus dem Spanischen von: Lisa Grüneisen
Format: Hörbuch, 2 mp3-CDs
Sprecher: Matthias Koeberlin
Verlag: der Hörverlag
erschienen. 25.03.2019
Länge: ca. 14:50 Minuten, leicht gekürzte Lesung

Inhaltsangabe:

Plötzlich steht die Polizei bei Manuel, einem Schriftsteller, vor der Tür, um ihm Furchtbares zu verkünden: Sein Eheman Álvaro ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Doch es tauchen Ungereimtheiten auf, und – noch im Schock über seinen alles geliebten Álvaro – erfährt Manuel, dass dieser ein Doppelleben geführt hat: Eins bei ihm in Madrid und eins als adliges Oberhaupt eines großen Anwesens in Galicien. Trauernd und verwirrt begibt sich Manuel auf die Suche nach der Wahrheit und deckt gemeinsam mit einem örtlichen Poizeiermittler familiäre Abgründe und traumatische Ereignisse auf.

Warum ich das höre: Koeberlin und Spanien!

Sofort ein Geständnis: Gehört habe ich dieses Hörbuch aus zwei Gründen:
1. Es wird gelesen von Matthias Koeberlin, der seit seiner unschlagbaren Performance in Donna Tartt’s „Der Distelfink“ zu meinen absoluten Lieblingssprechern gehört.
2. Das Hörbuch spielt in Spanien und wurde von einer spanischen Autorin geschrieben – und das ist noch ein relativ schlecht abgedeckter Fleck in meiner Leselandkarte, die ich immer gerne erweitere. Also los!
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Drama, baby! „A Long Fatal Love Chase“ von Louisa May Alcott

Titel: A Long Fatal Love Chase
Autorin: Louisa May Alcott
Sprache: Englisch
Format: Taschenbuch
Verlag: Dell
erschienen: 02.12.1996
Länge: 368 Seiten

Louisa May Alcott kennt ihr. Sie hat den wunderschönen Roman „Little Women“ geschrieben, einen amerikanischen Klassiker über eine Familie und die Lebenswege ihrer Töchter. Sie hat aber auch noch etwas ganz anderes geschrieben! Und zwar 1866 eine melodramatische, mit Cliffhängern gespickte Stalking-Geschichte, die als Fortsetzungsroman gedacht war, jedoch zu ihren Lebzeiten nie veröffentlich wurde, weil die Geschichte als zu „heikel“ galt. Verfasst, um ihrer Familie zu helfen, sich finanziell über Wasser zu halten, wurde „A Long Fatal Love Chase“ erst 1994 wieder entdeckt und 1995 erstmals veröffentlicht. Ein langer Weg für ein aufregendes, unerwartetes pulp fiction Romänchen einer geliebten Autorin, die man darin von einer ganz anderen Seite kennenlernt!
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Englische Hörbuch-Neuerscheinungen im April 2019

 

Science Fiction mit Frauenpower, ein LSD-Trip mit T.C. Boyle, dark fantasy, eine gothic novel, H.G. Wells mit Downton Abbey-Sprecher und – ja, auch das muss sein – neue „Erotik“ von E.L. James. Wie immer stelle ich euch die interessantesten englischen Hörbuchneuerscheinungen aus allen Genres vor.

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Im Dschungel der fehlenden Gefühle: „Das Volk der Bäume“ von Hanya Yanagihara

Im Dschungel der fehlenden Gefühle: Das Volk der Bäume von Hanya YanagiharaTitel: Das Volk der Bäume
Originaltitel: The People In The Trees
Autorin: Hanya Yanagihara
aus dem Englischen von Stephan Kleiner
Format: Hörbuch mp3-CD’s
Sprecher: Gunter Schoß, Matthias Bundschuh
Verlag: Hörbuch Hamburg
erschienen: 01.02.2019
Länge: 1075 Min., ungekürzte Lesung

Inhaltsangabe:

Der junge Arzt Norton Perina begleitet in den 50ern eine anthropologische Forschungsreise nach Mikronesien, auf die südpazifische Inselgruppe Ivu’ivu. Dort macht er eine unglaubliche Entdeckung: Einige Mitglieder des Inselvolks sind uralt, körperlich aber jung geblieben. Dafür ist ihr Geist völlig zerfallen. Das Phänomen führt er auf den Verzehr einer Schildkrötenart zurück. Hat Perina einen Weg zur Unsterblichkeit entdeckt? Er erforscht das sog. „Selene-Syndrom“, wird von der Wissenschaft gefeiert, während Ivu’ivu überrollt wird. Und dann beginnt Norton, auf seinen Reisen in den Pazifik immer mehr verwahrloste Kinder zu adoptieren. Jahrzehnte später beschuldigt ihn einer der Jungen der Vergewaltigung, und es kommt zur Verurteilung.

Zum Hörbuch:

Die Handlung:

Der Prolog, von einem loyalen (und fiktiven) Kollegen Perina’s erzählt, nimmt die gesamte Handlung dieser ebenfalls fiktiven Autobiografie vorweg, die aus Perina’s eigener Sicht, in Ich-Perspektive erzählt wird – seine im Gefängnis geschriebene Lebensbeichte. Wir wissen sofort, was passieren wird.
Und so geht man mit dem Wissen in dieses Buch, dass man sich in den Kopf eines Monsters und gefeierten Wissenschaftlers zugleich begibt. Die Frage ist nicht mehr so sehr: Was ist passiert? Sondern: Wie beurteilen wir diesen Mann?
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