Lesung: Tony Parsons und Dietmar Wunder bei der CrimeCologne

Das ist euch jetzt vermutlich völlig neu, dass ich ein großer Fan von Dietmar Wunder bin. *Augenrollen* Und dass ich schon mal was von Tony Parsons gelesen habe. *mehr Augenrollen*

Mein Mann aber noch nie. Wie praktisch, dass am 4. Oktober im Rahmen der #CrimeCologne in der Mayerschen Buchhandlung in Köln Tony Parsons seinen 4. Max Wolfe-Krimi „In eisiger Nacht“ vorstellte und Dietmar Wunder als deutscher Hörbuchsprecher der Reihe als Vorleser mit dabei war. Also: Tickets gekauft, denn Mann gepackt und auf nach Köln.

In der Mayerschen war ich noch nie bei einer Lesung, und eins kann ich jetzt schon sagen: Hat mir gefallen. Die Lesung fand im 2. Obergeschoss statt, mittig platziert zwischen den Sachbuchabteilungen, Kalendern und Schreibwaren. 7 oder 8 kleine Stuhlreihen, also alles sehr übersichtlich und fast jeder nah dran an der erhöhten kleinen „Theke“, an der die Hauptdarsteller Platz nahmen.

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Shortlist-Snacks: Die Leseproben zum Deutschen Buchpreis

Sechs Seiten. Die bedeuten in einem Buch – egal welchen Umfangs – ja praktisch nichts. Daran kann man sich kein Urteil über ein ganzes Buch bilden. Was man aber kann: den ersten Eindruck auf sich wirken lassen. Wir kennen das doch alle: Im Buchladen schlagen wir ein Buch auf, lesen die ersten Zeilen, die ersten paar Seiten – und merken sofort, ob wir gerne weiterlesen möchten oder nicht.

Genau das habe ich mit den Shortlist-Nominierten für den Deutschen Buchpreis 2018 gemacht. Sechs Autoren. Sechs Leseproben à sechs Seiten. Die habe ich mir durchgelesen und kann jetzt kein Urteil darüber fällen, wer aus meiner Sicht den Preis abräumen sollte. Welches der Bücher ich mir gerne kaufen und weiterlesen würde, das kann ich aber sehr wohl sagen.

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Sprache. Liebe. Vergangenheit. Seele. Alles rauscht.

Das Rauschen in unseren Köpfen von Svenja GräfenTitel: Das Rauschen in unseren Köpfen
Autorin: Svenja Gräfen
Verlag: ullstein fünf
erschienen: 7.4.2017
Länge: 240 Seiten

Studentin Lene, die mit ihrer besten Freundin in einer WG wohnt, trifft Hendrik. Die Beziehung, in die die beiden fallen, ist intensiv und rauschhaft. Lene malt sich eine gemeinsame Zukunft aus. Doch Henrik schleppt ein dunkles Stück Vergangenheit mit sich herum, und die Dunkelheit macht sich in ihm breit und drängt sich in die Beziehung mit Lene.

Alles rauscht

Der Buchtitel ist Programm: Schon die ersten Kettensätze, voller Aufzählungen, ohne Konjunktionen, bewusst aneinandergelegt wie Karten, machen klar, dass dieser Roman schon allein sprachlich rauschen wird. Da muss man sich als Leser entscheiden: Mag ich das? Kann ich mich in die Geschichte lehnen, obwohl ihre „Sprachtechnik“ so hervorspringt? Ist mir das zu kontruiert? Denn der Schreibstil bleibt so. Ich entscheide: Ich mag das. Ich finde das mutig.

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Stumm geschaltet: „Vox“ von Christina Dalcher

Vox von Christina DalcherTitel: Vox
Autorin: Christina Dalcher
aus dem Amerikanischen von Marion Balkenhol und Susanne Aeckerle
Format: eBook
Verlag: S. Fischer Verlage
erschienen: 1.8.2018
Länge der Printausgabe: 400 Seiten

Inhaltsangabe:

In den USA ist eine neue, religiös fundamentalistische Regierung an der Macht, die Frauen komplett unterdrückt. Sie dürfen nicht mehr arbeiten, haben ihren Männern als brave Hausfrauen zu dienen, und vor allem: Sie dürfen nicht mehr als 100 Wörter am Tag sprechen. Die Neurolinguistin Dr. Jean McClellan bekommt eine Chance zur Rebellion, als sie ein Regierungsmitglied nach einem Unfall behandeln soll.

Zum Buch:

Natürlich hat Christina Dalcher den perfekten Zeitpunkt gewählt, um ein solches Buch zu schreiben: In Amerika (und auch in vielen anderen Ländern) sind konservative, patriarchalische Politiker an der Macht. In den USA verbreiten sich altmodische „christliche“ Werte über die Grenzen des bible belt hinaus, bei denen die Frauen nicht gut wegkommen. Gesetze, die über Umwege heimlich weibliche Rechte beschneiden, werden von der US-Regierung erlassen. Gleichzeitig wird die freie Presse systematisch diskreditiert.

Im Bugwasser von „Der Report der Magd“

Schon Margaret Atwood’s dystopischer Roman „Der Report der Magd“ von 1998 erlebte in dieser Atmosphäre im letzten Jahr eine erstaunliche Renaissance und ist seit der Serien-Verfilmung immer noch in aller Munde. Dass diese fiktive Darstellung der Unterdrückung und Versklavung von Frauen nicht alleine bleiben würde in der Literatur, war klar. Das Thema ist zu relevant und zu angesagt. In die gleiche Kerbe schlägt jetzt Christina Dalcher’s Dystopie „Vox“, mit einem etwas anderen Spin, und muss sich den Vergleich mit Atwood gefallen lassen.

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Von Tentakeln, tödlichen Büchern und der Angst vor dem Fremden

H.P. Lovecraft. Cthulhu. Das Necronomicon. Fast jeder ist schon einmal auf diesen Autor, Schöpfer des „kosmischen Horrors“, oder seine Geschöpfe und Ideen gestoßen. Bis heute inspirieren seine Werke moderne Autoren und finden sich in der Popkultur wieder, in Kinofilmen, Comics, Computerspielen…

Was es mit Lovecraft und seinen Horrorgeschichten auf sich hat, was der Cthulhu-Mythos und das Necronomicon sind, und was das alles mit Stephen King, Neil Gaiman und sogar Batman zu tun hat, erfahrt ihr in meinem Artikel im Audible Magazin:

H.P. Lovecraft: Der Ruf der außerirdischen Monster

Ferngespräch mit Major Tom

Titel: Miss Gladys und ihr Astronaut
Originaltitel: Calling Major Tom
aus dem Englischen von Wibke Kuhn
Autor: David M. Barnett
Format: Taschenbuch mit Klappenbroschur
Verlag: Ullstein
erschienen: 28.05.2018
Länge: 416 Seiten

 

Schon letztes Jahr schwebten Bemerkungen zur englischen Originalausgabe, betitelt „Calling Major Tom“ immer mal durch meinen Newsfeed, und das Buch nistete sich – gemeinsam mit einem hartnäckigen David Bowie-Ohrwurm – in einer Hintertür meines Kopfes ein. Dann kam „Miss Gladys und ihr Astronaut“ im Mai auf Deutsch heraus, und das so völlig anders gestaltete, quietsch-lilafarbene, ziemlich schrille Cover riss den Titel wieder aus meinem Gedächtnis ans Licht. (Ja, und auch David Bowie legte ungefragt wieder los). Zeit, sich mal mit Thomas Major auf Mission ins All zu begeben.
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Ausgeufert: „Fische“ von Melissa Broder

Titel: Fische
Originaltitel: The Pisces
Autorin: Melissa Broder
aus dem Amerikanischen von: Eva Bonné
Format: eBook
Verlag: Ullstein
erschienen: 11.05.2018
Länge der Hardcover-Ausgabe: 352 Seiten

Inhalt:

Nach dem Ende einer Beziehung und einer Überdosis Schlaftabletten verschlägt es die psychisch instabile Dauerdoktorandin und Enddreißigerin Lucy nach Venice Beach in Kalifornien. Dort soll sie Haus und Hund ihrer verreisten Schwester hüten und in einer Therapiegruppe für Frauen mit Männer- und Sexproblemen an sich arbeiten. Kopflos schwankt sie zwischen der seelischen Abhängigkeit von ihrem Ex-Freund und grobschlächtigen One-Night-Stands, bis sie am Strand einem geheimnisvollen Schwimmer begegnet. Der entpuppt sich als Meermann, und Lucy wird von ihm in den Bann gezogen.

Zum Buch:

Melissa Broder traut sich was. Knallt uns einen derben magical realism Roman um die Ohren wie ein mit Sperma und Kotze verklebtes Kopfkissen. Fäkalsprache und Ekel-Erotik sorgen für Verstörung und leichte Übelkeit. Und die Hauptfigur – Lucy – möchte man entweder ohrfeigen, vor die Tür setzen oder dem Tierschutzverein melden. Das ganze Buch ist wie ein Verkehrsunfall: Man möchte sich eigentlich abwenden, aber es geht nicht. Man muss einfach hingucken, auch wenn sich die Bilder ins Gedächtnis brennen.
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