#TeamDickens: Wir lesen „Oliver Twist“ – Teil 1

Oliver Twist von Charles DickensSeit ein paar Tagen ist das #TeamDickens am Start: die liebe Kathrin von phantasienreisen und die liebe Ute lesen gemeinsam mit mir einen Klassiker. Vor ein paar Jahren waren das „Anna Karenina“ und „Krieg und Frieden“ im #TeamTolstoi. Jetzt mussten wir uns eben umtaufen. Funktioniert auch, obwohl die Alliteration natürlich schöner war.

Wir haben uns das Buch in mehrere Teile eingeteilt, und der erste (Kapitel 1-9) ist gelesen. Zeit für ein kleines Résumée des Bisherigen.
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Der Lieblingsbuch-Lawineneffekt

Es gibt ja so Bücher, die treten eine Lawine los. Nicht unbedingt in der Öffentlichkeit – das auch, aber das meine ich nicht – sondern bei einem selbst. Solche Bücher lassen einen nicht los, und man kommt mit ihnen von Hölzchen auf Stöckchen. Es ist ein bisschen so, wie wenn man im Internet nur schnell eine neue Packung Antiallergika bestellen will und sich zwei Stunden später völlig fasziniert vor einem Video über die seltensten Augenfarben der Welt wiederfindet. Nur viel schöner.

So ein Buch war für mich “Lethal White” von Robert Galbraith, Teil 4 der Krimiserie um Privatdetektiv Cormoran Strike und seine Partnerin Robin Ellacott. Die ersten beiden Teile fand ich gut, nach dem dritten mit seinem enervierenden Ende war ich schon ziemlich angefixt (die Bissspuren am Buch sind immer noch sichtbar), und mit “Lethal White” geriet die Lawine dann so richtig ins Rollen. Innerhalb von drei Tagen verschlang ich abwechselnd Hörbuch und Hardcover (welches mit über 600 Seiten wahrlich kein Pappenstiel ist), und schon währenddessen erwischte ich mich dabei, wie ich nicht nur für die beiden Hauptfiguren vollends in Flammen stand, sondern auch, wie ich Hintergrundinfos über tödliche Gendefekte bei Pferden, die olympischen Spiele in London, kornische Biersorten und die korrekte Behandlung eines Muskelfaserrisses googelte. Außerdem wanderte aus Gründen “Wherever you will go” von The Calling auf meine Cormoran Strike Playlist bei Spotify (ja, ich habe eine Cormoran Strike Playlist, und ich schäme mich nicht dafür).

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Die Deutsche Bahn, vier französische Kerle und ich: „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas

Alle für einen. Einer für alle. Und die Deutsche Bahn für (oder wohl eher gegen) mich. Ich sitze jedenfalls in einem umgeleiteten, 90 Minuten verspäteten ICE zur Frankfurter Buchmesse und verpasse meinen ersten Termin, als ich mir die drei Musketiere an Bord hole, auf meinen E-Reader. Mit dem Klassiker von Alexandre Dumas liebäugele ich schon seit Tagen, nachdem ich mir die BBC-Reihe „The Musketeers“ reingezogen hatte und fand, es sei wirklich mal Zeit für die gute alte Romanvorlage. Die schwebt also auf meinen Kindle. Ich hab‘ ja Zeit. *seufz*

Il était fort silencieux, ce digne seigneur. Nous parlons d’Athos, bien entendu. Depuis cinq ou six ans qu’il vivait dans la plus profonde intimité avec ses compagnons Porthos et Aramis, ceux-ci se rappelaient l’avoir vu sourire souvent, mais jamais ils nel’avaient entendu rire.

– Les Trois Mousquetaires, Alexandre Dumas

Was mir dann die Zeit vertreibt, ist ein blumiger, dramatischer, dialogreicher, simpel zu lesender Abenteuerroman, von dem ich viele Elemente und Figuren aus diversen Verfilmungen schon so gut kenne wie alte Bekannte. Ich vermute mal, hätte es damals schon den Begriff „Popcornkino“ gegeben, so wäre der treffend gewesen für dieses Mantel-und-Degen-Drama.

Quelle: tumblr, Urheber unbekannt

Der Beginn ist hinlänglich bekannt: der junge Gascogner d’Artagnan wird auf seinem Weg nach Paris beraubt und legt sich, in der Hauptstadt angekommen, gleich mit allen drei Musketieren an, die er zum Duell fordert. Aus den Duellen wird nichts, dafür aber setzt sich die größte Bromance-Geschichte aller Zeiten in Gang: aus d’Artagnan, Porthos, Aramis und Athos wird im Handumdrehen das eingeschworendste Männerquartett aller Zeiten.

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Rezension: „Teuflische Saat“ von Andrew Brown

 

Titel: Teuflische Saat
Originaltitel: Devil’s Harvest
Autor: Andrew Brown
übersetzt von: Mechthild Barth
Format: Taschenbuch
Verlag: btb
erschienen: 9.7.2018
Länge: 416 Seiten

Die Schicksalswege von drei Menschen kreuzen sich im Südsudan: Bei einem Drohnenangriff unter dem Kommando vom britischen Generalleutnant George Bartholomew geht etwas schief; der englische Botaniker Gabriel Cockburn reist auf der Suche nach einer medizinisch verwertbaren Pflanze in dieselbe Region; vor Ort begleitet ihn die junge Alek, die aus dem Südsudan stammt und ihre eigenen Ziele verfolgt. Am Ende verknüpfen sich ihre Wege dramatisch.

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Cormoran, Robin, ich und der Bücherkater des Jahres: „Lethal White“ von Robert Galbraith

Titel: Lethal White
dt. Titel: Weißer Tod
Autor: Robert Galbraith (aka J.K. Rowling)
Serie: Cormoran Strike #4
Format: Hörbuch/Hardcover
Sprecher Hörbuch: Robert Glenister
erschienen: 18.9.2018
Länge: 22:30 Std., ungekürzt/656 Seiten

Das Hörbuch ist ungekürzt als Download erhältlich bei audible.de und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 27,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von Audible.

Inhaltsangabe:

When Billy, a troubled young man, comes to private eye Cormoran Strike’s office to ask for his help investigating a crime he thinks he witnessed as a child, Strike is left deeply unsettled. While Billy is obviously mentally distressed and cannot remember many concrete details, there is something sincere about him and his story. But before Strike can question him further, Billy bolts from his office in a panic.
Trying to get to the bottom of Billy’s story, Strike and Robin Ellacott – once his assistant, now a partner in the agency – set off on a twisting trail that leads them through the backstreets of London, into a secretive inner sanctum within Parliament and to a beautiful but sinister manor house deep in the countryside.

Bücherkater-Alarm!

Verflucht sei J.K. Rowling! Mit „Lethal White“ hat sie mir den schlimmsten Bücherkater seit Jahren verpasst. Erst konnte ich nicht abwarten, das Buch zu beenden, und zu erfahren, wie es ausgeht. Danach saß ich da, brennend nach einer Fortsetzung und unfähig, mich für irgendein anderes Buch zu interessieren. Bücherkater galore.
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Lesung: Tony Parsons und Dietmar Wunder bei der CrimeCologne

Das ist euch jetzt vermutlich völlig neu, dass ich ein großer Fan von Dietmar Wunder bin. *Augenrollen* Und dass ich schon mal was von Tony Parsons gelesen habe. *mehr Augenrollen*

Mein Mann aber noch nie. Wie praktisch, dass am 4. Oktober im Rahmen der #CrimeCologne in der Mayerschen Buchhandlung in Köln Tony Parsons seinen 4. Max Wolfe-Krimi „In eisiger Nacht“ vorstellte und Dietmar Wunder als deutscher Hörbuchsprecher der Reihe als Vorleser mit dabei war. Also: Tickets gekauft, denn Mann gepackt und auf nach Köln.

In der Mayerschen war ich noch nie bei einer Lesung, und eins kann ich jetzt schon sagen: Hat mir gefallen. Die Lesung fand im 2. Obergeschoss statt, mittig platziert zwischen den Sachbuchabteilungen, Kalendern und Schreibwaren. 7 oder 8 kleine Stuhlreihen, also alles sehr übersichtlich und fast jeder nah dran an der erhöhten kleinen „Theke“, an der die Hauptdarsteller Platz nahmen.

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Shortlist-Snacks: Die Leseproben zum Deutschen Buchpreis

Sechs Seiten. Die bedeuten in einem Buch – egal welchen Umfangs – ja praktisch nichts. Daran kann man sich kein Urteil über ein ganzes Buch bilden. Was man aber kann: den ersten Eindruck auf sich wirken lassen. Wir kennen das doch alle: Im Buchladen schlagen wir ein Buch auf, lesen die ersten Zeilen, die ersten paar Seiten – und merken sofort, ob wir gerne weiterlesen möchten oder nicht.

Genau das habe ich mit den Shortlist-Nominierten für den Deutschen Buchpreis 2018 gemacht. Sechs Autoren. Sechs Leseproben à sechs Seiten. Die habe ich mir durchgelesen und kann jetzt kein Urteil darüber fällen, wer aus meiner Sicht den Preis abräumen sollte. Welches der Bücher ich mir gerne kaufen und weiterlesen würde, das kann ich aber sehr wohl sagen.

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Sprache. Liebe. Vergangenheit. Seele. Alles rauscht.

Das Rauschen in unseren Köpfen von Svenja GräfenTitel: Das Rauschen in unseren Köpfen
Autorin: Svenja Gräfen
Verlag: ullstein fünf
erschienen: 7.4.2017
Länge: 240 Seiten

Studentin Lene, die mit ihrer besten Freundin in einer WG wohnt, trifft Hendrik. Die Beziehung, in die die beiden fallen, ist intensiv und rauschhaft. Lene malt sich eine gemeinsame Zukunft aus. Doch Henrik schleppt ein dunkles Stück Vergangenheit mit sich herum, und die Dunkelheit macht sich in ihm breit und drängt sich in die Beziehung mit Lene.

Alles rauscht

Der Buchtitel ist Programm: Schon die ersten Kettensätze, voller Aufzählungen, ohne Konjunktionen, bewusst aneinandergelegt wie Karten, machen klar, dass dieser Roman schon allein sprachlich rauschen wird. Da muss man sich als Leser entscheiden: Mag ich das? Kann ich mich in die Geschichte lehnen, obwohl ihre „Sprachtechnik“ so hervorspringt? Ist mir das zu kontruiert? Denn der Schreibstil bleibt so. Ich entscheide: Ich mag das. Ich finde das mutig.

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Stumm geschaltet: „Vox“ von Christina Dalcher

Vox von Christina DalcherTitel: Vox
Autorin: Christina Dalcher
aus dem Amerikanischen von Marion Balkenhol und Susanne Aeckerle
Format: eBook
Verlag: S. Fischer Verlage
erschienen: 1.8.2018
Länge der Printausgabe: 400 Seiten

Inhaltsangabe:

In den USA ist eine neue, religiös fundamentalistische Regierung an der Macht, die Frauen komplett unterdrückt. Sie dürfen nicht mehr arbeiten, haben ihren Männern als brave Hausfrauen zu dienen, und vor allem: Sie dürfen nicht mehr als 100 Wörter am Tag sprechen. Die Neurolinguistin Dr. Jean McClellan bekommt eine Chance zur Rebellion, als sie ein Regierungsmitglied nach einem Unfall behandeln soll.

Zum Buch:

Natürlich hat Christina Dalcher den perfekten Zeitpunkt gewählt, um ein solches Buch zu schreiben: In Amerika (und auch in vielen anderen Ländern) sind konservative, patriarchalische Politiker an der Macht. In den USA verbreiten sich altmodische „christliche“ Werte über die Grenzen des bible belt hinaus, bei denen die Frauen nicht gut wegkommen. Gesetze, die über Umwege heimlich weibliche Rechte beschneiden, werden von der US-Regierung erlassen. Gleichzeitig wird die freie Presse systematisch diskreditiert.

Im Bugwasser von „Der Report der Magd“

Schon Margaret Atwood’s dystopischer Roman „Der Report der Magd“ von 1998 erlebte in dieser Atmosphäre im letzten Jahr eine erstaunliche Renaissance und ist seit der Serien-Verfilmung immer noch in aller Munde. Dass diese fiktive Darstellung der Unterdrückung und Versklavung von Frauen nicht alleine bleiben würde in der Literatur, war klar. Das Thema ist zu relevant und zu angesagt. In die gleiche Kerbe schlägt jetzt Christina Dalcher’s Dystopie „Vox“, mit einem etwas anderen Spin, und muss sich den Vergleich mit Atwood gefallen lassen.

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