Rezension: „Ein Spiegel für mein Gegenüber“ von Nadire Biskin

Titel: Ein Spiegel für mein Gegenüber
Autorin: Nadire Biskin
Format: Hardcover
Verlag: dtv Verlag
erschienen: 16.02.2022
Länge: 176 Seiten

Die junge Referendarin Huzur aus Berlin ist nach einem Vorfall mit einer Kollegin suspendiert. Sie besucht ihre Cousine in der Türkei, und nimmt den Zwangsurlaub als Anlass zum Nachdenken. Wieder zurück in Berlin, stößt sie auf ein verwahrlostes syrisches Flüchtlingsmädchen – und nimmt es spontan bei sich auf. Huzur ist mit der Frage nach Verantwortung konfrontiert, für die junge Hiba und für ihr eigenes Leben.

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Bibliotherapie: Wie Lesen gesund macht

Dass Lesen hilft, ist für Bücherwürmer nichts Neues. Dass es aber tatsächlich eine anerkannte Behandlungsmethode gibt, die sich „Bibliotherapie“ nennt, ist vielleicht weniger bekannt. Schade, denn das therapeutisch gestützte Lesen kann bei vielen kleinen und großen Leiden helfen: bei psychischen Problemen, bei chronischen Krankheiten und bei jeder Art von Lebenskrisen. Sogar in der Justiz und Sozialarbeit wird die Bibliotherapie eingesetzt – in einigen Ländern zumindest.

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„Lancelot“ von Giles Kristian

Titel: Lancelot
Autor: Giles Kristian
übersetzt von: Julian Haefs
Verlag: Heyne
erschienen: 10.01.2022
Länge: 832 Seiten

Das englische Hörbuch, gelesen von Philip Stevens, gibt es bei audible.de, und zwar HIER.

Zum Buch:

Den meisten von uns sind auf irgendeine Weise schon mal die verschiedenen Figuren der Artus-Sage über den Weg gelaufen, ob in Kinofilmen, TV-Serien oder Büchern. König Arthur, der Zauberer Merlin und das berühmte Schwert „Excalibur“ sind uns ein Begriff, und auch wenn wir die genaue Geschichte der vielfach neu erzählten Legende nicht so genau kennen: Wir wissen, es geht um Ritter, um Mut und um Ehre.

Für einen der Ritter von Arthur’s Tafelrunde war das mit der Ehre allerdings so eine Sache. Der Sage nach war er unsterblich in Arthur’s Frau, Guinevere, verliebt, und dieser Betrug läutete nicht nur das Ende der Tafelrunde ein, sondern vereitelte auch die Suche nach dem Heiligen Gral. Dieser Ritter hieß Lancelot.

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Meine Top Flops 2021: Bücher, die mich enttäuscht haben

Da ich mir die Bücher, die ich lese oder höre, sorgfältig aussuche, kommt es selten vor, dass Titel dabei sind, die ich wirklich grottenmäßig finde. Und wenn, bin ich inzwischen auch souverän genug, solche Bücher abzubrechen. Das konnte ich früher nicht; ich habe jedem Buch bis zuletzt die Chance gegeben, mich doch noch zu überzeugen. Aber ich habe gelernt, dass das Leben zu kurz und meine Lesezeit zu kostbar ist für Bücher, die ich nicht mag, und ich quäle mich meistens nicht mehr durch schlechte Lektüre durch.

Dennoch waren auch dieses Jahr vier Titel dabei, die mich enttäuscht haben bis zum bitteren Ende. Zwei davon sind die Fortsetzungen von Serien, die ich mal geliebt habe. Das kommt leider immer mal vor: Dass ich eine Buchreihe noch weiterlese, obwohl sie ihren Zenit überschritten hat, weil mein Herz an den lieb gewonnenen Figuren hängt und ich einfach wissen musste, wie es ausgeht. Da bin ich leider viel zu loyal und kann schlecht loslassen.

Die anderen zwei waren eine schlechte Fortsetzung von etwas, das mal ganz stark angefangen hat, sowie eine Romance, die am Versuch, es ernst zu meinen, gescheitert ist. Und weil das hier harte Kritik ist, habe ich viel zu jedem Buch geschrieben und meine Meinung gut zu begründen versucht. Letztendlich ist und bleibt es Geschmackssache, ob ein Buch die eigenen Erwartungen erfüllt oder nicht. Diese hier haben bei mir den falschen Nerv getroffen oder mich – genau im Gegenteil – einfach nicht berüht.

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Top 10: Meine Lieblingsbücher und -hörbücher 2021

Das Jahr ist so gut wie rum, und was war ich froh, dabei Bücher und Hörbücher an meiner Seite zu haben! Physisch bin ich pandemiebedingt kaum aus meinem Dorf rausgekommen – aber Romane, Hörbücher, Hörspiele und Comics haben mich an ferne Orte entführt und mit mir andere Sprachen gesprochen. Sie haben Ablenkung und Unterhaltung geboten und Farbe in den Alltag zwischen Office und Home Office gebracht. Ohne Bücher hätte ich das nicht ausgehalten!

Hier sind sie also, meine 10 Lieblinge aus dem Jahr 2021, und zwar in aufsteigender Reihenfolge:

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„Die Romanfabrik von Paris“ von Dirk Husemann

Titel: Die Romanfabrik von Paris

Autor: Dirk Husemann

Format: eBook

Verlag: Lübbe

erschienen: 30.10.2020

Seitenanzahl der Printausgabe: 480 Seiten

Inhaltsangabe:

Paris, 1850. Anna Dorn, eine in finanziellen und gesellschaftlichen Ruin geratene deutsche Gräfin, verdient sich ihr Geld in Paris als Hauslehrerin. Ein weiteres Anliegen von ihr: Die weitere Veröffentlichung von Alexandre Dumas‘ erfolgreichen Fortsetzungsromanen zu verhindern – Annas Meinung nach nichts als Schund. Der berühmte Autor Dumas hat aber gerade ganz andere Probleme: Er steckt bis zum Hals in Schulden und macht sich auf die Jagd nach einem mysteriösen Amulett mit dessen Verkauf er seine Geldsorgen erstmal los wäre. Hinter dem Amulett ist außer ihm noch ein Magnetiseur und Scharlatan her, der nichts Gutes im Schilde führt, und mit dem auch Anna noch eine Rechnung offen hat.

Zum Buch:

Ihr kennt mich: Wenn ein Buch auch nur irgendwie mit Alexandre Dumas, dem Vater meiner geliebten Musketiere, zu tun hat, werde ich hellhörig. Als eine Twitter-Freundin dieses Buch für einen Buddy-Read vorschlug, war ich sofort dabei. Ich meine: Dumas, der Autor, diesmal als Romanfigur vor dem biografischem Hintergrund seiner erfolgreichsten Jahre, als Teil einer Abenteuergeschichte – wie hätte ich da nein sagen können? Sacrebleu! Ich hing am Haken.

Und es hat sich gelohnt.

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„Die Überlebenden“ von Alex Schulman

Titel: Die Überlebenden

Autor: Alex Schulman

übersetzt von: Hanna Granz

Format: Hardcover

Verlag: dtv

erschienen: 20.08.2021

Länge: 304 Seiten

Triggerwarnungen für den Roman: Alkoholismus, emotionaler Missbrauch, Tod eines Familienmitglieds

Drei erwachsene Brüder fahren zurück an das alte Ferienhaus am See, wo sie mit ihren Eltern immer die Sommer verbrachten. Mit dabei haben sie die Asche ihrer Mutter, um sie dort zu verstreuen. Dort holt sie die Vergangenheit ein, und alte Wunden brechen wieder auf.

Als dtv mir auf Anfrage diesen Debüt-Roman des schwedischen Autors Alex Schulman zusandte, kam er in einer Box mit einem kleinen Lesejournal, einer hellen Jutetasche und mit zwei duftenden, mit Kordel zusammen gebundenen Stücken Birkenrinde. Das Ganze sah aus und duftete wie ein heller, skandinavischer Sommer.

Von Helligkeit ist in diesem Buch aber keine Spur. Oder zumindest nur trügerisch, in den Rückblicken in die Vergangenheit, in der zunächst scheinbaren Idylle am See, wo die Eltern in Liegestühlen an Weingläsern nippen, die Brüder schwimmen, in der Hängematte liegen und lesen oder Birkenreiser im Wald sammeln. Doch von Anfang an lauert etwas zwischen den Zeilen: Dunkelheit. Schulman kreiert zügig eine sirrende, unterschwellige Alarmiertheit. Man ahnt, dass hier etwas faul ist.

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„Such a Fun Age“ von Kiley Reid – auf Deutsch

Titel: Such a Fun Age
Autorin: Kiley Reid
Übersetzerin: Corinna Vierkant
Verlag: Ullstein
erschienen: 03.03.2021
Länge: 352 Seiten

„Such a Fun Age“ hatte ich schon einmal im Februar 2020 rezensiert, kurz nach dem Erscheinen in Originalsprache,, als amerikanisches Hörbuch. Ich hatte mir sehnlichst gewünscht, dass das Buch auch hier in Deutschland erscheint, denn es thematisiert eine spezielle, weniger bekannte Art von Rassismus: Saviorism. Dieses Jahr war es dann so weit, und mich hat die deutsche Übersetzung sehr interessiert, also gab es einen re-read auf Deutsch.

Zum Inhalt:

Emira ist eine junge Schwarze, die sich ihr Geld als Babysitterin in einer privilegierten, weißen Familie verdient. Eines Abends kommt es zu einem Zwischenfall: Als Emira zu später Stunde mit der kleinen Tochter der Familie in einem vor allem von Weißen frequentierten Supermarkt unterwegs ist, wird sie verdächtigt, das Kind entführt zu haben. Der Vorfall wird von einem anderen Kunden gefilmt.

Die Mutter des Kindes, eine Influencerin, schreibt sich empört auf die Fahne, den rassistischen Vorfall anzuprangern und Emira unter ihre Fittiche zu nehmen. Die möchte das aber gar nicht, sondern das Ganze einfach auf sich beruhen lassen. Bis das Video plötzlich im Internet auftaucht.

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„Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez

Titel: Unsichtbare Frauen – Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert
Autorin: Caroline Criado-Perez
aus dem Englischen von Stephanie Singh
Format: Taschenbuch
Verlag: btb
erschienen: März 2020
Länge: 494 Seiten

Ich bin jetzt seit über einem Jahr wütend. Oder vielmehr: noch wütender als zuvor, was die systemische Benachteiligung von Frauen angeht. Vor über einem Jahr habe ich nämlich „Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez gelesen und konnte vor Empörung und Zorn abends kaum einschlafen. Ich dachte wirklich, wir wären weiter. Ich dachte, wir wären gleichberechtigter – zumindest in modernen, westlichen Staaten. Sind wir aber nicht. Und das ist kein feministisches Dramatisieren einer gefühltes Situation. In diesem Buch stehen nichts als Fakten. Belegt, nachgewiesen, traurige Wahrheit.

Eigentlich wollte ich aus dieser Wut heraus meine Rezension schreiben und jedem Menschen dieses Buch so lange vor den Kopf hauen, bis sie oder er es liest. Ich war bereit für einen Aufschrei. Und dann kam die Pandemie, und ich hatte Sorge, dass dieses Buch und meine Empörung davon verschluckt werden. Weil plötzlich ganz andere Themen relevant waren und eine Autorin, die Diskriminierung durch fehlende Daten über Frauen anprangert, durch Corona an die Wand gedrängt würden. Ich wollte warten, bis die so wichtigen Aussagen dieses Buches wieder bedeutsam werden würden.

Und siehe da: Sie sind es! Sie waren es sogar die ganze Zeit! Gerade die Pandemie hat entblößt, dass in der Welt der Daten, Regeln und Standards das Maß noch immer cis-männlich ist.

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„Chéri“ von Colette (Rezension)

Titel: Chéri
Autorin: Colette
Sprache: Englisch/Französisch
Format: Taschenbuch/e-Book
Verlag: Peguin Vintage Classics/Fayard
erschienen: erstmals 1920, Vintage Classics Ausgabe vom 01.10.2001
Länge: 120 Seiten

Colette? Von der hatte ich noch nie gehört, und von „Chéri“ auch nicht, als dieser kurze Roman zur nächsten Lektüre eines kleinen Online-Buchclubs wurde, dem ich angehöre. Und wie froh bin ich, dass sich das jetzt geändert hat! Colette (Sidonie-Gabrielle Colette, 1873 – 1954) war nämlich eine sehr bekannte, feministische, queere und auch skandalträchtige Autorin, deren Leben genauso spannend ist wie ihr Werk. Jahrelang wurde Colette von ihrem Ehemann, ebenfalls Schriftsteller, als Ghostwriterin missbraucht und von ihm teilweise zum Schreiben sogar eingesperrt. Nachdem Colette ihn verließ, lebte sie eine Weile offen mit einer Frau zusammen, heiratete irgendwann ein zweites Mal und ließ sich dann auf eine Affäre mit ihrem halb so alten Stiefsohn ein. Auch ein späterer Liebhaber war wesentlich jünger als sie. Erst als zweite Frau wurde sie Mitglied der Académie Concourt und erhielt nach ihrem Tod sogar ein Staatsbegräbnis. Vielen ist sie als Autorin von „Gigi“ bekannt, erfolgreich als Musical verfilmt.

Ihr kleiner, aber eindrucksvoller Roman „Chéri“ scheint denn auch autobiografische Züge zu tragen, denn auch hier verfolgen wir die Liebesgeschichte zwischen einer fast 50-jährigen Pariser Kurtisane mit einem hübschen, verwöhnten 25-jährigen – dem titelgebenden „Chéri“. Léa kennt Chéri, den Sohn einer Freundin aus dem gleichen Milieu, von Kindheit an und wurde sogar damit betraut, ihn in Liebesdingen zu „erziehen“. Die Beziehung der beiden ist nach heutigen Maßstäben äußerst fragwürdig, mischen sich hier doch mütterliche Liebe mit sexueller Attraktion und tatsächlichen, tiefen Gefühlen. Aus damaliger Sicht? Vielleicht anders.

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