„Die magischen Buchhändler von London“ von Garth Nix

Titel: Die magischen Buchhändler von London

Originaltitel: The left-handed booksellers of London

Autor: Garth Nix

übersetzt von: Ruggero Leò

Format: Taschenbuch, Klappenbroschur

Verlag: Penhaligon

erschienen: 21.3.2022

Länge: 416 Seiten

Klappentext:

Schon immer waren Buchhändler Hüter und Verbreiter von Wissen. Besonders gilt dies für die Mitglieder des Geheimbunds der magischen Buchhändler. Sie wissen um die übernatürliche Welt und beschützen die normalen Menschen vor ihren Schrecken. Einer dieser Buchhändler ist der junge Merlin. Klug, charmant und hervorragend ausgebildet ist er vielleicht der beste Buchhändler Londons – allerdings von der kämpfenden Sorte. Doch als er eine junge Frau vor einer Bestie rettet, ahnt er noch nicht, dass die Suche nach ihrem Vater auch ihn seinem größten Ziel näher bringt: Rache an den Mördern seiner Mutter zu nehmen.

Zum Buch:

Quirky Urban Fantasy ist ja mein Ding. Ich liebe in diesem Genre die verrückten Settings und die Verbindung von realer und fantastischer Welt. Wenn dann noch faszinierende Charaktere die Geschichte tragen und mich an sicherer Hand durch einen crazy Plot führen, bin ich hin und weg.

Dem Australier Garth Nix gelingt das nur teilweise.

Am Setting gibt es gar nichts auszusetzen. Das ist klasse gemacht: Mitten in London arbeiten in zwei Buchläden links- und rechtshändige Buchhändler (dazu später mehr), die eigentlich Magier:innen sind und die nicht so angenehmen Aspekte und Wesen der parallel existierenden, den Menschen nicht bekannten, magischen Welt in Schach halten. Die Buchläden allein sind ein Fest voller Details; jedes Stockwerk anders gebaut, voller Artefakte, Verzierungen, speziellen Büchern und von eigentümlicher, verzauberter Architektur. „Whimsical“ nennt man das im Englischen.

Die Überkreuzungen mit der magischen Welt führen über neblige Pfade, plötzlich auftauchende Jahrmärkte und so manches andere die Hauptfiguren von einem Abenteuer ins nächste. Man kann sich gar nicht sattsehen an Settings und seltsamen Wesen, von Zombie-artiger „Kesselbrut“ über Tiere bis hin zu schemenhaften Monstern und Kobolden.

Der Plot ist auch nicht zu bemängeln. Es passiert viel um immer wieder irgendetwas Neues und Unerwartetes. Die Geschichte ist etwas verdreht, ergibt aber Sinn. Problematisch ist manchmal, dass Garth Nix plötzlich innehält, um sich eben jenen detaillierten, beschreibenden Passagen zu widmen, während woanders eine schnelle Szene unglaubwürdig lange einfach pausiert. Das funktioniert im Pacing nicht so ganz.

Humor ist reichlich verhanden, von der britischen, schrägen Art. Tatsächlich ist die Geschichte trotz Monstern, Gewalt und Todesfällen nie wirklich gruselig sondern von der eher leichtfüßigen Art. Selbst wenn es ernst wird, hat man das Gefühl, dass es nicht wirklich ernst ist. Lässt sich also unbelastet lesen.

Damit kommen wir aber auch zur Krux der Angelegenheit: Es fehlt ein bisschen der Ernst der Sache – und das, obwohl Garth Nix es offensichtlich ernst meint. Die Geschichte packt einen nicht so am Kragen, wie sie es könnte. Man fiebert trotz der ständig lauernden Gefahren nicht wirklich mit. Warum nicht?

Die Antwort steckt in den Figuren.

Susan bleibt als Hauptfigur seltsam flach. Aus ihrer Geschichte erzählt, hat man trotzdem den Eindruck, dass ihr Blickwinkel kein besonders tiefer ist. Mitten hineingeworfen in unglaubliche und lebensgefährliche Geschehnisse, bleibt sie merkwürdig unberührt und nimmt alles mit einer Gelassenheit hin, die nicht realistisch ist. Mich erinnert ihr Verhalten an Figuren in Märchen, die auf Hexen und verzauberte Wesen stoßen, darüber aber nicht wirklich erstaunt sind.

Angst? Hat Susan wenig. Zweifel? Kaum. Sie schwimmt einfach mit im Strom der Geschichte, und auch, wenn am Schluss manches klarer wird, macht ihr pragmatisches und wenig emotionales Verhalten es einem nicht leicht, mit ihr zu fühlen oder sich gar mit ihr zu identifizieren. Sie wirkt dadurch auch wenig spannend, hat keine Ecken und Kanten oder Facetten. Als Figur bleibt sie – wie fast alle im Buch – ziemlich eindimensional.

Interessanter als sie ist definitiv Merlin, die zweit wichtigste Figur. Sein gender-sprengendes Verhalten, Aussehen und seine Kleidung und seine charmante Nonchalance machen ihn zu einem schillernden, leicht mysteriösen Charakter, über den man mehr erfahren möchte. Nicht nur Susan ist von ihm sofort becirct. Dann gehört er auch noch zu den Linkshändern – also zu den aktiven, an Waffen ausgebildeten Kämpfern unter den Buchhändlern und nicht zu den eher passiven, Zauberkraft beherrschenden Rechtshändern, und das stellt er auch mehrfach eindrucksvoll unter Beweis.

Umso bedauerlicher ist es, dass auch diese Figur nicht die Tiefe erhält, die man in ihm erahnt. Die Story lässt dazu keine Zeit, und vielleicht ist es auch nicht Garth Nix‘ Ding, aber auch Merlin bleibt flacher gezeichnet, als man sich wünscht. Das Potenzial wäre da gewesen, mit Sicherheit.

Die Flachheit der Figuren führt dazu, dass man sein Herz nicht so an sie hängt. Was wiederum bedeutet, dass man sich nicht so um sie sorgt und die eigentlich spannenden Szenen nicht mehr so spannend sind. Mit Neugierde fragt man sich zwar, welches Szenario einen auf der nächsten Seite erwartet, aber ein wirkliches Mitfiebern stellt sich nicht ein.

Fazit:

Insgesamt entpuppt sich Garth Nix‘ Urban Fantasy Roman als liebenswert-versponnene Abenteuergeschichte voller Ideenreichtum und Tempo, deren Schwerpunkt im Plot und der Beschreibung der magischen Parallelwelt liegen. Die Figuren selbst – vor allem die Protagonistin – bleiben dagegen ziemlich eindimensional. Das bedeutet eine spaßige Lektüre, die emotional aber nicht wirklich berührt und einen nicht so mit den Figuren mitfiebern lässt, wie man sich das wünschen würde. Netter magischer Zeitvertreib, der nicht belastet, aber mehr hätte sein können.

Bewertung:

Bewertung: 3 von 5.

Danke an den Penhaligon Verlag für das Rezensionsexemplar!

Ein Gedanke zu “„Die magischen Buchhändler von London“ von Garth Nix

  1. Romy 21. Oktober 2022 / 14:28

    Na ja, etwas mehr habe ich mir schon erhofft;)

    LG

    Romy

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