Rezension: ‚Brilliance‘ von Marcus Sakey (Brilliance Saga #1)

brillianceTitel: ‚Brilliance‘ (Brilliance Saga #1)

dt. Titel: ‚Die Abnormen‘, erschienen 29. April 2014)

Autor: Marcus Sakey

Sprache: Englisch

Format: eBook

Verlag: Thomas & Mercer

erschienen: 16. Juli 2013

Seitenzahl der Printausgabe: 453 Seiten

Beschreibung:

In Wyoming kann ein kleines Mädchen in der Art, wie jemand seine Arme verschränkt, seine dunkelsten Geheimnisse lesen. In New York erkennt ein Mann Muster im Auf und Ab der Börse und rafft 300 Milliarden Dollar zusammen. Man nennt sie „Abnorme“ oder „Geniale“, Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Seit 1980 kommt ein Prozent aller Neugeborenen „abnorm“ zur Welt – und seitdem ist alles anders.

Einer von ihnen ist der Agent Nick Cooper. Seine Gabe macht ihn zum erfolgreichen Terroristenjäger. Er wird auf den vielleicht gefährlichsten Mann der Welt angesetzt, einen Genialen mit dem Blut vieler Menschen an den Händen. Um an ihn heranzukommen, muss Cooper gegen all seine Grundsätze verstoßen… und andere seinesgleichen hintergehen.

Zum Buch:

Wenn man so die Inhaltsangabe liest, fühlt man sich an ‚X-Men‘ erinnert, oder?

Falsch. In Brilliance gibt es keine magnetischen, Laserstrahlen erzeugende oder bei Berührung todbringende Sonderlinge. Die Fähigkeiten der ‚Abnormen‘ sind subtiler und beschränken sich auf den geistigen Bereich. Das Erkennen von Mustern aller Art erlaubt ihnen, Ereignisse, Handlungen, Reaktionen vorherzusagen. Manchmal sogar, Gedanken oder Gefühle zu ‚lesen‘.

Aber anders als bei ‚X-Men‘ stehen diese Begabungen nicht im Vordergrund. Worum es vielmehr geht (und da ähnelt ‚Brilliance‘ der Comic-Reihe dann wieder) ist, wie die Gesellschaft mit diesen ‚Abnormen‘ umgeht. Die Begeisterung der ersten Jahre ist Argwohn und Furcht vor den Fähigkeiten der Begabten gewichen. Einige haben ihre Talente benutzt, um Verbrechen zu begehen und Akte von Terrorismus. Die Regierung reagiert darauf mit ‚Früherkennung‘ und Zwangskontrolle: alle Kinder werden im Alter von 8 Jahren getestet, und besonders Begabte in speziellen Akademien internalisiert – auch gegen den Willen der Eltern. Außerdem hat das Justizdepartment eine spezielle Einsatztruppe geschaffen: Die DAR, in der auch Nick Cooper arbeitet, spürt kriminelle ‚Abnorme‘ auf und eliminiert sie.

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Rezension: ‚Mr. Mercedes‘ von Stephen King

mr mercedesTitel: ‚Mr. Mercedes: A Novel‘
dt. Titel: ‚Mr. Mercedes: Roman‘, erscheint am 8. September 2014
Autor: Stephen King
Sprache: Amerikanisch
Format: Hörbuch
Sprecher: Will Patton
Anbieter: Simon & Schuster Audio
erschienen: 3. Juni 2014
Länge: 14 Std 22 min (ungekürzt)

Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 oder 1 Guthaben (regulärer Preis € 24,95).

Beschreibung (audible):

In the frigid pre-dawn hours, in a distressed Midwestern city, hundreds of desperate unemployed folks are lined up for a spot at a job fair. Without warning, a lone driver plows through the crowd in a stolen Mercedes, running over the innocent, backing up, and charging again. Eight people are killed; fifteen are wounded. The killer escapes. Mr. Mercedes is a war between good and evil, from the master of suspense whose insight into the mind of this obsessed, insane killer is chilling and unforgettable.

Zum Hörbuch:

Stephen King ist in unseren Köpfen fest als Horror-Autor abgespeichert. Dass er auch anders kann, hat er inzwischen mehrfach bewiesen – zuletzt in seinem nostalgisch-melancholischen Entwicklungsroman ‚Joyland‘. Mit seinem Neuling ‚Mr. Mercedes‘ leuchtet King eine weitere schriftstellerische Facette aus: Es ist sein erster Versuch an einem Detektiv-Thriller.

Was schon mal gut funktioniert, und was King schon immer gut konnte, ist das Erschaffen markanter Hauptfiguren. Allen voran Bill ‚Kermit‘ Hodges, ein pensionierter Polizeibeamter, den der Ruhestand in lebensmüde Lethargie hat sinken lassen. Um diesen etwas schroffen aber gutherzigen Ex-Cop aus seiner alkoholgetränkten Starre zu erwecken, braucht es einen Killer – eben jenen titelgebenden Mr. Mercedes.

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Rezension: ‚Still‘ foolin‘ ‚em‘ von Billy Crystal

still foolin emTitel: ‚Still foolin‘ ‚em – Where I’ve been, where I’m going, and where the hell are my keys‘

auf Deutsch erschienen im Ullstein Verlag unter dem Titel: ’65. Wo komm‘ ich her, wo geh‘ ich hin, und wo, verdammt noch mal, sind meine Schlüssel‘

Autor: Billy Crystal

Sprache: Amerikanisch

Format: Hörbuch

Sprecher: Billy Crystal

Anbieter: Macmillan Audio

erschienen: 10. September 2013

Länge: 8 Std 6 min (ungekürzt)

Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 19,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Beschreibung (Ullstein):

Pointenreich und voller Selbstironie schildert Billy Crystal, einer der bekanntesten Komödianten der Welt, seine Erfahrungen mit dem Altwerden und blickt zurück auf seine Karriere. Billy Crystal wird 65. Toll findet er das nicht, denn irgendwie lässt sich das Alter nun nicht mehr leugnen. Absurde Gebrechen drängen in sein Leben, etwa Schlaflosigkeit und Erinnerungslücken. Sachen lösen sich förmlich in Luft auf, und immer häufiger verlässt er den Esstisch mit vollgekleckertem Hemd … Der einzige Trost: Er ist nicht allein – sein Schicksal teilen Millionen anderer Männer. Und: Sein Leben hat ihm jede Menge großartiger Momente beschert, an die er sich in seinem Buch gerne erinnert: seine Karriere als Standup- Comedian, eine Affäre mit Sophia Loren und eine Freundschaft mit Mohammed Ali, legendäre Auftritte in »Saturday Night Live« und Hollywoodfilmen wie »Harry und Sally«. Das Leben als Senior indes hält ganz andere Herausforderungen bereit: denn wo, verdammt, sind schon wieder die Schlüssel?

Zum Hörbuch:

‚At sixty-five, when you go out to eat and tell the family that dinner is on you, you mean it literally. It’s on your chin, on your shirts, on your pants. You’re usually wearing more than you ate.‘
Billy Crystal, ‚Still foolin‘ ‚em‘

Wer Billy Crystal ist, muss ich euch hoffentlich nicht erklären. Der Film ‚Harry und Sally‘ mit dem Salat-Orgasmus sagt euch etwas? Der Typ, der jahrelang aus den langweiligsten Oscar-Verleihungen als Gastgeber eine zum Brüllen komische Comedy-Veranstaltung gemacht hat? Genau der ist nämlich 65 geworden. Und hat aus diesem Anlass einen hoch unterhaltsamen Mix aus Autobiographie und Comedy über sein Leben und die Tücken des Älterwerdens geschrieben. Und es sich nicht nehmen lassen, auch selbst die Hörbuchversion einzulesen, teil sogar vor Livepublikum aufgenommen.

Schon der Beginn ist unschlagbar:

‚March 14, 2013, my sixty-fifth birthday. I got up that morning, padded over to the bathroom, threw some water on my face, looked in the mirror, and my uncle Al was staring back at me.‘

Wenn Billy Crystal das selbst mit fassungsloser Resignation vor einem in lautes Lachen ausbrechenden Publikum sagt, glaubt mir – ihr lacht unwillkürlich mit. Ebenfalls laut.
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Rezension: ‚The Three‘ von Sarah Lotz

the threeTitel: ‚The Three‘

(erscheint am 11. August 2014 auf Deutsch unter dem Titel: ‚Die Drei: Thriller‘)

Autorin: Sarah Lotz

Sprache: Englisch

Format: Hörbuch

Sprecher: Melanie McHugh, Michael Wincott

Anbieter: Hodder & Stoughton

erschienen: 22. Mai 2014

Länge: 13 Std 58 min (ungekürzt)

Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 17,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhaltsangabe (amazon):

Der Tag, an dem es passiert, geht als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte ein. Der Tag, an dem vier Passagierflugzeuge abstürzen, innerhalb weniger Stunden, an vier unterschiedlichen Orten. Es gibt nur vier Überlebende. Drei davon sind Kinder, die fast unverletzt aus den Flugzeugwracks steigen. Die vierte ist Pamela May Donald, die gerade noch so lange lebt, dass sie eine Nachricht auf ihrem Handy hinterlassen kann. Eine Nachricht, die die Welt verändern wird. Eine Nachricht, die eine Warnung ist …

Zum Hörbuch:

Über The Three kann man eigentlich kaum etwas verraten, ohne schon zu viel zu verraten. Man sollte allerdings wissen, was diese ungewöhnliche Mystery-Geschichte NICHT ist, sonst hat man falsche Erwartungen und ist am Ende enttäuscht.

The Three ist KEINE Horrorgeschichte. Das heißt jetzt nicht, dass es einen nicht schaudert. Tatsächlich durchzieht die ganze Geschichte ein Gefühl von Unwohlsein, von leiser Paranoia, von demselben Gefühl, das mehrere der Figuren furchtbar plagt: Das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Doch anhand der Inhaltsangabe könnte man Monster erwarten, abgedrehte, schauderhafte Ereignisse, eine laserzuckende Alien-Attacke oder eine saftige Geisterstunde. Sorry, aber all das ist The Three nicht. Das Grausen ist hier ganz subtil, die Angst steckt im völlig Normalen, kommt aus den eigenen Vorstellungen gekrochen, und lange, sehr lange Zeit muss man sich fragen, ob es überhaupt einen Grund gibt für diese Angst.

Das macht Sarah Lotz sehr geschickt. Der erste Clou ist, dass The Three durch seinen Mix an Zeugenaussagen, Emails, Instant Messager-Dialogen, Pathologieberichten etc. absolut authentisch wirkt. Tatsächlich ist das Ganze ein Buch im Buch: The Three besteht fast komplett aus den Kapiteln eines (fiktiven) Buches einer investigativen Journalistin über die Flugzeugabstürze und die drei überlebenden Kinder. Es ist eine umfassende und pedantische Recherche, die uns von Beginn an an die fiebrige Frage fesselt, was zur Hölle denn da passiert ist – und was nicht.

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Rezension: ‚Dreams of Gods and Monsters‘ von Laini Taylor

dreams of gods and monsters audibledreams of gods and monsters

Titel: ‚Dreams of Gods and Monsters‘ (Daughter of Smoke and Bone #3)

(deutscher Erscheinungstermin steht noch nicht fest)

Autorin: Laini Taylor

Sprache: Englisch

Medium: Hörbuch

Sprecherin: Khristine Hvam

Anbieter: Hodder & Stoughton

erschienen: 17. April 2014

Länge: 18 Std 6 min (ungekürzt)

ACHTUNG: Dies ist Band 3 einer Trilogie! Diese Rezension enthält folglich SPOILER über die Bände 1 und 2!!!

Beschreibung:

Nach den Ereignissen in ‚Days of Blood and Starlight‘ müssen sich die Seraph und die Chimaera zusammenraufen, um einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen: Jael hat mit seiner Armee die Portale in die menschliche Welt durchschritten und bedroht deren Existenz. Aber können sich die einst erbittert verfeindeten Parteien der ‚Engel‘ und ‚Monster‘ wirklich miteinander anfreunden? Ist das die Chance für Akiva und Karou auf eine gemeinsame Zukunft?

So leicht ist es natürlich nicht, und es taucht ein weiteres Problem auf: Am Himmel von Eretz tauchen Flecken auf, wie Blutergüsse. Und in der Welt der Menschen kommt eine junge Wissenschafts-Studentin mit merkwürdigen Alpträumen den fremden Besuchern auf die Spur. Während die Welt nicht weiß, ob die Ankunft der Engel den Untergang oder eine Offenbarung bedeutet, kämpfen Karou und Akiva um die Existenz ihrer Heimat und um ihre Liebe…

 Zum Hörbuch:

Darauf habe ich mich seit Days of Blood and Starlight so gefreut: Das große Finale zwischen Engeln und Monstern. Und hoffentlich, hoffentlich ein Happy End für unser liebesgequältes Pärchen, Karou und Akiva!

Als ich Dreams of Gods and Monsters beginne, stelle ich stirnrunzelnd fest, dass es doch eine ganze Weile her ist, dass ich Karou und Akiva mit ihrer frisch vereinten Armee gesehen habe. Grob weiß ich zwar noch, was passiert ist, aber die Geschichte ist doch so komplex, dass ich pausiere und nochmal in die Inhaltsangabe zu Band 2 schaue. Nicht einfacher macht die Tatsache, dass durch die ‚Wiedererweckten‘ nicht mehr alle Figuren in ihren ursprünglichen Körpern stecken oder sogar eine andere Identität angenommen haben. Einen kurzen Blick zurück empfehle ich also jedem, der das nicht mehr alles frisch auf dem Tablett hat.

Teil 3 unterscheidet sich atmosphärisch und sprachlich gar nicht von den Vorgängern. Was das Herumschwingen ausufernd malerischer Sprachgebilde angeht, bleibt Laini Taylor ihrem Schreibstil treu. Eine Bewegung, ein Blick, ein Atemzug werden zur Ewigkeit. Da kann eine Sekunde Handlung sich schon mal über fünf Minuten Hörbuch erstrecken. Jeder flammende Flügelschlag Akivas, jede zitternd erhobene Hand Karous werden sprachlich voll ausgekostet. Dazu noch die inneren Monologe (größtenteils Karous): hingebungsvoller, leidvoller und vor allem ausgiebiger kann man nicht schmachten. Das letzte Mal habe ich sowas bei ‚Twilight‘ erlebt.

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Rezension: ‚The Rosie Project‘ von Graeme Simsion

the rosie project audioTitel: ‚The Rosie Project‘

dt. Titel: ‚Das Rosie-Projekt‘

Autor: Graeme Simsion

Sprache: Englisch

Medium: Hörbuch

Sprecher: Dan O’Grady

Anbieter: Penguin Books Limited

erschienen: 11.4.2013

Länge: 7 Std 30 min (ungekürzt)

Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 15,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Beschreibung (audible):

Don Tillman ist hochintelligent, sportlich, erfolgreich – und er will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist. Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik.

Zum Hörbuch:

Es ist Monate her, dass ich The Rosie Project zuende gehört habe. Und ich habe mit mir gerungen, ob ich überhaupt eine Rezension dazu schreiben soll. Ob ich das kann. Ob ich genug trennen kann zwischen persönlicher Erfahrung und einer fiktiven Geschichte, um auch nur annähernd objektiv zu sein. Nun, der Abstand ist inzwischen groß genug, um ein paar Worte zu diesem Hörbuch zu sagen.

Seht ihr, The Rosie Project ist eine unterhaltsame Liebesgeschichte. Es geht um diesen Genetik-Professor, der mithilfe eines Fragebogens eine Frau finden will. Der dann tatsächlich eine Frau findet, die aber völlig ungeeignet und am Ende doch die einzig Richtige ist. Es kommt ein spannender, teils kontroverser ’supporting cast‘ vor, allen voran Don’s bester Freund, ein herzlicher Psychologie-Professor, der nicht merkt, wie sehr seine Ehefrau unter dem Prinzip der ‚offenen Ehe‘ leidet, Don aber ständig über Beziehungen berät. Es kommt zu einem Haufen witziger Momente, und Don ist ein derart skurriler aber grundsympathischer Kerl, dass man ihn ins Herz schließt und sehr mit ihm mitfiebert. Und Rosie ist ein bunter, freigeistiger Wirbelwind von Frau, wie man sie nur mögen kann.

Das Problem ist, dass die erzählende Hauptperson, Don Tillmann, sich irgendwo auf dem autistischen Spektrum befindet. Es wird absichtlich nicht ausgesprochen, aber offensichtlich hat er ein undiagnostiziertes Asperger-Syndrom, über das er selbst so gekonnt einen treffenden Vortrag hält. Mein Problem damit ist nun, dass ich mich mit diesem Thema gut auskenne. Etwas zu gut. Tatsächlich bin ich Mutter eines halbwüchsigen ‚Aspie‘ und kenne noch etliche weitere Exemplare dieser besonderen Spezies.

Und da beginnen meine Schwierigkeiten mit Don, mit Rosie und mit der ganzen Geschichte: Ich vergleiche zu sehr. Ich weiß zuviel. Und andererseits weiß gerade ich, dass kein Aspie ist wie der andere, und dass jeder Vergleich genau deshalb wieder hinkt. Und bei alledem verliere ich aus den Augen, dass The Rosie Project eigentlich kein Buch über das Asperger-Syndrom ist, sondern eine humorvolle, liebenswürdige Geschichte über zwei Menschen, die sich trotz aller Gegensätze finden und lieben.

Denn das ist es: Humorvoll. Man lacht viel, wenn Don aufgrund seiner Veranlagung immer wieder in Fettnäpfchen tritt und in seltsame Situationen gerät. Man lacht schönerweise dabei nicht über ihn, sondern über die Situation an sich und was geschieht. Da beweist Simsion genügend Fingerspitzengefühl und stellt Don nicht als unfreiwilligen Clown dar. Es hilft natürlich auch, dass wir die Geschichte durch Don’s Augen sehen und seine Perspektive annehmen. Das hilft zu verstehen und hält uns sogar oft einen Spiegel vor. Don’s wortwörtliche Logik stellt sich mehr als einmal als klarer und eigentlich ’normaler‘ heraus als die aller anderen. Zudem lösen sich diese Situationen fast durchweg positiv auf, bringen die Geschichte weiter und Don und Rosie ein Stück einander näher.

Es macht Spaß, den beiden auf ihrem Weg in eine Liebesbeziehung durch einige Auf und Abs zuzuschauen. Nirgendwo gibt es in der Geschichte Längen, dafür fast durchweg sympathische Hauptfiguren und einen Erzähler, dessen Weltsicht, Sprache und Erlebnishorizont genauso ungewöhnlich wie interessant sind. Und nach allem, was ich weiß und bisher erlebt habe, ist Don’s leicht autistisches Wesen durchaus authentisch dargestellt: Seine Überkorrektheit, sein Kleben an Routinen und Ritualen, das wortwörtliche Verstehen von Ironie oder Idiomen, sein ausgeprägtes und starkes logisches Denken im Gegensatz zu seiner Naivität gegenüber Zwischenmenschlichem – das ist alles nicht nur lehrbuchmäßig sondern kommt auch tatsächlich im wahren Leben so vor.

ABER. Da haben wir’s. Das große ABER. Don ist eben nur eine Sorte von Aspie. Und dazu noch ein ziemlich klischeehafter: Der hochintelligente, zahlenversessene, liebenswerte Freak. Dieser Typ wird in Literatur und Film gerne dargestellt, stellt in Wirklichkeit aber nur einen kleinen Prozentsatz von Asperger-Autisten dar. (Im Interview unten erzählt Simsion, dass ‚Don‘ größtenteils auf der Beobachtung seiner akademischen Kollegen und Bekannten beruht und weniger auf recherchierten Fakten). Ja, es stimmt: Viele von ihnen haben Inselbegabungen und sogenannte ‚Spezialinteressen‘, aber die meisten haben eine Durchschnittsintelligenz, und nicht wenige von ihnen landen aufgrund ihrer vielfältigen Schwierigkeiten nicht an Universitäten, sondern auf Förderschulen und in Arbeitslosigkeit.

Und selbst die hochintelligenten Aspies, die aufgrund ihres guten ‚Durchkommens‘ im Leben dann meist gar nicht diagnostiziert werden, kennen die andere Seite der Medaille, die so gar nichts mit lustig oder romantisch zu tun hat. Es ist die Seite, die in The Rosie Project ein paar Mal angedeutet, aber leicht übersehen wird: Es sind die Missverständnisse, die sich eben nicht in Lacher auflösen, sondern in Tränen. Es ist Einsamkeit, weil Freundschaft und Beziehungen trotz allen Willens für Aspies ein Buch mit sieben Siegeln sind. Es ist Überforderung, wenn zu viel Neues passiert und die Ängste davor zu groß werden, um sie zu überwinden. Es ist der Schmerz, anders zu sein als die anderen und das immer wieder zu spüren zu kriegen. Und es sind die Konflikte mit dem Umfeld, mit der Familie, die für alle Beteiligten eine extreme Dauerbelastung sind.

Ich könnte hier noch ewig weitermachen, verkneife mir das aber. Es geht hier ja nicht um mich, sondern um Simsion’s Roman. Ich will hier auch gar nicht gegen sein wirklich schönes Buch wettern. Zumal er zwischendurch eben immer mal wieder andeutet, dass auch Don schwierige Zeiten hinter sich hat. Dass die Beziehung zu Don’s Familie problematisch war. Dass es in Don’s Jugend dunkle Kapitel mit viel Kummer gegeben haben muss. Dass er und Rosie sich wirklich anstrengen müssen, um einen Weg miteinander zu finden, den sie gehen können. Nicht alles ist eitel Sonnenschein.

Ich möchte eigentlich einfach nur loswerden, dass man beim Lesen dieses Buches vorsichtig damit sein muss, sich ein Bild über autistisch veranlangte Menschen wie Don zu machen. Dazu ist es einfach zu einseitig dargestellt und klammert die problematischen Aspekte zu sehr aus. Dazu macht Simsion es sich am Schluss auch zu einfach: Dass Don sich einfach so ändert, nur für Rosie, ist nicht realistisch und gefällt mir auch nur bedingt.

Letztlich kommt es darauf an, was man von diesem Buch erwartet. Wenn man The Rosie Project als exzentrisch-humorvolle Liebesgeschichte lesen möchte, dann ist das kein Problem und sehr empfehlenswert. Absolut nett geschrieben, hoch unterhaltsam und mit einem Happy End, aus dem kein Kitsch trieft.

Wenn man aber etwas über Menschen mit Asperger-Syndrom lernen möchte, dann ist The Rosie Project nur ein Einstieg in ein hoch komplexes, schwieriges Thema, das hier etwas zu sehr verniedlicht wird. Im wahren Leben ist Autismus (und zwar in jeder Form) alles Mögliche, aber sehr selten lustig – außer man hat eine Menge Galgenhumor.

(Wer dieses Thema übrigens mit mir weiter diskutieren oder Literatur- und Filmtipps haben  möchte, kann das gerne tun, hier in den Kommentaren oder über das Kontaktformular per Email. )

Zum Sprecher:

Dan O’Grady hört sich an, als würde er ein wissenschaftliches Experiment kommentieren. Und das passt. In seiner Stimme schwingen Logik und eine fast kindliche Neugierde mit, wobei Gefühle der verdeckte Subtext bleiben. Die Stimmlage bleibt relativ beschwingt, in Don’s Stressphasen klingt eine gewisse Unruhe mit, aber die emotionalen Ausschläge sind gering. Das passt zu Don’s akademisch-empirischem Wesen sehr gut und setzt den Text passend in gesprochene Worte um.

Ob die Erzählweise zu einem Aspie passt? Nun, auch da gibt es ein riesiges Spektrum. Aus meiner Erfahrung hören sich Asperger-Autisten oft ein wenig ‚flach‘ an in der Betonung. Dazu kommt ein gewisser ‚Vortragston‘ selbst im normalen Gespräch. Häufig klingen sie ein wenig altklug, was auch an der oft überkorrekten Sprache liegt und der Tendenz, im Bereich ihrer Spezialinteressen geradezu lexikalisch zu klingen.

Was Don angeht, passt das also. Es gibt aber genauso Aspies, die sehr emotional klingen, die sich weniger geschliffen ausdrücken, und auch solche, deren Stimme auffällig monoton ist. Man kann das also nicht über einen Kamm scheren. O’Grady orientiert sich offenbar an dem, was ihm die Ich-Erzählung als ‚Sprachcharakter‘ vorgibt, und das macht er gut.

Wichtig zu wissen für Nicht-Muttersprachler: So wie Simsion, kommt O’Grady aus ‚down under‘ (oder tut zumindest so). Australisches Englisch ist für Ungeübte nicht leicht zu verstehen, und selbst wenn ‚Don‘ ausgesprochen deutlich und sauber spricht, muss man sich da schon reinhören und diesen Akkzent auch mögen. Sonst gibt es Verständnisprobleme, und das Hörbuch geht einem schnell auf die Nerven.

Fazit:

Eine nette, flott zu lesende Liebesgeschichte, gesehen durch die Augen eines liebenswerten, skurrilen Wissenschaftlers, der eine leichte Form von Autismus hat. Die Geschichte an sich funktioniert, wird nie langweilig und bietet viele Gelegenheiten zum Schmunzeln. Die Figuren sind sympathisch (auch wenn man sich über Don’s dauer-fremdgehenden besten Freund gut streiten kann), allerdings allesamt ziemlich klischeehaft.

Das größte Klischee ist dabei die Hauptfigur selbst: Obwohl es nie ausgesprochen wird, hat Don eindeutig eine Autismus-Spektrum-Störung, vermutlich in Form eines Asperger-Syndroms. Es geht in dem Buch zwar nicht zentral um Autismus. Aber auf Don’s besonderen Sicht- und Verhaltensweisen baut sich die ganze Geschichte eben auf. Und leider stellt Simsion Don’s Problematik zu einseitig und verniedlicht dar. Das muss man wissen, wenn man The Rosie Project liest oder hört, sonst macht man sich ein falsches Bild.

Als leicht dahinfliegendes Sommer-Hörbuch wunderbar geeignet. Als Wissensquelle über Autismus nur bedingt.

Bewertung:

Hörbuch: 7 von 10 Punkten

Sprecher: 8 von 10 Punkten

Infos zur deutschen Ausgabe:

das rosie projekt

 Das Rosie Projekt gibt es auch als deutsches Buch und Hörbuch. Die Hörbuchfassung wird von Robert Stadlober gesprochen und ist ungekürzt bei audible.de erhältlich. Der Roman ist in gedruckter Form bei Fischer Krüger erschienen und umfasst 352 Seiten. Eine Kindle-Version gibt’s natürlich auch.

Der Roman tummelt sich seit Wochen auf der deutschen Bestseller-Liste und ist in 32 Ländern erschienen.

In diesem Interview erzählt der sehr sympathische Autor u.a. Einiges zum Thema ‚Asperger‘ in Bezug auf seinen Roman und wie er die Hauptfigur  und seine Erzählperspektive ins Leben gerufen hat.

‚Blogger schenken Lesefreude‘ – Die große Buchverlosung zum Welttag des Buches!

Blogger schenken Lesefreude 2014 Banner

Heute ist er – der ‚Welttag des Buches‘! Also starten wir sie mal, die Verlosung im Rahmen der ‚Blogger schenken Lesefreude‘-Aktion!

Bei mir könnt ihr vier Bücher gewinnen! Ich freue mich, für jeden Geschmack etwas anbieten zu können: Eine Dystopie, ein Märchen für Erwachsene, einen Polit-Krimi und einen literarischen Roman.

Die Verlosung startet heute, 23.4.2014, um 0.00h und endet am 30.4.2014 um 0.00h (ihr habt also ein bisschen Zeit, euch durch die vielen hundert Blogs durchzuarbeiten, die mitmachen, und müsst nicht in Hektik geraten).

Diese Bücher gibt es zu gewinnen:

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#Lesefreude: Das 2. Buch, das ich verlose, ist….

…gar kein Buch, sondern ein HÖRBUCH! Und zwar auf ENGLISCH! (Auf Deutsch ist es immer noch nicht erschienen, so eine Schande…)

the ocean at the end of the laneLetztes Jahr hat mich Neil Gaiman mit The Ocean at the End of the Lane völlig umgehauen. Die realo-mystische Geschichte, der Erzählstil, Neil Gaiman’s dunkel-samtene Vortragsart – das Hörbuch war einer meiner absoluten Lieblinge 2013 (und ist völlig zurecht für den Audie Award 2014 nominiert!).

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Rezension: ‚Neverwhere‘ von Neil Gaiman

neverwhereTitel: ‚Neverwhere‘

dt. Titel: ‚Niemalsland‘

Autor: Neil Gaiman

Format: Hörspiel

Sprache: Englisch

Sprecher: Christopher Lee, James McAvoy, Natalie Dormer, David Harewood, Sophie Okonedo, Benedict Cumberbatch, Anthony Head u.a.

Anbieter: AudioGo Ltd

Erscheinungsdatum: 5. September 2013

Länge: 3 Std 48 min

Das Hörspiel gibt es als download bei audible.de, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis €12,95). Eine Hörprobe gibt es auf der Produktseite von audible (oder im Video unter dem Beitrag).

Beschreibung:

Richard Mayhew, ein in London lebender Schotte, hilft eines Abends auf der Straße einer verletzten jungen Frau, die sich ‚Door‘ nennt. Dieser Akt der Barmherzigkeit führt jedoch dazu, dass Richard sprichwörtlich aus ‚London Above‘ verschwindet und sich in ‚London Below‘ wiederfindet – einer mystisch-verrückten Parallelwelt, in deren U-Bahnstationen nicht nur die Warnung ‚Mind the gap!‘ eine ganz neue Bedeutung findet…

Richard traut seinen Augen nicht. Bei dem Versuch, sowohl der gejagten Door zu helfen, als auch einen Weg zurück nach ‚London Above‘ zu finden, trifft er auf Mörder, Heilige, Ritter, Monster – und sogar auf einen Engel. Namens Islington.

Zum Hörspiel:

NEVERWHERE ist eigentlich eine mehrteilige Fernsehserie, von Neil Gaiman 1996 für die BBC geschrieben. Im gleichen Jahr wandelte Gaiman die TV-Serie in einen Roman um. Wie er selbst sagt, gab ihm das die Möglichkeit, einzelne Elemente und Passagen auszuweiten und auszuschmücken – sein ‚director’s cut‘ in Buchform. 2005 folgte die Adaption in eine Comic-Reihe. 2013 schließlich wurde NEVERWHERE als 6-teiliges Radio-Hörspiel für die BBC produziert und ausgestrahlt.

Ebendieses Hörspiel ist das, worum es hier geht. Soweit, so gut.

Ohne Gaiman-Erfahrung sollte man sich nicht in dieses Abenteuer stürzen. Und auch nicht ohne wirklich gutes englisches Hörverständnis. Mein Glück, dass ich beides habe, als ich mich mit Richard ins ‚London Below‘ begebe! Dessen unterhaltsames und authentisches Schottisch bringt mich allerdings erstmal an meine Grenzen, und einhören ist gefragt.

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Rezension: ‚Breakfast at Tiffany’s‘ von Truman Capote

breakfast at tiffany'sTitel: ‚Breakfast at Tiffany’s‘

dt. Titel: ‚Frühstück bei Tiffany’s‘

Autor: Truman Capote

Sprache: Amerikanisch

Format: Hörbuch

Sprecher: Michael C. Hall

Anbieter: Audible, Inc.

erschienen: 11. Februar 2014

Länge: 2 Std 52 min (ungekürzt)

Das Hörbuch erhaltet ihr im Download bei audible.de, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo nur € 9,95 (regulärer Preis € 13,95). Auf der Produktseite von audible findet ihr auch eine Hörprobe.

Beschreibung:

Holly Golightly, 18 Jahre, schlägt sich auf New York’s Upper East Side der 50er Jahre durch, indem sie mit reichen Männern anbandelt und sie gleichermaßen um den Finger wickelt, wie sie sich von ihnen aushalten lässt. Leichtigkeit und Naivität paaren sich bei ihr mit Mut, Einfallsreichtum und einem für damalige Frauen gewagten Selbstbewusstsein. Der Erzähler – Holly’s Nachbar und erfolgloser Schriftsteller – erzählt voller Bewunderung und Staunen von diesem gleichermaßen zerbrechlichen wie flatterhaften Geschöpf und ihrem Dasein als ‚Society Girl‘.

Zum Hörbuch:

BREAKFAST AT TIFFANY’S, gelesen von Michael C. Hall? Spontane Assoziationen: Audrey Hepburn. Dexter. Moon River.  New York. George Peppard. Glitzernde Juwelen. Schwarz-weiß-Film auf dem Fernseher meiner Großmutter.

Ein paar davon teilt ihr vielleicht. Der Film von 1961 jedenfalls sagt jedem etwas. Hoffe ich. (Wenn nicht – zackzack ansehen, das gehört zum Allgemeinwissen!) Und dass der Hörbuchsprecher, Michael C. Hall, im TV den liebenswerten Serienkiller Dexter verkörpert, dürften auch viele von euch wissen.

Wenn man – so wie ich – Fan von beidem ist, den kurzen Roman von Truman Capote aus dem Jahr 1958 aber noch nie gelesen hat, führt dieses Hörbuch zu Erwartungen, Sorgen und Überraschungen. Ich jedenfalls erwarte, in dunkler, aus Kindertagen stammender Erinnerung an den Film, eine angestaubte Romanze mit einem kitschig-kratzigen Soundtrack und einer entzückenden Hauptfigur. Meine Sorgen richten sich auf Michael C. Hall: Kann er diesen Klassiker stemmen? Werde ich statt George Peppard im scharf geschnittenen 50er-Jahre Anzug nur Dexter Morgan mit Blutspritzern und Donuts-Box vor meinem inneren Auge sehen?

Und damit kommen wir schon zu den Überraschungen:

Von einer Romanze ist so gut wie nichts zu spüren. Wo ich eine Liebesgeschichte zwischen dem namenlosen Schriftsteller und Holly in Erinnerung hatte, spielt sich stattdessen ein Gesellschaftsportrait mit einer schillernden, kontroversen Frau als Zentrum ab. Klar, unser Schriftsteller verguckt sich heillos in die verführerische Holly, aber im Prinzip bleibt es bei der sehnsuchtsvollen Bewunderung.

Statt Romantik also zeittypische und zeitkritische Beschreibungen der Haupt- und Nebenfiguren. Dubiöse, glamouröse, abstoßende und auch warmherzige Menschen kreisen wie Meteoriten um Holly. Die erweist sich als wesentlich zweischneidiger und provokativer, als ich sie aus dem Film in Erinnerung habe. Von wegen ‚Reh‘ – diese Holly scheint sich nicht darum zu scheren, dass sie ein wandelnder Skandal im noch recht züchtigen New York der 50er ist. Männer dienen ihr offenbar nur als Geldgeber, und sie führt sie ganz schön an der Nase herum. Aber da ist auch Holly’s andere Seite: Das fragile, liebenswerte Mädchen auf der Suche nach Liebe, und nach sich selbst. Sie kommt erst im Verlauf der Geschichte zum Vorschein – genau wie ihre wahre Identität, die so manches erklärt und ihre versponnenen Träume in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Es ist die Figur der Holly Golightly, erstaunlich kontrovers und schillernd, die diese Geschichte ausmacht. Sie bleibt im Gedächtnis, und ich werde Audrey Hepburn’s Performance im berühmten Film beim nächsten Anschauen mit anderen Augen betrachten.

Zum Sprecher:

Ich hatte ja schon Sorgen. Michael C. Hall kannte ich bisher nur als Schauspieler: Als Beerdigungsunternehmer in Six Feet Under und als Serienkiller in Dexter. Beide Serien liebe ich, und ‚Dexter’s‘ voice over-Kommentare in dieser hart-weichen, kalt-warmen Stimme versprachen Potential, was Hörbücher angeht. Aber würde er auch einen amerikanischen Klassiker wuppen, der so gar nichts mit Mord und Totschlag zu tun hat? Würde ich beim Hören ständig Dexter vor Augen haben?

Die Sorgen waren unbegründet. Zu meiner großen Erleichterung und Freude erweist sich Michael C. Hall als echte Entdeckung. Man zieht überrascht die Augenbrauen hoch, wenn man Holly aus seinem Munde das erste Mal hört: säuselnd, Lolita-haft, mit Südstaaten-Einschlag, ebenso naiv wie keck. Das hat nichts mit dem guten Dexter zu tun! Ich habe sein Bild also schnell aus dem Kopf und genieße die Akkzentreiche Performance, das melodische Tempo und die geschulte, sehr gut verständliche Aussprache von Michael C. Hall. Ein kleiner, feiner Genuss.

Fazit:

Ein kleines Hörbuch-Juwel aus der Rige der amerikanischen Klassiker. Gelesen von einem tollen Schauspieler, der sich als Hörbuch-Talent beweist. Der kurze Zeitgeist-Roman von Truman Capote um eine denkwürdige, kapriziöse Frauenfigur erfreut mit Stil und interessanten Figuren. Luftig, aber deswegen nicht leicht, empfehle ich das Hörbuch gerne an drei Gruppen: Diejenigen, die den Film kennen, den Roman aber noch nicht gelesen haben. An Truman Capote-Liebhaber, die Breakfast at Tiffany’s schon kennen, aber noch nicht als englisches Hörbuch. Und an neugierige Dexter-Fans, die mal eine ganz andere Seite dieses Schauspielers kennen lernen möchten.

Knappe drei  Stunden Hörbuch-Genuß, leichtfüßige Bildung und unterhaltsamer Englisch-Unterricht. Was will man mehr?

Bewertung:

Geschichte: 9 von 10 Punkten

Sprecher: 10 von 10 Punkten