Rezension: ‚Shining‘ von Stephen King

shiningTitel: ‚Shining‘

Originaltitel: ‚The Shining‘

Autor: Stephen King

Format: Hörbuch

Sprache: Deutsch (Originalsprache: Amerikanisch)

Sprecher: Dietmar Wunder

Anbieter: Lübbe Audio

erschienen: 17 Std 31 min

Länge: 17 Std 31 min (ungekürzt)

Das Hörbuch gibt es im Download bei audible.de zum regulären Preis von €7,95, und zwar HIER.

Beschreibung (audible):

Ein Hotel in den Bergen von Colorado. Jack Torrance, ein verkrachter Intellektueller mit Psycho-Problemen, bekommt den Job als Hausmeister, um den er sich beworben hat. Zusammen mit seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny reist er in den letzten Tagen des Herbstes an. Das Hotel „Overlook“ ist ein verrufener Ort. Wer sich ihm ausliefert, verfällt ihm, wird zum ausführenden Organ aller bösen Träume und Wünsche, die sich in ihm manifestieren.

Zum Hörbuch:

Das Erscheinen von DOCTOR SLEEP im September 2013 war Anlass, endlich mal dessen Vorgänger und somit einen von Stephen King’s ‚Klassikern‘ zu hören: SHINING.

Das Buch wurde bereits 1977 geschrieben, hat sich über die Zeit aber sehr gut gehalten. Das liegt auch am ungewöhnlichen Setting: SHINING ist beinahe ein Kammerspiel. Fast die gesamte Geschichte spielt im von der Außenwelt abgeschnittenen Overlook-Hotel. Das eingeschneite Hotel lässt nicht nur die Abwesenheit moderner Technik vergessen (Smartphones und WLAN hätten selbst heute da keine Chance), sondern es sorgt für eine Loslösung von irgendwelchen zeitlichen Fix- und Vergleichspunkten. Die Besetzung beschränkt sich größtenteils auf 3 Personen: Jack, Wendy und Danny Torrance. Eine Nukleus-Geschichte, die sich auf das Wesentliche konzentrieren kann.

Das tut der Intensität der Geschichte gut und hält Stephen King davon ab, ständig irgendwelche Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen oder mit unwichtigen Figuren in weitere Gefilde davon zu galoppieren. Das macht er ja gerne, und er schafft es auch hier ab und an, aber eben nicht so oft, dass es groß auffällt.

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Rezension: ‚Opferzeit‘ von Paul Cleave

OpferzeitTitel: ‚Opferzeit‘

Originaltitel: ‚Joe Victim‘

Autor: Paul Cleave

Format: Hörbuch

Sprache: Deutsch (Originalsprache: Englisch)

Sprecher: Martin Keßler

Anbieter: Random House Audio, Deutschland

erschienen: 14.10.2013

Spieldauer: 14 Std 26 min (ungekürzt)

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER.  Es kostet im Flexi-Abo €9,95 (regulärer Preis: €11,95).

Achtung: Der Download von Audible enthält zusätzlich eine PDF-Datei mit einem Steckbrief von Joe, Infos zum Buch von Paul Cleave selbst sowie ein Interview mit dem Autor. Der Steckbrief ist zu vernachlässigen, aber Paul Cleave’s Aussagen über die Entstehung des Sequels sind interessant zu lesen.

Eine Hörprobe gibt’s HIER.

Beschreibung (audible):

Die Einwohner von Christchurch sind aufgebracht. Ein Jahr nach der brutalen Mordserie, die ihre Stadt erschütterte, beginnt der Prozess gegen Joe Middleton, den berüchtigten „Schlächter von Christchurch“. Doch der beteuert nach wie vor seine Unschuld. Unterdessen zieht sich die psychopathische Melissa X einen neuen Killer heran, um Joe, mit dem sie einst eine unheilige Liaison einging, zu töten.

Die Fortsetzung des Bestsellers „Der siebte Tod“.

Zum Hörbuch:

Achtung! Diese Rezension enthält Spoiler für DER SIEBTE TOD, den Vorgänger dieses Hörbuchs!

So, so. ‚Slow Joe‘ ist wieder da. Das serienmordende Mamisöhnchen, das sich in DER SIEBTE TOD als scheinbar tumbe Reinigungskraft im Polizeirevier von Christchurch herumgetrieben und alle an der Nase herumgeführt hat. Naja, nicht alle. Vor allem eine nicht. Sonst wäre die unschöne Sache mit der Zange schließlich nicht passiert… Aber gut. Dieser Teil der Geschichte ist abgehakt. Kommen wir zur Fortsetzung:

Es ist jetzt kein wirklicher Spoiler, dass Joe seine Festnahme überlebt hat, oder? Paul Cleave schildert uns in einem packenden Flashback, im bewährten dramatischen Präsenz und aus Joe’s Ich-Perspektive, wie das von statten gegangen ist. Hart, unmittelbar, distanzlos und sarkastisch – so kenne und mag ich das von Cleave. Dazu die erbarmungslose Coolness von Sprecher Martin Keßler, der sich mal wieder anhört, als hätte er zum Frühstück Stahlwolle gegessen. Ich bin begeistert und stecke sofort tief im Hörbuch drin.

Schade, dass die Euphorie nicht anhält.

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Rezension: ‚Zorn – Wo kein Licht‘ von Stephan Ludwig

Zorn - Wo kein LichtTitel: ‚Zorn – Wo kein Licht‘ (Zorn #3)

Autor: Stephan Ludwig

Sprache: Deutsch

Format: Hörbuch

Anbieter: Argon Verlag

erschienen: 29.8.2013

Länge: 8 Std. 23 min (gekürzt)

Das Hörbuch als Download gibt es bei audible.de, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95.

Eine Hörprobe gibt es HIER,  auf der Produktseite von audible.

Beschreibung (audible):

Hauptkommissar Claudius Zorn weiß nicht, wo ihm der Kopf steht. Die Ereignisse überschlagen sich: Ein Banker springt von einer Brücke und erschießt sich im Fallen, ein Richter wird vermisst, und der Herbstball der Polizeigewerkschaft endet im Fiasko. Sein Kollege Schröder liegt mit Gehirnerschütterung im Krankenhaus und kann nicht wie gewohnt den ermittlerischen Input liefern. Aber dann erhält Zorn einen entscheidenden Hinweis und hat schnell den Verdacht: Alle Verbrechen hängen zusammen. Nur leider glaubt ihm keiner. Mit fatalen Folgen…

Zum Hörbuch:

Zorn und Schröder. Die zwei haben mich in ZORN – TOD UND REGEN zum Lachen und in ZORN – VOM LIEBEN UND STERBEN zum Weinen gebracht. Ans Herz gewachsen sind mir der stinkfaule, knurrige Hauptkommissar und sein enthusiastischer Assistent dabei. Ein so originelles Duo hat die deutsche Thriller-Landschaft gebraucht!

Sowohl Teil 1 als auch Teil 2 der Reihe hatten ihre Schwächen. Im ersten Buch konnte Stephan Ludwig die mit Slapstick-Humor glattbügeln, und im zweiten mit unerwartet düsterem Tiefgang.

Jetzt also Buch 3. Tja, und da haben wir den Salat.

Auch Buch 3 ist zu empfehlen. Ludwig entwickelt seine Figuren konsequent weiter, streut wieder Humor in die Geschichte, ein bisschen Grausen hier, eine überraschende Wendung da. Und die Handlung an sich ist diesmal sogar richtig gut ausbalanciert mit den kleinen Anekdoten rund um die Figuren Zorn und Schröder herum. Gut gefällt mir auch, dass Ludwig am Ende zwar wieder einiges erklären muss, es aber nicht zu einem langwierigen Monolog kommt. Der Autor baut die Erklärung in den spannenden Showdown ein. Von der Struktur her und der Stringenz hat sich die Zorn-Reihe also gemausert.

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Rezension: ‚Joyland‘ von Stephen King

JoylandTitel: ‚Joyland‘

Autor: Stephen King

Sprache: Deutsch (Originalsprache: Amerikanisch)

Format: Hörbuch

Sprecher: David Nathan

Anbieter: Random House Audio, Deutschland

Veröffentlicht: 2013

Länge: 9 Std. 4 min (ungekürzt)

Das Hörbuch könnt ihr bei audible.de runterladen, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo nur €9,95, ansonsten zahlt ihr €13,95.

Grafikelement Hörprobe

Irgendwann ist der Spaß vorbei, und wenn man die Finsternis auf sich zukriechen sieht, hält man sich an allem fest, was hell und glücklich und gut war, als würde das Leben davon abhängen.

–Stephen King, Joyland

Beschreibung (audible):

Auf verhängnisvolle Weise kreuzen sich in einem kleinen Vergnügungspark die Wege eines untergetauchten Mörders und eines Kindes. Und mitten im sich überschlagenden Geschehen steht ein junger, unschuldiger Student und weiß: Irgendwann ist es mit der Unschuld vorbei. Irgendwann hört jeder Spaß auf.

Um sich sein Studium zu finanzieren, arbeitet Devin Jones während der Semesterferien im Vergnügungspark Joyland an der Küste von North Carolina. Drei Dinge sind es, die ihn im Laufe des Sommers 1973 vor allem beschäftigen: Seine große Liebe Wendy gibt ihm per Brief den Laufpass. In der Geisterbahn Horror House soll es spuken, nachdem dort ein Mädchen ermordet wurde. Und er fragt sich, welches Geheimnis sich wohl hinter der schönen jungen Frau mit ihrem behinderten Sohn verbirgt, an deren Strandvilla er jeden Tag vorbeikommt. Vom unbekümmerten Schaustellerleben in Joyland fasziniert, verlängert Devin seinen Aufenthalt. Mit seinen neugierigen Nachforschungen tritt er jedoch eine Lawine von Ereignissen los, bei denen es schließlich um Tod oder Leben geht …

Stephen Kings Bestseller „Der Anschlag“ – seine Zeitreise in die Sechzigerjahre – wurde von der Kritik einhellig in höchsten Tönen gelobt. In „Joyland“ nun nimmt der Autor den Hörer auf einen Trip in die Siebzigerjahre mit.

Zum Hörbuch:

Lange Jahre hatte ich um Stephen King einen Bogen gemacht. Als Teenager hatte er mir in den 80er Jahren mit ‚Friedhof der Kuscheltiere‘ derartige Alpträume beschert, dass ich sowas nicht mehr lesen wollte. Ich hatte ihn in die Ecke ‚Horror- und Trivialliteratur‘ gestellt und auch nicht vor, ihn da wieder herauszuholen.

Aber man wird ja älter und reifer und neigt dazu, den Dingen später nochmal eine zweite Chance zu geben. Also ließ ich mich vor ein paar Monaten dazu überreden, mir TODESMARSCH anzuhören – und fand das überraschend gut. Als JOYLAND dann herauskam, wieder gelesen von dem unglaublichen David Nathan, war ich sofort dabei. Und es ist vermutlich bezeichnend, dass King’s Neuester von einem Ex-King-Hasser wie mir Bestnoten erhält, während eingefleischte King-Fans von JOYLAND enttäuscht sind.

Mögliche Erklärungsversuche:

In JOYLAND tut Stephen King all das nicht, was mich früher so abgestoßen hat. Es gibt z.B. keine wirklichen Ekelszenen. Keinen, der kotzt oder dem die Gedärme heraushängen. Keine Monster, weder lebendig noch tot oder von den Toten zurückgekehrt. Ich muss mich beim Lesen nicht aufs Tageslicht beschränken, mir wird nicht übel, und ich habe auch keine Sekunde lang das Gefühl, die geistige Gesundheit des Autoren hinterfragen zu müssen. JOYLAND ist außerdem kein 800 Seiten-Schinken, für dessen Figuren und Nebenhandlungen ich mir zu Verständniszwecken eine Mindmap anlegen muss.

JOYLAND, so stellt sich heraus, ist kein Horror-Roman. Und gewiss nicht trivial.

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Rezension: ‚Amokspiel‘ von Sebastian Fitzek

AmokspielTitel: ‚Amokspiel‘

Autoren: Sebastian Fitzek, Johanna Steiner

Format: Hörspiel

Sprache: Deutsch

Sprecher: Vera Teltz, Simon Jäger, Uve Teschner, Timmo Niesner, Detlef Bierstedt, Oliver Rohrbeck u.a.

Anbieter: Audible

Veröffentlicht: 13. Juni 2013

Länge: 7 Std 06 Minuten (ungekürzt)

Erhältlich ist das Hörspiel bei audible.de, und zwar HIER. Es kostet  €9,95 im Flexi-Abo (Normalpreis €20,95).

Eine kostenlose Hörprobe findet ihr auf der Produktseite von audible.

Beschreibung (Audible):

Dieser Tag soll ihr letzter sein. Die renommierte Kriminalpsychologin Ira Samin hat ihren Selbstmord sorgfältig vorbereitet. Zu schwer lastet der Tod ihrer ältesten Tochter auf ihrem Gewissen. Doch dann wird sie zu einem grauenhaften Geiseldrama in einem Berliner Radiosender gerufen. Ein Psychopath spielt ein makaberes Spiel…

Nach dem grandiosen und preisgekrönten Bestseller „Das Kind: Das ungekürzte Hörspiel“ hat Hörspiel-Regisseurin und Ohrkanus-Preisträgerin Johanna Steiner nun Sebastian Fitzeks „Amokspiel“ komplett als Hörspiel adaptiert und mit Oliver Rohrbecks Lauscherlounge-Team im Hörspielstudio Xberg vertont. Auch diesmal ist wieder die Creme de la Creme der deutschen Sprecherinnen und Sprecher vertreten, angefangen bei Simon Jäger (Erzähler) über Vera Teltz (Ira Samin), Timmo Niesner (Jan May), Uve Teschner (Oliver Götz), Detlef Bierstedt (Steuer), Oliver Rohrbeck (Diesel), Julia Stöpel (Kitty Samin) bis Reinhard Kuhnert (Johannes Faust). Hinzu kommt ein für das Hörspiel komponierter Soundtrack von Dirk Wilhelm. Herausgekommen ist ein hochspannendes, über 7-stündiges Hörerlebnis, das an Detailtreue und emotionaler Intensität seines Gleichen sucht.

Zum Hörspiel:

Aha. Fitzek als Hörspiel. Ungekürzt. Mit einem Who is Who der deutschen Sprechergarde vor den Mikrofonen. Obwohl ich ja wirklich so meine Bedenken mit Fitzek habe (s. DER NACHTWANDLER), lockt es mich doch. Bekommt der Herr Fitzek eben noch mal eine Chance.

Und siehe (oder vielmehr höre) da: Er nutzt sie!

Wenn ich mich nicht sehr irre, ist das der gute Erik Räuker, der uns mit einer Definition von ‚Amok‘ und einem Zitat von Schopenhauer stimmig ins Geschehen taucht. Dann übernimmt Simon Jäger als Erzähler, vor der Geräuschkulisse von Gemüse-Geschnippel, brodelnden Kochtöpfen und Telefonklingeln. Wir lernen Jan (gesprochen von Timmo Niesner) kennen, in einem traumatischen, die Geschichte definierenden Moment.  Es ist derselbe Jan, der wenige Kapitel später in einem Berliner Radiosender Geiseln nimmt und ein makaberes Spiel beginnt…

Alles Weitere wäre – wie das bei Fitzek ja immer ist – zu viel verraten. Ganz typisch wird der Hörer Ohrenzeuge eines Dramas, bei dem nichts so klar und durchschaubar ist, wie es zunächst den Anschein hat. Es gibt unerwartete Wendungen, falsche Fährten und die klassischen ‚Häh? Hab ich da irgendwas nicht mitbekommen?!‘-Momente, die Fitzek gerne erst rückblickend erläutert. Wer hier gut und wer böse ist, oder vielleicht auch von beidem etwas, das sollte man nicht zu früh beschreien. Auch typisch: ein wilder Showdown, den man erst im Epilog so richtig auseinanderklamüsert bekommt.

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Rezension: ‚Der Nachtwandler‘ von Sebastian Fitzek

Der NachtwandlerTitel: ‚Der Nachtwandler‘

Autor: Sebastian Fitzek

Sprache: Deutsch

Format: Taschenbuch

Verlag: Knaur

erschienen: April 2013

Länge: 318 Seiten

Inhaltsangabe (amazon):

In seiner Jugend litt Leon Nader an Schlafstörungen. Als Schlafwandler wurde er während seiner nächtlichen Ausflüge sogar gewalttätig und deswegen psychiatrisch behandelt. Eigentlich glaubte er geheilt zu sein – doch eines Tages, Jahre später, verschwindet Leons Frau unter unerklärlichen Umständen aus der gemeinsamen Wohnung. Ist seine Krankheit etwa wieder ausgebrochen? Um zu erfahren, wie er sich im Schlaf verhält, befestigt Leon eine bewegungsaktive Kamera an seiner Stirn – und als er am nächsten Morgen das Video ansieht, macht er eine Entdeckung, die die Grenzen seiner Vorstellungskraft sprengt: Sein nächtliches Ich steigt durch eine ihm völlig unbekannte Tür hinab in die Dunkelheit …

Zum Buch:

Flughafenlektüre. Diesen Zweck soll Sebastian Fitzek’s neuester Thriller erfüllen, als ich ihn in Köln kurz vor Boarding vom Thriller-Grabbeltisch klaube. Und tatsächlich: Das Taschenbuch passt zeitlich genau in Hin- und Rückflug plus Warten am Gate. Eine Sache von insgesamt nur drei Stunden, und DER NACHTWANDLER ist ausgelesen.

Was sagt das über das Buch aus?

Zum einen, dass es irre spannend ist. Ein mysteriöser Prolog. Kapitel, die selten mehr als eine Handvoll Seiten haben. Cliffhanger. Das Spiel mit angstvoller Erwartung und dem Gefühl, UNBEDINGT wissen zu müssen, wie es weitergeht. Das sind die Mittel, mit denen Fitzek mich mal wieder an einen seiner Thriller fesselt. Ich kann das Ding nur mühsam aus der Hand legen.

Und bin dabei gleichzeitig angeekelt. Denn auch, wenn Fitzek die Kunst der Hochspannung beherrscht, haben seine Thriller doch regelmäßig auch etwas an sich, das mich abstößt. Weil der Autor mir zu plakativ wird. Weil er Gewalt, Horror oder sexuelle Abartigkeit nicht deshalb als Stilmittel benutzt, weil die Geschichte das braucht, sondern weil es die Sensationsgier der Leser bedient. Dieser Eindruck drängt sich nach der Lektüre mehrerer Fitzek-Titel jedenfalls auf.

Rezension: ‚Inferno‘ von Dan Brown

Inferno deutschTitel: ‚Inferno‘

(Originaltitel: ‚Inferno‘)

Autor: Dan Brown

Sprache: Deutsch (Originalsprache: Englisch)

Format: Hörbuch-Download von audible.de für €9,95 im Flexi-Abo (Normalpreis €34,95)

Sprecher: Wolfgang Pampel

Anbieter: Lübbe Audio

erschienen: Mai 2013

Länge: 16 Std 51 min (ungekürzt)

Eine kostenlose Hörprobe findet ihr auf der Produktseite von audible.

Inhaltsangabe (audible):

Dan Brown ist zurück – und mit ihm sein Held Robert Langdon, der schon mit „Illuminati“, „Sakrileg“ und „Das verlorene Symbol“ Millionen begeisterte und mit kontroversen Themen global für Schlagzeilen gesorgt hat. Das weltweite Erscheinen des neuen Thrillers „Inferno“ markiert Robert Langdons Rückkehr nach Europa.

Der Symbolforscher aus Harvard wird in Italien mit Geheimnissen, Rätseln und einer Verschwörung konfrontiert, die ihre Wurzeln in einem der berühmtesten und dunkelsten Meisterwerke der Literatur haben: Dantes „Göttlicher Komödie“. Und je intensiver Robert Langdon die immer gefährlicher werdende Spur verfolgt, umso deutlicher zeichnet sich die bedrohliche Erkenntnis ab, was Dantes Werk für die Gegenwart und Zukunft bereithält.

Zum Hörbuch:

Als am 14. Mai 2013 weltweit gleichzeitig INFERNO erscheint, geht mir der Hype um Dan Brown’s neuen Roman zwar auf die Nerven, aber die Neugier siegt: Ich lade mir das Hörbuch sofort herunter und lege los. Zumal mich der ‚Sneak Peak‘ von audible.de schon vor Wochen mit einem verwirrten Robert Langdon ratlos in einem italienischen Krankenhaus zurück ließ. Wie gemein.

Schnell und deftig in die Geschichte einsteigen, das kann Dan Brown ja. Es gibt einen kryptischen, unheilvollen Prolog. Dann finden wir den guten Robert direkt in einer misslichen Lage vor. Und wie praktisch, dass er keinerlei Ahnung hat, wie er da hinein geraten ist – auf diese Art und Weise kann Brown sich die Vorgeschichte sparen und sie stattdessen in Folge spannend und häppchenweise enthüllen.

Ich will euch hier auf keinen Fall über den Klappentext und die schon länger kursierenden ersten Seiten hinaus spoilern. Vielleicht konntet ihr ja den vielen schon kursierenden Artikeln, Rezensionen, Tweets etc. ausweichen und könnt das Buch so frisch angehen wie ich. Über die Handlung verrate ich deshalb GAR NICHTS. Ihr bekommt hier nur meine Meinung über den Gesamteindruck, die Struktur, Charaktere und Sprache des Romans. Solche Sachen. Ihr könnt also die Hände von den Augen nehmen und beruhigt weiterlesen.

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Rezension: ‚Balsac und die kleine chinesische Schneiderin‘ von Dai Sijie

Balsac und die kleine chinesische SchneiderinTitel: ‚Balsac und die kleine chinesische Schneiderin‘

(Originaltitel:‘ Balsac et la petite tailleuse chinoise‘)

Autor: Dai Sijie

Sprache: Deutsch (Originalsprache: Französisch)

Sprecher: Edgar M. Böhlke

Format: Hörbuch-Download von audible.de für € 9,95 im Flexi-Abo (ohne Abo €24,99)

Anbieter: steinbach sprechende Bücher

veröffentlicht: 2013

Länge: 5 Std 26 min (gekürzt)

Eine kostenlose Hörprobe findet ihr HIER, auf der Produktseite von audible.

Inhaltsangabe (audible):

Dieses Hörbuch erzählt von zwei pfiffigen chinesischen Studenten, die es in ein gottverlassenes Bergdorf verschlagen hat. Ein Koffer voll westlicher Weltliteratur und eine entzückende Schneiderin retten ihnen das Leben…

Zum Hörbuch:

Manchmal führen Umwege zum Ziel. In diesem Fall mich zu diesem Hörbuch. Auf der Suche nach einem asiatischen Kandidaten für die ‚read different‘-Aktion im April stieß ich über die Hörbuch-Bibel auf Dai Sijie und bei audible.de nicht auf den Roman von ihm, den ich gesucht hatte. Sondern auf diesen hier, BALSAC UND DIE KLEINE CHINESISCHE SCHNEIDERIN. Es handelt sich um den schon 2000 erschienenen Erstling des inzwischen in Paris lebenden chinesischen Autors Dai Sijie, und der Roman trägt autobiographische Züge: 1954 geboren, wurde Sijie als junger Mann zu Zwecken der kommunistischen Umerziehung unter Mao für drei Jahre in ein einsames chinesisches Bergdorf verfrachtet.

Gleiches geschieht mit dem (namenlosen) Ich-Erzähler des Romans und dessen Freund Luo. Der eine Sohn eines in politische Ungnade gefallenen Zahnarztes, der andere Kind von Schriftstellern, sollen beide in jenem winzigen Bergdorf auf den ‚rechten Weg‘ gebracht werden – auf den Weg General Maos. Das Leben im Dorf ist hart und karg. Von der Abwesenheit der einfachsten Annehmlichkeiten wie Elektrizität und sanitären Anlagen mal abgesehen, kommt dazu noch die völlig intellektuelle Isolation. Zu Zeiten Maos (so lerne ich) war fast sämtliche Literatur außer Maos berühmtem ‚Roten Buch‘ verboten. Westliche Literatur sowieso. Wer damit erwischt wurde, musste mit Verhören, Folter und Gefängnis rechnen.

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Rezension: ‚Rheingold‘ nach Richard Wagner, performed von Kaminski ON AIR

RheingoldTitel: ‚Rheingold‘ aus ‚Der Ring des Nibelungen‘

Autor: frei nach Richard Wagner, inszeniert von Kaminski ON AIR

Sprecher: Stefan Kaminski

Sprache: Deutsch

Format: Hörspiel-Download von audible.de für € 9,95 im Flexi-Abo (ohne Abo € 12,99)

Anbieter: Jumbo Neue Medien & Verlag GmbH

Länge: 1 Std 17 min

Eine kostenlose Hörprobe findet ihr HIER, auf der Produktseite von audible.

Inhaltsangabe (audible):

Alles ist schön, die Natur ruht im Gleichgewicht: Weia! Waga Wagalaweia! Die Rheintöchter planschen im Rhein, immer ein schönes Auge auf das Gold, das sie behüten. Doch als der Nibelungenfürst Alberich herankriecht, nimmt das Übel seinen Lauf: Von den verführerischen Schwestern zum Narren gehalten, raubt der Zwerg das Rheingold. Wird dieser Schatz zum Ring geschmiedet, verleiht er maßlose Macht über Welt und Natur.

Frei nach Richard Wagner inszeniert Stefan Kaminski das monumentale Meisterwerk um Macht, Liebe, Gier, Rache und die Abgründe der menschlichen Gesellschaft modern und klassisch zugleich. Von Musikern begleitet schlüpft der Ausnahmesprecher selbst in alle Rollen, spricht Riesen und Zwerge, Frauen und Männer, Götter und Herrscher, Geliebte und außergewöhnliche Helden.

Zum Hörspiel:

Von den Rheintöchtern komm‘ ich,

walle du Woge!

Ich weiß, im Reich der Götter ist Loge ’ne Droge.

Ich bin Loge, ich komm‘ aus dem Feuer.

Meine Glut und mein Sprachwitz – yo! – die sind ungeheuer.

–Kaminski ON AIR, Rheingold

Ein seltsamer, statischer Ton. Geblubber. Erhitztes Atmen. Lachen. Und…Walgesang?? Dann setzt das bezirzende Gesäusel der Rheintöchter ein. Bedrohlich kündigt ein Streicherthema den Auftritt des düsteren Zwergs Alberich an. Dass auch dessen knorrige Stimme die von Stefan Kaminski sein soll, kann man kaum fassen. Gleich zu Anfang wird klar: Das hier ist umwerfend.

Überhaupt: ‚Hörspiel‘?! Das ist wirklich eine unzureichende Bezeichnung für das, was Kaminski als offensichtliche Herzensangelegenheit da veranstaltet. Er selbst bezeichnet seine Version des ‚Ring des Nibelungen‘ als ein ‚3D-Hörspiel‘. Das kommt der Sache schon näher. In einer Live-Aufnahme bekommt der Hörer von Kaminski und jeweils zwei Musikern mithilfe einiger Audiotechnik, erstaunlicher Instrumente und einer Reihe Geräuschrequisiten (teils vom Schrottplatz rekrutiert) eine Interpretation von Wagner’s Opern-Tetralogie um die Ohren geblasen, wie man sie noch nicht erlebt hat.

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Rezension: ‚Die vierzig Geheimnisse der Liebe‘ von Elif Shafak

Die vierzig Geheimnisse der LiebeTitel: ‚Die vierzig Geheimnisse der Liebe‘

(Originaltitel: ‚The Forty Rules of Love‘)

Autorin: Elif Shafak

Sprache: Deutsch (Originalsprache: Englisch)

Format: Hardcover (inklusive e-Book!)

Verlag: Kein & Aber

erschienen: Februar 2013

Seitenzahl: 512

‚Unsere Religion ist die Religion der Liebe, und wir sind alle in einer Kette der Herzen miteinander verbunden.‘

– Elif Shafak, Die vierzig Geheimnisse der Liebe

Inhaltsangabe (Kein & Aber):

Ella ist vierzig Jahre alt, hat einen Ehemann, drei Kinder im Teenageralter und ein schönes Zuhause in einer amerikanischen Kleinstadt. Eigentlich sollte sie glücklich sein, in ihrem Herzen breitet sich aber eine Leere aus, die früher von Liebe gefüllt war. Als Gutachterin für eine Literaturagentur taucht sie tief in einen Roman über den Sufi-Dichter und Mystiker Rumi und die vierzig ewigen, geheimnisvollen Regeln der Liebe ein. Trotz der Ansiedlung im 13. Jahrhundert scheint ihr der Roman immer mehr eine Spiegelung ihrer eigenen Geschichte zu sein. Zusehends distanziert von ihrem Ehemann, beginnt Ella, ihr bisheriges Leben zu hinterfragen. Sie besucht den Verfasser des Buches, Aziz Zahara, mit dem sie sich schriftlich schon rege und sehr persönlich ausgetauscht hat – und erfährt eine derart grundlegende persönliche Veränderung, wie sie es sich nie hätte ausmalen können.

Zum Buch:

Dieses un- und außergewöhnliche Buch fand seinen Weg zu mir über den Indiebookday. Ein Buch von einem unabhängigen Verlag sollte es sein, und irgendwo in den Weiten des www hatte ich schon Gutes über DIE VIERZIG GEHEIMNISSE DER LIEBE gelesen. Noch dazu passte der Roman mit seiner für mich exotischen Thematik (Sufismus, Anatolien, arabische Dichtung) zufälligerweise prima zur ‚read different‘-Aktion.

Also her damit!

Es schneit an diesem Osterwochenende, als ich es mir mit Elif Shafaks Roman in einem gut geheizten Eckchen bequem mache – und nach ein paar Seiten in eine andere Welt eintauche. Ella’s Teil dieser Welt ist mir zunächst einigermaßen vertraut, dreht es sich doch um eine amerikanische Hausfrau und Mutter genau in meinem Alter. Ohne es so recht zu merken, hat sie sich in ihrem Leben (und in ihrer Ehe) festgefahren. Soweit, so unspektakulär.

Ungewöhnlich wird der Roman, als ich smit Ella das Manuskript lese, welches ihr zur Bewertung von Aziz Zahara zugesandt wurde. Schlagartig geht es mit dessen Roman ‚Süße Blasphemie‘ zurück ins 13. Jahrhundert, nach Anatolien, mitten in die Welt des Wanderderwischs Schams-e Tabrizi und des Sufi-Dichters Rumi.

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