Heute ist #indiebookday!

Und diese Bücherschätze aus unabhängigen Verlagen habe ich gefunden:

Heute ist #indiebookday, der Tag, an dem beherzte Buchmenschen in Schwärmen losziehen, um in ihren Buchhandlungen vor Ort Bücher aus unabhängigen Verlagen zu erstehen und ihre Einkäufe dann in den sozialen Netzwerken zu präsentieren.

Sinn und Zweck?

Ganz klar: Unterstützung für die meist kleinen, unabhängigen Verlage, die sich Werbekampagnen oft nicht leisten können. Ein deutliches ‚JA‘ für die Vielfalt, die Exoten, das Besondere abseits des Mainstreams. Entdeckerglück: So manch einer findet ungeahnte Schätze, neue Lieblingsautoren, kleine Verlage mit großem Herz.

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Ich habe natürlich auch mitgemacht.

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Rezension: ‚Liebe mit zwei Unbekannten‘ von Antoine Laurain

Antoine Laurin_Liebe mit zwei Unbekannten_300Titel: ‚Liebe mit zwei Unbekannten‘
Originaltitel: ‚La femme au carnet rouge‘
Autor: Antoine Laurain
Sprache: Deutsch (Originalsprache: Französisch)
Format: Hörbuch
Sprecher: Floriane Kleinpaß
Anbieter: Hoffmann und Campe
erschienen: 14.02.2015
Länge: 04 Std. 21 Min. (ungekürzt)

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 13,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhalt (audible):

Eines Morgens findet Laurent auf der Straße die Handtasche einer Frau. Darin: ein altmodischer Spiegel, das Parfum La Habanita, einen Roman von Patrick Modiano, signiert vom Autor, und ein rotes Notizbuch voll persönlicher Gedanken, die ihn faszinieren. Die Unbekannte hinter den Zeilen lässt ihn nicht mehr los. Laurent weiß fast nichts über die Frau, nur eins: dass er sie unbedingt kennenlernen möchte. Es beginnt eine Liebe mit zwei Unbekannten.

Zum Hörbuch:

Die schwärmerischen Begeisterungsrufe von Frau Hauptsachebunt zu diesem kleinen Roman plus das garstige deutsche Februarwetter lassen mich zu LIEBE MIT ZWEI UNBEKANNTEN greifen. Und Paris ist ja immer für eine Romanze gut, nicht wahr?

Ein bisschen schwimmt diese Liebesgeschichte im selben Fahrwasser wie die Büchlein von Nicolas Barreau (hinter dem sich übrigens eine deutsche Autorin verbirgt): eine luftige Romanze mit einer Portion Humor, und irgendwie kommen darin auch noch Bücher vor, und es gibt ein Happy End in Paris.

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Rezension: ‚M: Ein Tabor Süden Roman‘ von Friedrich Ani

11Titel: M – Ein Tabor Süden Roman
Autor: Friedrich Ani
Sprache: Deutsch
Format: Hardcover
Verlag: Droemer-Knaur
erschienen: 1. Oktober 2013
Länge: 368 Seiten

Inhaltsangabe:

»Er war irgendwie anders in letzter Zeit.« Mit diesen Worten beauftragt die Redakteurin Mia Bischof die Detektei Liebergesell, nach ihrem vermissten Freund zu suchen. Süden und seine Kollegen kommt die Frau von Anfang an seltsam vor. Sie sehen sich in ihrem unguten Gefühl bestätigt, als irritierende Hinweise im Arbeitsumfeld des Vermissten auftauchen. Er habe Kontakt zu Neonazis, heißt es. Doch Mia bestreitet das vehement. Süden schiebt seine persönlichen Bedenken beiseite – bis seine Kollegen in höchste Gefahr geraten und er um ihr Leben fürchten muss.

Zum Buch

Ex-Polizist und Privatdetektiv Tabor Süden hatte die Ehre, mich durch den Jahreswechsel zu begleiten. ‚M‘ ist der neueste und 19. Band der Krimi-Reihe vom Münchner Autor Friedrich Ani, und für mich war es die erste Begegnung mit dem Detektiv. Mein Mann hatte mir das Buch geschenkt, und obwohl ich Serien normalerweise am Start beginne, kam es diesmal nicht in Frage. Für 18 Vorgänger-Bände müsste ich zu viel anderes Lesenswertes an die Seite legen.

Ich brauche ein bisschen, bis ich im Buch drin bin. Das liegt aber, glaube ich, nicht daran, dass ich die Vorgeschichten der Figuren nicht kenne. Ani charakterisiert sehr vorzüglich, und schnell hat man den Eindruck, die Angestellten der Detektei Liebergesell als Menschentypen gut einordnen zu können. Tabor Süden ist der Einzige, der etwas kryptisch bleibt, aber das gehört scheinbar mit zu dieser Figur.

Verwirrende Perspektivwechsel

Was mich beim Lesen immer wieder stört, sind die Perspektivwechsel, bei denen man meist einen ganzen Paragraphen braucht, um zu wissen, wer jetzt ’sie‘ oder ‚er‘ ist, um wen es also geht. Ich verstehe nicht, warum das so sein muss, warum Ani nicht direkt Namen benutzt. Ist für mich nur stilistische Spielerei und unnötig. Ärgert mich regelrecht.

Braunes Gesocks aus gutem Hause

Ansonsten ärgert mich allerdings wenig. Okay, es ist keine rasante Geschichte. Allmählich wühlt sich der langhaarige, lederbehoste Süden mit seiner Undurchdringlichkeit und seinen Fragezeichen-losen Fragen durch den Fall, mit wachsendem Entsetzen über den braunen Sumpf, in dem er dabei versinkt. Wer mal etwas lesen möchte über Neo-Nazis, die NICHT glatzköpfig und mit hohlen Sprüchen gröhlend schon aus 3km Entfernung zu erkennen sind, sondern über viel subtilere, ‚intelligentere‘ Rechtspopulisten, die NICHT aus einfachen sozialen Verhältnissen stammen, der kann hier mit mir Gänsehaut bekommen. Dass Menschen mit Bildung, liberalen Jobs und ‚gutem Hause‘ nationalsozialistisches Denken als Grundüberzeugung kultivieren, ist schon schockierend. Und dass man aufgrund ihres Status nicht an sie herankommt, und weil die Ermittlungsbehörden sich gegenseitig im Weg stehen oder sogar mit zu diesem Sumpf gehören, macht einen beklommen.

Parallel zu diesem Handlungsstrang packt ‚M‘ mit einer Kidnapping-Geschichte, die mir richtig an die Nieren geht. Mütter, die Kinder verlieren – das macht mich fertig und tut es auch hier. Weshalb mir Edith Liebergesell auch lange vor Tabor Süden ans Herz wächst. Ich leide mit ihr. Und trauere mit der Detektei um eine rasch liebgewonnene Figur, die auf der Strecke bleibt. Wenn mich das schon so mitnimmt, wie geht das erst langjährigen Fans?

Cooler Typ, aber nicht meiner

Süden selbst bleibt mir ein wenig fremd. Ich verstehe seine Kombination aus Unberührbarkeit und plötzlich tiefen Emotionen nicht immer. Da sehe ich manchmal keine Kongruenz, keine Übergänge. Er wird mir im Laufe der Geschichte zwar sympathischer, aber dieser wortkarge Typ ist für mich nicht richtig einsortierbar. Er ist interessant, ohne Frage, und ich schlage mich auf seine Seite. Aber als Mensch ist er mir zu wenig greifbar.

Weshalb das wohl auch mein einziger Ausflug in die Tabor Süden Reihe bleiben wird. Und ihr versteht das bitte richtig: Ein gutes Buch, und eine Hauptfigur mit Markanz. Aber die Chemie stimmt zwischen uns nicht. Ich bin mir sicher, er wird auch ohne mich erfolgreich weiter ermitteln.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Rezension: Das böse Mädchen von Mario Vargas Llosa

8Titel: Das böse Mädchen
Autor: Mario Vargas Llosa
Sprache: Deutsch (Originalsprache: Spanisch)
Format: Taschenbuch
Verlag: Suhrkamp
erschienen: 26. November 2007
Länge: 395 Seiten

Inhalt (Suhrkamp):

Wie gelingt es ihr nur immer wieder, ihn um den Finger zu wickeln? Und warum tut sie das, wenn sie seine ehrlichen Gefühle doch zugleich schroff zurückweist? Schon als aufmüpfige Halbwüchsige verdreht sie dem jungen Ricardo im konservativen Lima der 50er Jahre den Kopf. Von da an wird sie regelmäßig seine Wege kreuzen, wird in Paris, London, Madrid oder Tokio mal als Guerrillera, mal als Heiratsschwindlerin mit falschem Paß in sein Leben treten – und es immer wieder durcheinanderwirbeln. Auf rätselhafte Weise scheinen beide dennoch füreinander bestimmt; oder ist nur er es, der nicht lassen kann von diesem faszinierend »bösen Mädchen«?

Zum Buch:

In Peru war ich noch nie. Auch nicht mit einem Buch. Das ändert sich schlagartig mit ‚Das böse Mädchen‘: Zusammen mit dem Protagonisten des Romans, Ricardo, streife ich durch das sommerleichte Miraflores, ein Stadtviertel Limas, Perus Hauptstadt. Ricardo und seine Kumpel sind jung, die Herzen fliegen, und in diesem Zustand verdreht ihm ein mysteriöses und kapriziöses Mädchen aus Chile den Kopf. Der Anfang einer lebenslangen Obsession.

Was folgt, ist ein in bunten Tupfern über den Globus verteiltes halbes Jahrhundert, während dessen Ricardo ‚wie ein Mondkalb‘ (O-Ton) immer wieder besagtem bösem Mädchen verfällt. Streiflichtartig halten wir uns mit dem peruanischen Übersetzer im Paris der 60er auf, im swinging London, in Tokyo und schließlich unter Künstlern in Madrid. Diese Stippvisiten sind lebendig, bunt, von Zeitgeist erfüllt, allerdings begrenzt auf das jeweilige Stadtviertel und Ricardos Erlebniswelt. Erlebnis- und Kulturkleckse eben, schön beschrieben, in Vargas Llosas seltsam altmodisch floral und dennoch teils ordinär anmutendem Stil, der sich flüssig liest.
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Best of 2014: Bücher (Print/eBooks)

Ihr wisst ja, dass ich mehr Bücher höre als lese, da ich selten die Zeit habe, mich mit einem Buch hinzusetzen. Dennoch sind 2014 auch einige gedruckte Bücher und eBooks bei mir zusammengekommen. Erschreckt muss ich feststellen, dass ich gerade diese Bücher nicht auf dem Blog rezensiert habe. Das liegt vor allem daran, dass es häufig Urlaubslektüren waren, und im Urlaub fasse ich meinen Laptop nur im Notfall an – wenn ich ihn überhaupt dabei habe.

Trotzdem: Das waren – auf Deutsch und Englisch – meine fünf Lieblingsbücher des Jahres 2014:

Platz 5:

Nick Cutter_The Troop

The Troop (Das Camp) von Nick Cutter

Das habe ich während der Karnevalsflucht in einem Hotel in der Eifel innerhalb eines Tages verschlungen! Es ist gruselig und wirklich eklig, wie sich eine Truppe Pfadfinder auf einer abgelegenen Insel in allesfressende Irre verwandeln, infiziert von … etwas. Trotz klischeehafter Figuren (Nerd, Sportler, Freak etc.) und einer gewissen Vorhersehbarkeit ist das eine fesselnde Horrorgeschichte zum schnellen Runterlesen. Für mich genau die richtige Urlaubslektüre!
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Buchsaiten Blogparade 2014

BuchSaiten-Jahresabschluss

Die liebe Katrin vom BuchSaiten-Blog veranstaltet wieder ihre alljährliche Blogparade. Was das ist und wie man mitmachen kann, findet ihr HIER. Ich bin jedenfalls gerne mal wieder mit dabei und beantworte Katrins Jahresabschluss-Fragen:

* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

Die Ordnung der Sterne über ComoIch wähle meine Bücher in der Regel gut aus, und deswegen verspreche ich mir eigentlich immer viel von ihnen. Da kommt also nur ein geschenktes Buch in Frage: Mein Mann hatte mich mit ‚Die Ordnung der Sterne über Como‘ von Monika Zeiner beglückt. Schon der Titel hörte sich sperrig an, die ersten Seiten enthüllten Bandwurmsätze von höchstem sprachlichem Anspruch. Statt aber anstrengend zu werden, zog mich der Roman über eine Dreiecksbeziehung in den Bann und überwältigte mich stellenweise mit seiner linguistischen Schönheit.

 

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‚Best of 2014‘: deutsche Hörbücher

Tja. Da ich tatsächlich überwiegend englische Hörbücher gehört habe, ist die Auswahl im Bereich ‚deutsche Hörbücher‘ nicht sehr groß. Es gibt daher nur eine Top 3 – die hat es dafür aber in sich!

Platz 3:

Glashaus_175Glashaus – Die komplette 1. Staffel von Christian Gailus

In Ordnung. ‚Glashaus‘ ist kein Hörbuch, sondern ein Hörspiel. Aber der verschachtelte und komplexe Cybercrime-Thriller ist so gut gemacht, dass er  kurz vor Jahresschluss noch auf’s Treppchen geschossen ist. Die Geschichte hat ein paar Schwächen und hört mit einem gemeinen Cliffhanger auf, aber hörspieltechnisch ist das großes Kino: Top-Sprecher wie Stefan Kaminski, Uve Teschner, Erich Räuker und – in der Hauptrolle – ‚Tatort‘-Schauspieler Dominic Raacke machen einen klasse Job, dazu eine tolle Geräuschkulisse mit Pistolenschüssen, Reifenquietschen und viel Keyboardgeklacker sowie passende Musik. Das macht ganz einfach Spaß!

Eignet sich als Geschenk für: Computer-Nerds, Tatort-Gucker und Ex-Kassettenkinder

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Rezension: ‚Zorn: Wie sie töten‘ von Stephan Ludwig (Zorn #4)

Stephan Ludwig_ Zorn Wie sie töten_300Titel: Zorn: Wie sie töten (Zorn #4)
Autor: Stephan Ludwig
Sprache: Deutsch
Format: Hörbuch
Anbieter: Argon Verlag
erschienen: 23.10.2014
Länge: 08 Std. 47 Min. (gekürzt)

Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis €15,95). Eine Hörprobe gibt’s ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhaltsangabe:

In einer Winternacht stößt eine Frau einen wildfremden Mann vor die S-Bahn. Niemand beobachtet den Mord, die Polizei geht von Selbstmord aus. Auch Hauptkommissar Claudius Zorn schenkt dem Vorfall keine Beachtung. Er ist damit beschäftigt, seinen ehemaligen Kollegen Schröder zu überreden, wieder sein Partner zu werden.

Was jedoch weder Zorn noch Schröder ahnen: Die Mörderin ist ganz in ihrer Nähe. Sie glaubt in Zorn einen Seelenverwandten gefunden zu haben und sieht in jedem, der ihm nahesteht, einen Konkurrenten. Was für sie bedeutet: Sie kann ihre Lust am Töten weiter ausleben. Und hat eine Reihe neuer Opfer im Visier…

Zum Hörbuch:

Dieser 4. Teil der Reihe reflektiert in Sachen Spannungsaufbau ganz genau das Naturell des Phlegmatikers Claudius Zorn: Fast das halbe Hörbuch lang braucht es, bis Zorn überhaupt mitbekommt, dass eine Mordserie geschieht und überhaupt mal ANFÄNGT zu ermitteln. Als er das aber tut, kommt richtig Dampf in die Sache, und die Ereignisse überschlagen sich.

Im Gegensatz zu den anderen Teilen ist das hier auch kein Whodunit zum Mitraten. Fast von Anfang an kennen wir die Täterin, die munter direkt unter der Nase der Polizei vor sich hin mordet. Hier geht es also vielmehr darum, wann die Polizei (allen voran unser lieber Claudius Zorn) endlich aus dem Dornröschenschlaf erwacht und wie und ob die Täterin überführt wird.

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Rezension: ‚Die Flutwelle‘ von Mikael Niemi

die flutwelleTitel: ‚Die Flutwelle‘

Originaltitel: ‚Fallvatten‘

Autor: Mikael Niemi

Sprache: Deutsch

Originalsprache: Schwedisch

Medium: gebundene Ausgabe

Verlag: btb

erschienen: 29. April 2014

Länge: 320 Seiten

Beschreibung (btb Verlag):

Wie würdest du dich verhalten im Angesicht einer Katastrophe?

Hoch oben im Norden Schwedens regnet es schon fast den ganzen Herbst. Und dann zeigen sich im obersten Staudamm des Lule älv tatsächlich Risse. Keiner kann sich vorstellen, dass er brechen könnte. Doch dann geschieht genau das – die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Das Wasser kommt in gigantischen Massen. Ein Tsunami im eigenen Land. Inmitten des Infernos eine Gruppe von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die nun aufeinander angewiesen sind, wollen sie überleben: Der Hubschrauberpilot, der kurz vor einem Selbstmord stand. Die Künstlerin, die mit ihrer Malgruppe in den Wäldern umherstreift. Die Schwangere, die an einen Schornstein geklammert um ihr Überleben kämpft und von einem anderen Schiffbrüchigen ins Boot gezerrt wird. Zwei Ingenierinnen, die schon lange vor der Gefahr gewarnt haben. Sie alle stehen vor einer gewaltigen Herausforderung: Sie kämpfen nicht nur ums Überleben, sondern auch um ihre eigene Menschlichkeit …

Zum Buch:

Ich kann es kurz machen: Die Flutwelle ist merkwürdig. Spannend. Und abstoßend.

Blei Sommerhitze und aufziehendem Gewitter lese ich diesen schwedischen Katastrophenthriller im Laufe eines Tages runter. Die sehr kurzen Kapitel (ca. 3 bis 8 Seiten) jeweils aus der wechselnden Sicht der fast zwei Handvoll handelnder Personen sowie die daraus resultierenden dauernden cliffhanger machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Zumal Niemi ohne großes Fackeln in die Katastrophe einsteigt: Der eine Domino-Flutwelle auslösende Damm bricht gleich auf den ersten paar Seiten. Warum genau, das erfahren wir nicht. Interessiert aber auch keinen, denn darum geht es nicht.

Es geht um den Überlebenskampf, den jede der Hauptfiguren ganz für sich auf ihre Art und Weise führt, durch deren Augen gesehen. Das ist ein Konzept, das Spannung garantiert. Zumal Niemi schonungslos und ungeschönt schreibt. Knochen brechen, bleiche Körper trudeln in den Wassermassen und Menschen ersaufen wie die Hunde, grausame Bilder im Kopf und helle Panik im Hirn. Niemis Erzählstil hat etwas von einer Kamera mit Polfilter. Gestochen scharf, mit fast unerträglichem Kontrast und ohne Weichzeichner beschreibt er Szenen, an die einen leises Grauen fesselt. Es ist gräßlich, aber man kann nicht wegsehen.
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Rezension: ‚Der Distelfink‘ von Donna Tartt

der distelfink coverTitel: ‚Der Distelfink‘

Originaltitel: ‚The Goldfinch‘

Autorin: Donna Tartt

Sprache: Deutsch

Originalsprache: Englisch

Medium: Hörbuch

Sprecher: Matthias Koeberlin

Anbieter: Der Hörverlag

Erscheinungsdatum: 10.03.2014

Länge: 33 Std 25 min (ungekürzt)

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo nur € 9,95 (regulärer Preis €17,95). Auf der Produktseite von audible findet ihr auch eine Hörprobe.

Beschreibung (audible):

Es passiert, als Theo Decker dreizehn Jahre alt ist. An dem Tag, an dem er mit seiner Mutter ein New Yorker Museum besucht, verändert ein schreckliches Unglück sein Leben für immer. Er verliert sie unter tragischen Umständen und bleibt allein und auf sich gestellt zurück, sein Vater hat ihn schon lange im Stich gelassen. Theo versinkt in tiefer Trauer, die ihn lange nicht mehr loslässt. Auch das Gemälde, das seit dem fatalen Ereignis verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen. Und das Gemälde, das ihn auf merkwürdige Weise fasziniert, scheint ihn geradezu in eine Welt der Lügen und falschen Entscheidungen zu ziehen, in einen Sog, der ihn unaufhaltsam mit sich reißt.

Zum Hörbuch:

Was ist, wenn einer zufällig von einem Herzen besessen ist, dem nicht zu trauen ist? Wenn dein tiefstes Inneres dich singend zum Scheiterhaufen lockt, sollst du dich dann lieber abwenden, dir die Ohren mit Wachs verstopfen, den perversen Glanz ignorieren, von dem dein Herz dir zubrüllt? […] Oder ist es besser, dich – wie Boris – kopfüber und lachend in das heilige Wüten zu stürzen, das deinen Namen ruft?

Donna Tartt, Der Distelfink

Wo fängt man an, wenn eine Geschichte so episch, gewaltig und komplex ist wie ‚Der Distelfink‘? Wie kann ich euch einen Einstieg verschaffen in ein Hörbuch, das mich mitgerissen hat wie lange keins mehr?

Beginnen wir – der Einfachheit halber – am Anfang. Wir lernen Theo kennen, 13 Jahre alt, und seine Mutter. Die beiden verknüpft eine enge Bindung. Zart, exklusiv und beinahe symbiotisch wirkt die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Das Band zerreißt jäh bei einem Bombenanschlag auf ein New Yorker Museum. Theo’s Mutter stirbt, während Theo nur leicht verletzt (zumindest äußerlich) überlebt.

Das hört sich nach einem rasanten und schockierenden Einstieg in die Geschichte an. Schockierend ist es auch. Rasant – nein. Die Stunden und Tage nach der Explosion erleben der junge Theo und der Leser/Hörer als nicht enden wollendes Trauma. Es sind tatsächlich mehrere Stunden Hörbuch, in denen wir mit Theo im Schock zwischen den Trümmern knien und einem alten Mann beim qualvollen Sterben zusehen. Dem Mann, der Theo einen Ring und ein kleines Gemälde zuschiebt: den ‚Distelfink‘ des niederländischen Malers Fabritius.

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