Titel: The Snow Queen Autor: Michael Cunningham Sprache: Amerikanisch Format: Hörbuch Sprecherin: Claire Danes Anbieter: Macmillan Audio erschienen: 6. Mai 2014 Länge: 06 Std. 47 Min. (ungekürzt)
Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 oder 1 Guthaben (regulärer Preis € 18,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.
Inhaltsangabe:
New York, 2004. Barrett steht mit frisch gebrochenem Herzen im New Yorker Central Park und hat eine Erleuchtung: Da ist ein Licht am Himmel. Ein Flugzeug? Oder ein Fingerzeig von oben?
Sein Bruder Tyler komponiert derweil verzweifelt und Kokain schnupfend einen Song. Es ist ein Hochzeitsgeschenk für seine sterbenskranke Verlobte, Beth.
Auf seine Art sucht jeder der drei nach sich selbst, nach einem Sinn, nach der Liebe und dem Leben.
Zum Hörbuch:
Michael Cunningham ist ein Sprach-Ästhet. Seit seinem wundervollen, traurigen The Hours (Die Stunden) weiß und liebe ich das. Seine Sätze erinnern mich an Skulpturen von Michelangelo (entschuldigt den hochtrabenden Vergleich, aber so fühlt es sich eben an): Sie sind perfekt, von atemloser Schönheit und wirken dennoch nicht künstlich, sondern lebendig und echt. Es gibt so viele Autoren, die bis zum Umfallen ihre Sätze zurecht feilen, und es wirkt trotzdem wie ein sperriges, unnatürliches Konstrukt. Bei Cunningham ist das nicht so. Er läuft zwar Gefahr, dass hinter der Schönheit seiner Sprache die eigentliche Geschichte verblasst, aber seine Romane sind von natürlich fließender, sprachlicher Eleganz. Schaut mal hier:
The song is an unvarnished love shout, an implorement tinged with…anger? Something like anger, but the anger of a philosoher, the anger of a poet. An anger directed at the transience of the world, at its heartbreaking beauty that collides constantly with our awareness of the fact that everything gets taken away, that we’re being shown marvels but reminded always that they don’t belong to us. They’re sultans‘ treasures; we’re lucky, we’re expected to feel lucky to have been invited to see them at all.
Michael Cunningham, The Snow Queen
*ergriffener Seufzer*
Jetzt aber mal konkret zu The Snow Queen. Von der Handlung an sich darf man nicht viel erwarten. Auch das kennt man von Cunningham. Bei ihm geht es weniger um das, was passiert, als vielmehr um das, was sich in den Köpfen, Gefühlen, Seelen der Protagonisten abspielt. Introspektion. Kommentiertes Beobachten. Einen Gedanken nehmen und ranken lassen wie Unkraut. DAS macht Cunningham.
Titel: The Last Policeman (Teil 1) dt. Titel: Der letzte Polizist Autor: Ben H. Winters Format: Hörbuch Sprache: Amerikanisch Sprecher: Peter Berkrot Anbieter: Brilliance Audio erschienen: 10. Juli 2012 Länge: 08 Std. 20 Min. (ungekürzt)
Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 oder 1 Guthaben (Normalpreis €12,95). Eine Hörprobe findet ihr auf der Produktseite bei audible.
Inhaltsangabe (Heyne):
Ein Asteroid rast auf die Erde zu. In sechs Monaten wird er einschlagen. Und nichts kann ihn aufhalten. Im Angesicht der Apokalypse tun die meisten Menschen das, was sie schon immer tun wollten, sich aber nie getraut haben. Andere wenden sich dem Glauben zu. Wieder andere begehen Selbstmord. Aber niemand tut mehr seine Pflicht – bis auf Detective Hank Palace. Als sich ein vermeintlicher Suizid als Mord entpuppt, ist Hanks Neugierde geweckt: Wer macht sich kurz vor dem Ende der Welt noch die Mühe, jemanden umzubringen?
Zum Hörbuch:
Natürlich ist das Faszinierende an diesem Hörbuch nicht der Kriminalfall. Der ist solide, birgt auch Überraschungen, ist aber alles in allem unaufgeregt und kaum spektakulär. Klassische Polizeiermittlung eben. Oder es wäre zumindest eine. Wenn Detective Hank Palace nicht mit den Widrigkeiten zu kämpfen hätte, die der nahende Weltuntergang so mit sich bringt.
Und damit kommen wir zum eigentlichen Star der Geschichte: Asteroid Nr. 2011GV1, genannt ‚Maia‘. In genau sechs Monaten wird der riesige Asteroid auf der Erde einschlagen und alles menschliche Leben auslöschen. Nicht sofort, nein. Aber ein großer Teil wird schon beim Einschlag sterben, der Rest an den Folgen der resultierenden ewigen Nacht und zugehörigen Kälte. Keine Chance. Für niemanden.
Titel: ‚Mr. Mercedes: A Novel‘ dt. Titel: ‚Mr. Mercedes: Roman‘, erscheint am 8. September 2014 Autor: Stephen King Sprache: Amerikanisch Format: Hörbuch Sprecher: Will Patton Anbieter: Simon & Schuster Audio erschienen: 3. Juni 2014 Länge: 14 Std 22 min (ungekürzt)
Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 oder 1 Guthaben (regulärer Preis € 24,95).
Beschreibung (audible):
In the frigid pre-dawn hours, in a distressed Midwestern city, hundreds of desperate unemployed folks are lined up for a spot at a job fair. Without warning, a lone driver plows through the crowd in a stolen Mercedes, running over the innocent, backing up, and charging again. Eight people are killed; fifteen are wounded. The killer escapes. Mr. Mercedes is a war between good and evil, from the master of suspense whose insight into the mind of this obsessed, insane killer is chilling and unforgettable.
Zum Hörbuch:
Stephen King ist in unseren Köpfen fest als Horror-Autor abgespeichert. Dass er auch anders kann, hat er inzwischen mehrfach bewiesen – zuletzt in seinem nostalgisch-melancholischen Entwicklungsroman ‚Joyland‘. Mit seinem Neuling ‚Mr. Mercedes‘ leuchtet King eine weitere schriftstellerische Facette aus: Es ist sein erster Versuch an einem Detektiv-Thriller.
Was schon mal gut funktioniert, und was King schon immer gut konnte, ist das Erschaffen markanter Hauptfiguren. Allen voran Bill ‚Kermit‘ Hodges, ein pensionierter Polizeibeamter, den der Ruhestand in lebensmüde Lethargie hat sinken lassen. Um diesen etwas schroffen aber gutherzigen Ex-Cop aus seiner alkoholgetränkten Starre zu erwecken, braucht es einen Killer – eben jenen titelgebenden Mr. Mercedes.
Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 19,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.
Beschreibung (Ullstein):
Pointenreich und voller Selbstironie schildert Billy Crystal, einer der bekanntesten Komödianten der Welt, seine Erfahrungen mit dem Altwerden und blickt zurück auf seine Karriere. Billy Crystal wird 65. Toll findet er das nicht, denn irgendwie lässt sich das Alter nun nicht mehr leugnen. Absurde Gebrechen drängen in sein Leben, etwa Schlaflosigkeit und Erinnerungslücken. Sachen lösen sich förmlich in Luft auf, und immer häufiger verlässt er den Esstisch mit vollgekleckertem Hemd … Der einzige Trost: Er ist nicht allein – sein Schicksal teilen Millionen anderer Männer. Und: Sein Leben hat ihm jede Menge großartiger Momente beschert, an die er sich in seinem Buch gerne erinnert: seine Karriere als Standup- Comedian, eine Affäre mit Sophia Loren und eine Freundschaft mit Mohammed Ali, legendäre Auftritte in »Saturday Night Live« und Hollywoodfilmen wie »Harry und Sally«. Das Leben als Senior indes hält ganz andere Herausforderungen bereit: denn wo, verdammt, sind schon wieder die Schlüssel?
Zum Hörbuch:
‚At sixty-five, when you go out to eat and tell the family that dinner is on you, you mean it literally. It’s on your chin, on your shirts, on your pants. You’re usually wearing more than you ate.‘
Billy Crystal, ‚Still foolin‘ ‚em‘
Wer Billy Crystal ist, muss ich euch hoffentlich nicht erklären. Der Film ‚Harry und Sally‘ mit dem Salat-Orgasmus sagt euch etwas? Der Typ, der jahrelang aus den langweiligsten Oscar-Verleihungen als Gastgeber eine zum Brüllen komische Comedy-Veranstaltung gemacht hat? Genau der ist nämlich 65 geworden. Und hat aus diesem Anlass einen hoch unterhaltsamen Mix aus Autobiographie und Comedy über sein Leben und die Tücken des Älterwerdens geschrieben. Und es sich nicht nehmen lassen, auch selbst die Hörbuchversion einzulesen, teil sogar vor Livepublikum aufgenommen.
Schon der Beginn ist unschlagbar:
‚March 14, 2013, my sixty-fifth birthday. I got up that morning, padded over to the bathroom, threw some water on my face, looked in the mirror, and my uncle Al was staring back at me.‘
Wenn Billy Crystal das selbst mit fassungsloser Resignation vor einem in lautes Lachen ausbrechenden Publikum sagt, glaubt mir – ihr lacht unwillkürlich mit. Ebenfalls laut. Weiterlesen →
(erscheint am 11. August 2014 auf Deutsch unter dem Titel: ‚Die Drei: Thriller‘)
Autorin: Sarah Lotz
Sprache: Englisch
Format: Hörbuch
Sprecher: Melanie McHugh, Michael Wincott
Anbieter: Hodder & Stoughton
erschienen: 22. Mai 2014
Länge: 13 Std 58 min (ungekürzt)
Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 17,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.
Inhaltsangabe (amazon):
Der Tag, an dem es passiert, geht als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte ein. Der Tag, an dem vier Passagierflugzeuge abstürzen, innerhalb weniger Stunden, an vier unterschiedlichen Orten. Es gibt nur vier Überlebende. Drei davon sind Kinder, die fast unverletzt aus den Flugzeugwracks steigen. Die vierte ist Pamela May Donald, die gerade noch so lange lebt, dass sie eine Nachricht auf ihrem Handy hinterlassen kann. Eine Nachricht, die die Welt verändern wird. Eine Nachricht, die eine Warnung ist …
Zum Hörbuch:
Über The Three kann man eigentlich kaum etwas verraten, ohne schon zu viel zu verraten. Man sollte allerdings wissen, was diese ungewöhnliche Mystery-Geschichte NICHT ist, sonst hat man falsche Erwartungen und ist am Ende enttäuscht.
The Three ist KEINE Horrorgeschichte. Das heißt jetzt nicht, dass es einen nicht schaudert. Tatsächlich durchzieht die ganze Geschichte ein Gefühl von Unwohlsein, von leiser Paranoia, von demselben Gefühl, das mehrere der Figuren furchtbar plagt: Das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Doch anhand der Inhaltsangabe könnte man Monster erwarten, abgedrehte, schauderhafte Ereignisse, eine laserzuckende Alien-Attacke oder eine saftige Geisterstunde. Sorry, aber all das ist The Three nicht. Das Grausen ist hier ganz subtil, die Angst steckt im völlig Normalen, kommt aus den eigenen Vorstellungen gekrochen, und lange, sehr lange Zeit muss man sich fragen, ob es überhaupt einen Grund gibt für diese Angst.
Das macht Sarah Lotz sehr geschickt. Der erste Clou ist, dass The Three durch seinen Mix an Zeugenaussagen, Emails, Instant Messager-Dialogen, Pathologieberichten etc. absolut authentisch wirkt. Tatsächlich ist das Ganze ein Buch im Buch: The Three besteht fast komplett aus den Kapiteln eines (fiktiven) Buches einer investigativen Journalistin über die Flugzeugabstürze und die drei überlebenden Kinder. Es ist eine umfassende und pedantische Recherche, die uns von Beginn an an die fiebrige Frage fesselt, was zur Hölle denn da passiert ist – und was nicht.
ACHTUNG: Dies ist Band 3 einer Trilogie! Diese Rezension enthält folglich SPOILER über die Bände 1 und 2!!!
Beschreibung:
Nach den Ereignissen in ‚Days of Blood and Starlight‘ müssen sich die Seraph und die Chimaera zusammenraufen, um einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen: Jael hat mit seiner Armee die Portale in die menschliche Welt durchschritten und bedroht deren Existenz. Aber können sich die einst erbittert verfeindeten Parteien der ‚Engel‘ und ‚Monster‘ wirklich miteinander anfreunden? Ist das die Chance für Akiva und Karou auf eine gemeinsame Zukunft?
So leicht ist es natürlich nicht, und es taucht ein weiteres Problem auf: Am Himmel von Eretz tauchen Flecken auf, wie Blutergüsse. Und in der Welt der Menschen kommt eine junge Wissenschafts-Studentin mit merkwürdigen Alpträumen den fremden Besuchern auf die Spur. Während die Welt nicht weiß, ob die Ankunft der Engel den Untergang oder eine Offenbarung bedeutet, kämpfen Karou und Akiva um die Existenz ihrer Heimat und um ihre Liebe…
Zum Hörbuch:
Darauf habe ich mich seit Days of Blood and Starlight so gefreut: Das große Finale zwischen Engeln und Monstern. Und hoffentlich, hoffentlich ein Happy End für unser liebesgequältes Pärchen, Karou und Akiva!
Als ich Dreams of Gods and Monsters beginne, stelle ich stirnrunzelnd fest, dass es doch eine ganze Weile her ist, dass ich Karou und Akiva mit ihrer frisch vereinten Armee gesehen habe. Grob weiß ich zwar noch, was passiert ist, aber die Geschichte ist doch so komplex, dass ich pausiere und nochmal in die Inhaltsangabe zu Band 2 schaue. Nicht einfacher macht die Tatsache, dass durch die ‚Wiedererweckten‘ nicht mehr alle Figuren in ihren ursprünglichen Körpern stecken oder sogar eine andere Identität angenommen haben. Einen kurzen Blick zurück empfehle ich also jedem, der das nicht mehr alles frisch auf dem Tablett hat.
Teil 3 unterscheidet sich atmosphärisch und sprachlich gar nicht von den Vorgängern. Was das Herumschwingen ausufernd malerischer Sprachgebilde angeht, bleibt Laini Taylor ihrem Schreibstil treu. Eine Bewegung, ein Blick, ein Atemzug werden zur Ewigkeit. Da kann eine Sekunde Handlung sich schon mal über fünf Minuten Hörbuch erstrecken. Jeder flammende Flügelschlag Akivas, jede zitternd erhobene Hand Karous werden sprachlich voll ausgekostet. Dazu noch die inneren Monologe (größtenteils Karous): hingebungsvoller, leidvoller und vor allem ausgiebiger kann man nicht schmachten. Das letzte Mal habe ich sowas bei ‚Twilight‘ erlebt.
Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 15,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.
Beschreibung (audible):
Don Tillman ist hochintelligent, sportlich, erfolgreich – und er will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist. Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik.
Zum Hörbuch:
Es ist Monate her, dass ich The Rosie Project zuende gehört habe. Und ich habe mit mir gerungen, ob ich überhaupt eine Rezension dazu schreiben soll. Ob ich das kann. Ob ich genug trennen kann zwischen persönlicher Erfahrung und einer fiktiven Geschichte, um auch nur annähernd objektiv zu sein. Nun, der Abstand ist inzwischen groß genug, um ein paar Worte zu diesem Hörbuch zu sagen.
Seht ihr, The Rosie Project ist eine unterhaltsame Liebesgeschichte. Es geht um diesen Genetik-Professor, der mithilfe eines Fragebogens eine Frau finden will. Der dann tatsächlich eine Frau findet, die aber völlig ungeeignet und am Ende doch die einzig Richtige ist. Es kommt ein spannender, teils kontroverser ’supporting cast‘ vor, allen voran Don’s bester Freund, ein herzlicher Psychologie-Professor, der nicht merkt, wie sehr seine Ehefrau unter dem Prinzip der ‚offenen Ehe‘ leidet, Don aber ständig über Beziehungen berät. Es kommt zu einem Haufen witziger Momente, und Don ist ein derart skurriler aber grundsympathischer Kerl, dass man ihn ins Herz schließt und sehr mit ihm mitfiebert. Und Rosie ist ein bunter, freigeistiger Wirbelwind von Frau, wie man sie nur mögen kann.
Das Problem ist, dass die erzählende Hauptperson, Don Tillmann, sich irgendwo auf dem autistischen Spektrum befindet. Es wird absichtlich nicht ausgesprochen, aber offensichtlich hat er ein undiagnostiziertes Asperger-Syndrom, über das er selbst so gekonnt einen treffenden Vortrag hält. Mein Problem damit ist nun, dass ich mich mit diesem Thema gut auskenne. Etwas zu gut. Tatsächlich bin ich Mutter eines halbwüchsigen ‚Aspie‘ und kenne noch etliche weitere Exemplare dieser besonderen Spezies.
Und da beginnen meine Schwierigkeiten mit Don, mit Rosie und mit der ganzen Geschichte: Ich vergleiche zu sehr. Ich weiß zuviel. Und andererseits weiß gerade ich, dass kein Aspie ist wie der andere, und dass jeder Vergleich genau deshalb wieder hinkt. Und bei alledem verliere ich aus den Augen, dass The Rosie Project eigentlich kein Buch über das Asperger-Syndrom ist, sondern eine humorvolle, liebenswürdige Geschichte über zwei Menschen, die sich trotz aller Gegensätze finden und lieben.
Denn das ist es: Humorvoll. Man lacht viel, wenn Don aufgrund seiner Veranlagung immer wieder in Fettnäpfchen tritt und in seltsame Situationen gerät. Man lacht schönerweise dabei nicht über ihn, sondern über die Situation an sich und was geschieht. Da beweist Simsion genügend Fingerspitzengefühl und stellt Don nicht als unfreiwilligen Clown dar. Es hilft natürlich auch, dass wir die Geschichte durch Don’s Augen sehen und seine Perspektive annehmen. Das hilft zu verstehen und hält uns sogar oft einen Spiegel vor. Don’s wortwörtliche Logik stellt sich mehr als einmal als klarer und eigentlich ’normaler‘ heraus als die aller anderen. Zudem lösen sich diese Situationen fast durchweg positiv auf, bringen die Geschichte weiter und Don und Rosie ein Stück einander näher.
Es macht Spaß, den beiden auf ihrem Weg in eine Liebesbeziehung durch einige Auf und Abs zuzuschauen. Nirgendwo gibt es in der Geschichte Längen, dafür fast durchweg sympathische Hauptfiguren und einen Erzähler, dessen Weltsicht, Sprache und Erlebnishorizont genauso ungewöhnlich wie interessant sind. Und nach allem, was ich weiß und bisher erlebt habe, ist Don’s leicht autistisches Wesen durchaus authentisch dargestellt: Seine Überkorrektheit, sein Kleben an Routinen und Ritualen, das wortwörtliche Verstehen von Ironie oder Idiomen, sein ausgeprägtes und starkes logisches Denken im Gegensatz zu seiner Naivität gegenüber Zwischenmenschlichem – das ist alles nicht nur lehrbuchmäßig sondern kommt auch tatsächlich im wahren Leben so vor.
ABER. Da haben wir’s. Das große ABER. Don ist eben nur eine Sorte von Aspie. Und dazu noch ein ziemlich klischeehafter: Der hochintelligente, zahlenversessene, liebenswerte Freak. Dieser Typ wird in Literatur und Film gerne dargestellt, stellt in Wirklichkeit aber nur einen kleinen Prozentsatz von Asperger-Autisten dar. (Im Interview unten erzählt Simsion, dass ‚Don‘ größtenteils auf der Beobachtung seiner akademischen Kollegen und Bekannten beruht und weniger auf recherchierten Fakten). Ja, es stimmt: Viele von ihnen haben Inselbegabungen und sogenannte ‚Spezialinteressen‘, aber die meisten haben eine Durchschnittsintelligenz, und nicht wenige von ihnen landen aufgrund ihrer vielfältigen Schwierigkeiten nicht an Universitäten, sondern auf Förderschulen und in Arbeitslosigkeit.
Und selbst die hochintelligenten Aspies, die aufgrund ihres guten ‚Durchkommens‘ im Leben dann meist gar nicht diagnostiziert werden, kennen die andere Seite der Medaille, die so gar nichts mit lustig oder romantisch zu tun hat. Es ist die Seite, die in The Rosie Project ein paar Mal angedeutet, aber leicht übersehen wird: Es sind die Missverständnisse, die sich eben nicht in Lacher auflösen, sondern in Tränen. Es ist Einsamkeit, weil Freundschaft und Beziehungen trotz allen Willens für Aspies ein Buch mit sieben Siegeln sind. Es ist Überforderung, wenn zu viel Neues passiert und die Ängste davor zu groß werden, um sie zu überwinden. Es ist der Schmerz, anders zu sein als die anderen und das immer wieder zu spüren zu kriegen. Und es sind die Konflikte mit dem Umfeld, mit der Familie, die für alle Beteiligten eine extreme Dauerbelastung sind.
Ich könnte hier noch ewig weitermachen, verkneife mir das aber. Es geht hier ja nicht um mich, sondern um Simsion’s Roman. Ich will hier auch gar nicht gegen sein wirklich schönes Buch wettern. Zumal er zwischendurch eben immer mal wieder andeutet, dass auch Don schwierige Zeiten hinter sich hat. Dass die Beziehung zu Don’s Familie problematisch war. Dass es in Don’s Jugend dunkle Kapitel mit viel Kummer gegeben haben muss. Dass er und Rosie sich wirklich anstrengen müssen, um einen Weg miteinander zu finden, den sie gehen können. Nicht alles ist eitel Sonnenschein.
Ich möchte eigentlich einfach nur loswerden, dass man beim Lesen dieses Buches vorsichtig damit sein muss, sich ein Bild über autistisch veranlangte Menschen wie Don zu machen. Dazu ist es einfach zu einseitig dargestellt und klammert die problematischen Aspekte zu sehr aus. Dazu macht Simsion es sich am Schluss auch zu einfach: Dass Don sich einfach so ändert, nur für Rosie, ist nicht realistisch und gefällt mir auch nur bedingt.
Letztlich kommt es darauf an, was man von diesem Buch erwartet. Wenn man The Rosie Project als exzentrisch-humorvolle Liebesgeschichte lesen möchte, dann ist das kein Problem und sehr empfehlenswert. Absolut nett geschrieben, hoch unterhaltsam und mit einem Happy End, aus dem kein Kitsch trieft.
Wenn man aber etwas über Menschen mit Asperger-Syndrom lernen möchte, dann ist The Rosie Project nur ein Einstieg in ein hoch komplexes, schwieriges Thema, das hier etwas zu sehr verniedlicht wird. Im wahren Leben ist Autismus (und zwar in jeder Form) alles Mögliche, aber sehr selten lustig – außer man hat eine Menge Galgenhumor.
(Wer dieses Thema übrigens mit mir weiter diskutieren oder Literatur- und Filmtipps haben möchte, kann das gerne tun, hier in den Kommentaren oder über das Kontaktformular per Email. )
Zum Sprecher:
Dan O’Grady hört sich an, als würde er ein wissenschaftliches Experiment kommentieren. Und das passt. In seiner Stimme schwingen Logik und eine fast kindliche Neugierde mit, wobei Gefühle der verdeckte Subtext bleiben. Die Stimmlage bleibt relativ beschwingt, in Don’s Stressphasen klingt eine gewisse Unruhe mit, aber die emotionalen Ausschläge sind gering. Das passt zu Don’s akademisch-empirischem Wesen sehr gut und setzt den Text passend in gesprochene Worte um.
Ob die Erzählweise zu einem Aspie passt? Nun, auch da gibt es ein riesiges Spektrum. Aus meiner Erfahrung hören sich Asperger-Autisten oft ein wenig ‚flach‘ an in der Betonung. Dazu kommt ein gewisser ‚Vortragston‘ selbst im normalen Gespräch. Häufig klingen sie ein wenig altklug, was auch an der oft überkorrekten Sprache liegt und der Tendenz, im Bereich ihrer Spezialinteressen geradezu lexikalisch zu klingen.
Was Don angeht, passt das also. Es gibt aber genauso Aspies, die sehr emotional klingen, die sich weniger geschliffen ausdrücken, und auch solche, deren Stimme auffällig monoton ist. Man kann das also nicht über einen Kamm scheren. O’Grady orientiert sich offenbar an dem, was ihm die Ich-Erzählung als ‚Sprachcharakter‘ vorgibt, und das macht er gut.
Wichtig zu wissen für Nicht-Muttersprachler: So wie Simsion, kommt O’Grady aus ‚down under‘ (oder tut zumindest so). Australisches Englisch ist für Ungeübte nicht leicht zu verstehen, und selbst wenn ‚Don‘ ausgesprochen deutlich und sauber spricht, muss man sich da schon reinhören und diesen Akkzent auch mögen. Sonst gibt es Verständnisprobleme, und das Hörbuch geht einem schnell auf die Nerven.
Fazit:
Eine nette, flott zu lesende Liebesgeschichte, gesehen durch die Augen eines liebenswerten, skurrilen Wissenschaftlers, der eine leichte Form von Autismus hat. Die Geschichte an sich funktioniert, wird nie langweilig und bietet viele Gelegenheiten zum Schmunzeln. Die Figuren sind sympathisch (auch wenn man sich über Don’s dauer-fremdgehenden besten Freund gut streiten kann), allerdings allesamt ziemlich klischeehaft.
Das größte Klischee ist dabei die Hauptfigur selbst: Obwohl es nie ausgesprochen wird, hat Don eindeutig eine Autismus-Spektrum-Störung, vermutlich in Form eines Asperger-Syndroms. Es geht in dem Buch zwar nicht zentral um Autismus. Aber auf Don’s besonderen Sicht- und Verhaltensweisen baut sich die ganze Geschichte eben auf. Und leider stellt Simsion Don’s Problematik zu einseitig und verniedlicht dar. Das muss man wissen, wenn man The Rosie Project liest oder hört, sonst macht man sich ein falsches Bild.
Als leicht dahinfliegendes Sommer-Hörbuch wunderbar geeignet. Als Wissensquelle über Autismus nur bedingt.
Bewertung:
Hörbuch: 7 von 10 Punkten
Sprecher: 8 von 10 Punkten
Infos zur deutschen Ausgabe:
Das Rosie Projekt gibt es auch als deutsches Buch und Hörbuch. Die Hörbuchfassung wird von Robert Stadlober gesprochen und ist ungekürzt bei audible.de erhältlich. Der Roman ist in gedruckter Form bei Fischer Krüger erschienen und umfasst 352 Seiten. Eine Kindle-Version gibt’s natürlich auch.
Der Roman tummelt sich seit Wochen auf der deutschen Bestseller-Liste und ist in 32 Ländern erschienen.
In diesem Interview erzählt der sehr sympathische Autor u.a. Einiges zum Thema ‚Asperger‘ in Bezug auf seinen Roman und wie er die Hauptfigur und seine Erzählperspektive ins Leben gerufen hat.
Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo nur € 9,95 (regulärer Preis €17,95). Auf der Produktseite von audible findet ihr auch eine Hörprobe.
Beschreibung (audible):
Es passiert, als Theo Decker dreizehn Jahre alt ist. An dem Tag, an dem er mit seiner Mutter ein New Yorker Museum besucht, verändert ein schreckliches Unglück sein Leben für immer. Er verliert sie unter tragischen Umständen und bleibt allein und auf sich gestellt zurück, sein Vater hat ihn schon lange im Stich gelassen. Theo versinkt in tiefer Trauer, die ihn lange nicht mehr loslässt. Auch das Gemälde, das seit dem fatalen Ereignis verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen. Und das Gemälde, das ihn auf merkwürdige Weise fasziniert, scheint ihn geradezu in eine Welt der Lügen und falschen Entscheidungen zu ziehen, in einen Sog, der ihn unaufhaltsam mit sich reißt.
Zum Hörbuch:
Was ist, wenn einer zufällig von einem Herzen besessen ist, dem nicht zu trauen ist? Wenn dein tiefstes Inneres dich singend zum Scheiterhaufen lockt, sollst du dich dann lieber abwenden, dir die Ohren mit Wachs verstopfen, den perversen Glanz ignorieren, von dem dein Herz dir zubrüllt? […] Oder ist es besser, dich – wie Boris – kopfüber und lachend in das heilige Wüten zu stürzen, das deinen Namen ruft?
Donna Tartt, Der Distelfink
Wo fängt man an, wenn eine Geschichte so episch, gewaltig und komplex ist wie ‚Der Distelfink‘? Wie kann ich euch einen Einstieg verschaffen in ein Hörbuch, das mich mitgerissen hat wie lange keins mehr?
Beginnen wir – der Einfachheit halber – am Anfang. Wir lernen Theo kennen, 13 Jahre alt, und seine Mutter. Die beiden verknüpft eine enge Bindung. Zart, exklusiv und beinahe symbiotisch wirkt die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Das Band zerreißt jäh bei einem Bombenanschlag auf ein New Yorker Museum. Theo’s Mutter stirbt, während Theo nur leicht verletzt (zumindest äußerlich) überlebt.
Das hört sich nach einem rasanten und schockierenden Einstieg in die Geschichte an. Schockierend ist es auch. Rasant – nein. Die Stunden und Tage nach der Explosion erleben der junge Theo und der Leser/Hörer als nicht enden wollendes Trauma. Es sind tatsächlich mehrere Stunden Hörbuch, in denen wir mit Theo im Schock zwischen den Trümmern knien und einem alten Mann beim qualvollen Sterben zusehen. Dem Mann, der Theo einen Ring und ein kleines Gemälde zuschiebt: den ‚Distelfink‘ des niederländischen Malers Fabritius.
Das Hörbuch ist im Download erhältlich bei audible.de, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo nur € 9,95 (regulärer Preis €29,95) Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.
Beschreibung (audible):
Eine Professorin der Elite-Universität Marsac liegt ertrunken und grausam gefesselt in der Badewanne. In ihrem Rachen steckt eine Taschenlampe. Ohrenbetäubende Musik von Gustav Mahler schallt durch die Nacht. Kindertotenlieder. Beklemmung macht sich in Kommissar Martin Servaz breit. Ist Mahler doch der Lieblingskomponist des hochintelligenten und seit Monaten flüchtigen Serienmörders Julian Hirtmann. Hauptverdächtig ist jedoch ein Student: ausgerechnet der Sohn von Servaz‘ Jugendliebe. Für den Kommissar beginnt eine Reise in die Vergangenheit.
Zum Hörbuch:
Salut, Servaz! Auf das Wiedersehen mit Commissaire Martin Servaz habe ich mich gefreut, seit ich vor 2 Jahren Schwarzer Schmetterling gehört habe – einen düsteren, breit angelegten Pyrenäen-Krimi, in dem der kernige Ermittler seinen Einstand gab.
Da ist er also wieder, und es ist schön, dass sich die Geschichte außer um die Morde vor allem um Servaz selbst dreht. Ich liebe Buchreihen, in denen die Hauptfiguren nach und nach an Dreidimensionalität gewinnen; wo man zuerst nur neugierig machende Andeutungen bekommt und dann von Band zu Band immer mehr über die Geschichte und den Charakter der ‚Helden‘ erfährt.
Wir wissen schon aus dem 1. Band, dass Servaz ein Typ mit Ecken und Kanten ist. In Kindertotenliedarbeitet Minier die noch deutlicher heraus, geschickt verwoben mit den Nachwehen und offenen Rechnungen aus Schwarzer Schmetterling.
Es gibt tiefgreifende Einblicke in die Vergangenheit des Kommissars. Wir lernen alte Freunde und vor allem alte Liebschaften kennen und erfahren, welche Gefühle der damit verknüpfte Fall in Servaz wieder ans Licht zerrt. Das ist gut – das macht Martin verwundbar, angreifbar und verstrickt ihn ganz persönlich in die Ermittlungen. Nichts ist besser, als ein Ermittler, der plötzlich selbst zur Zielscheibe wird – emotional wie buchstäblich.
Heute ist er – der ‚Welttag des Buches‘! Also starten wir sie mal, die Verlosung im Rahmen der ‚Blogger schenken Lesefreude‘-Aktion!
Bei mir könnt ihr vier Bücher gewinnen! Ich freue mich, für jeden Geschmack etwas anbieten zu können: Eine Dystopie, ein Märchen für Erwachsene, einen Polit-Krimi und einen literarischen Roman.
Die Verlosung startet heute, 23.4.2014, um 0.00h und endet am 30.4.2014 um 0.00h (ihr habt also ein bisschen Zeit, euch durch die vielen hundert Blogs durchzuarbeiten, die mitmachen, und müsst nicht in Hektik geraten).