Lesung: Tony Parsons und Dietmar Wunder bei der CrimeCologne

Das ist euch jetzt vermutlich völlig neu, dass ich ein großer Fan von Dietmar Wunder bin. *Augenrollen* Und dass ich schon mal was von Tony Parsons gelesen habe. *mehr Augenrollen*

Mein Mann aber noch nie. Wie praktisch, dass am 4. Oktober im Rahmen der #CrimeCologne in der Mayerschen Buchhandlung in Köln Tony Parsons seinen 4. Max Wolfe-Krimi „In eisiger Nacht“ vorstellte und Dietmar Wunder als deutscher Hörbuchsprecher der Reihe als Vorleser mit dabei war. Also: Tickets gekauft, denn Mann gepackt und auf nach Köln.

In der Mayerschen war ich noch nie bei einer Lesung, und eins kann ich jetzt schon sagen: Hat mir gefallen. Die Lesung fand im 2. Obergeschoss statt, mittig platziert zwischen den Sachbuchabteilungen, Kalendern und Schreibwaren. 7 oder 8 kleine Stuhlreihen, also alles sehr übersichtlich und fast jeder nah dran an der erhöhten kleinen „Theke“, an der die Hauptdarsteller Platz nahmen.


von links: Tony Parsons, Angela Spizig, Dietmar Wunder

Tony Parsons kannte ich ja schon vom Krimi-Dinner bei Bastei-Lübbe, ebenso wie das vorgestellte Buch, und er präsentierte sich wieder genauso so down to earth, unverschnörkelt und sehr normal. Das Interview mit ihm führte die ehrenamtliche Ex-Bürgemeisterin von Köln, Angela Spizig. So erfuhren wir von Tony Parsons, dass er aus einer einfachen Familie aus der Arbeiterklasse stammt, mit 16 die Schule schmiss um Autor zu werden, nachts in einer Gin-Fabrik arbeitete und als Schreiber für ein Musik-Magazin bis zum Alter von 25 ein ziemlich wildes Nacht- und Drogenleben führte. Das endete, als er Vater eines Sohnes wurde. Seine Erfahrungen als Alleinerzieher fließen übrigens in seine Max-Wolfe-Romane ein, ebenso wie seine nostalgischen Erinnerungen an die jungen Jahre seiner inzwischen 16jährigen Tochter und seine Liebe zu Hunden – Stan, der King Charles Cavalier Spaniel aus den Krimis, ist das alter Ego von Tony’s eigenem Hund Stan.


Tony Parsons liest den Prolog von „In eisiger Nacht“/“Die Last“ auf Englisch

Natürlich erzählte er auch etwas zu „In eisiger Nacht“, das mit seinem Thema Flüchtlinge und Schlepperbanden sehr aktuell ist. Die Ideen dazu lieferten ihm ein Aufenthalt in China vor über 20 Jahren und die Begegnung mit Immigranten als Autowäscher in London. Tony Parsons betonte, dass ihn die Auseinandersetzung mit solchen Themen allerdings nicht verändert oder „zu einem besseren Menschen“ mache. Alles – auch der dramatische Erfrierungstod von Flüchtlingen in einem Tiefkühllieferwagen – diene letztlich der Story und dazu, sie zu einem fesselnden Krimi zu machen. Bei der Recherche, sagte er, beschränke er sich deshalb auch eher auf technische Details – hier z.B. den Tod durch Erfrieren. Alles andere lässt er lieber von seiner Vorstellungskraft ausfüllen.

Er möchte auch gar nicht auf ein Überthema gucken, sondern die Leser durch die Konzentration auf einzelne Figurenschicksale emotional abholen. Der menschliche Faktor, die Charaktere in seinen Büchern, die sind ihm wichtig.


Dietmar Wunder liest vor, und nicht nur Angela Spizig ist fasziniert

Apropos Emotion: Die holte Dietmar Wunder aus der Tasche und zwischen den Zeilen hervor. Nachdem Tony Parsons den Prolog auf Englisch gelesen hatte, wiederholte Wunder das auf Deutsch. Und hier wurde die ganze Wucht eines professionellen Hörbuchsprechers deutlich. Hörbar unterschiedliche Figuren, effektvolle Tempowechsel, perfekt platzierte Pausen – und dazu natürlich die raumgreifende Stimme von Dietmar Wunder. Als er die Stelle vorlas, in der die Polizei 12 erfrorene Frauen in einem Lieferwagen vorfindet, kroch nicht nur mir Gänsehaut die Arme hoch. Mein Mann neben mir fröstelte ebenso und war völlig fasziniert von Dietmar Wunders Lesekunst.

Nach drei Lese- und Interviewintervallen endete der Abend nach ca. 1 1/2 Stunden mit einem Büchertisch für die Tony Parsons-Fans und alle, „die sich jetzt in Dietmar Wunder verliebt haben“, wie eine Mitarbeiterin der Mayerschen es herzlich ausdrückte.


Fröhliches Verabschieden unter den Hauptakteuren

Ein runder Abend, eine schöne Lesung. Fand übrigens auch der Mann.

3 Gedanken zu “Lesung: Tony Parsons und Dietmar Wunder bei der CrimeCologne

  1. Kathrin 6. Oktober 2018 / 8:01

    Liebe Ute,

    das klingt, als hättet ihr wirklich einen großartigen Abend gehabt! Ich muss gestehen, dass ich noch nie ein Hörbuch von Dietmar Wunder gehört habe. Das werde ich nun aber schnellstmöglich nachholen müssen. :)
    Danke fürs virtuelle Mitnehmen zur Lesung!

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende
    Kathrin

    • papercuts1 6. Oktober 2018 / 10:30

      Liebe Kathrin,
      ja, es war ein sehr schöner Abend. Du hattest noch nie Dietmar Wunder auf den Ohren? Dann wird es aber wirklich Zeit! Lass‘ mich mal wissen, welches Hörbuch du auswählst! Dir auch ein schönes Wochenende!

      Ute

      • Kathrin 7. Oktober 2018 / 10:54

        Liebe Ute,

        ja, ich habe da wohl bisher etwas verpasst. :D Da die von ihm gesprochenen Bücher nicht meinen Leseschwerpunkten entsprechen, hat mir der Audible-Algorithmus sie mir bisher oft vorenthalten. Aber du hast mich da nun „wachgerüttelt“ und nicht nur auf Dietmar Wunder, sondern auch auf Tony Parsons aufmerksam gemacht. Ich werde also hoffentlich bald mal meine Fühler in diese Richtung ausstrecken. Momentan tu ich mich nur schwer mit Hörbüchern und Hörspielen, weil ich nur abends Zeit zum Hören finde – und dann oft die Gedanken abdriften. Derzeit hänge ich noch immer im Auftakt von Heitz‘ „Doors“ fest.

        Liebe Grüße
        Kathrin

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