#Shorties – Nr. 8

Diesmal bei den Shorties: Eine Geschichte von Liebe und Krieg, von griechischen Göttern erzählt; ein mystisch-literarischer Roman über die US-Pionierzeit; ein (Kinder-)Grusel-Klassiker von Neil Gaiman.


Lovely War von Julie Berry
Titel: Lovely War
Autorin: Julie Berry
Format: Hörbuch-Download
Sprecher: Jayne Entwistle, Allan Corduner, Julie Berry, Dion Graham, Fiona Hardingham, John Lee, Nathaniel Parker, Steve West
Verlag: Listening Library
erschienen: 05.03.2019
Länge: 12:57 Std., ungekürzt

Ahprodite, die Göttin der Liebe, hat ihren Mann Hephaistos mit dem Kriegsgott Ares betrogen. Bei einer „Gerichtsverhandlung“ erzählt sie zu ihrer Verteidigung eine Geschichte: Die von Pianistin Hazel und Soldat James, vom schwarzen Musiker und Soldaten Aubrey und Sängerin Colette, die sich während des ersten Weltkriegs in Europa ineinander verlieben. Tod, Rassismus und Tragik geben sich mit Musik, Freundschaft und Liebe die Hand – und natürlich mischen die Götter mit.

Die ungewöhnlichen Erzähler – die Götter der Liebe, des Kriegs, der Musik, der Unterwelt und des Feuers – bieten eine interessante Perspektive und passen zum Schicksalhaften der Kriegszeit. Die von ihnen erzählte Liebesgeschichte ist unterhaltsam und – vor allem an der Front – intensiv, berührt mich aber nicht so wie erwartet. Vielleicht sorgt der Blick durch Götteraugen für zu viel Distanz. Vielleicht liegt es aber auch an den Sprechern, denn gerade Aphrodite als Hauptfigur ist für mein Empfinden fehlbesetzt und hört sich wie eine kindische, ältere Frau an anstatt sinnlich und in voller weiblicher Blüte. Der selten auftretende Ares dagegen haut mich stimmlich um: Allan Corduner hat Tiefe, Präsenz und Power.

Eine „mixed bag“ aus Positivem und Negativem. Hätte mir als gedrucktes Buch vielleicht besser gefallen. So nur Durchschnitt.

Bewertung: 6 von 10 Punkten

 

 

Inland von Tea ObrehtTitel: Inland
Autorin: Téa Obreht
Format: Hörbuch-Download
Sprecher: Anna Chlumsky, Edoardo Ballerini, Euan Morton
Verlag: Random House Audio
erschienen: 13.08.2019
Länge: 13:07 Std., ungekürzt

 

Puh, damit habe ich mich schwer getan. „The Tiger’s Wife“ von Téa Obreht mochte ich ja sehr, und auch diesmal geht es mystisch zu, aber diesmal habe ich geschwommen in diesem handlungsarmen Begleiten einer Farmerin, die auf einem Homestead im Arizona Territoy 1893 auf ihren verschwundenen Mann wartet, abgewechselt mit der Lebensgeschichte des türkischstämmigen Ex-Revolverhelden Lurie, der inzwischen einer Soldatenkompanie angehört, die auf Kamelen reitet. Beide sind mit geliebten Verstorbenen im Dauergespräch, und ihre Wege kreuzen sich erst am Schluss.

Ich bin in Gedanken ständig abgeschweift. Die Story konnte mich nicht festhalten, obwohl Lurie’s Erzählperspektive – er spricht mit seinem geliebten Kamel „Burke“ – berührend war und die Beschreibungen des von Dürre geplagten, noch halb wilden Herzlands Amerikas eindrucksvoll sind. Aber die Hälfte der Zeit wusste ich nicht, was eigentlich los war und was das alles sollte. Auch nicht ganz einfach, dem burschikosen Cowboy-Amerikanisch der Sprecher zu lauschen – obwohl das perfekt passte.

Im März gehe ich zur LIT.Cologne-Lesung von Téa Obreht („Inland“ erscheint unter dem Titel „Herzland“ am 10.3.2020 auf Deutsch.) Vielleicht verstehe ich dann diesen Roman besser.

Bewertung: 5 von 10 Punkten

 

 

Coraline von Neil Gaiman

Titel: Coraline
Autor: Neil Gaiman
Format: Hörbuch-Download
Sprecher: Neil Gaiman
Verlag: Harper Audio
erschienen: 07.11.2013
Länge: 03:35 Std., ungekürzt

 

Das fehlte mir noch in meiner Neil-Gaiman-Bibliothek, und ich hatte extra gewartet, bis das von ihm persönlich eingesprochene Hörbuch in vernünftiger Audioqualität wieder verfügbar war. Es hat sich gelohnt: Ruhig, evokativ und gruselig liest er die Geschichte von Coraline, die sich langweilt und hinter einer Tür eine alternative Realität entdeckt. Eine, in der die „andere Mutter“ mit den aufgenähten Knöpfen als Augen nur zu Beginn viel netter zu sein scheint als Coraline’s eigene…

Ehrlich: Hätte ich das als Kind gelesen, ich hätte fünf bis sechs Jahre nicht mehr geschlafen. Und eine Therapie gebraucht. Und ich weiß inzwischen, dass „Coraline“ nur als Kinderbuch erschien, weil eine junge Testleserin damals log und behauptete, sie hätte beim Lesen keine Angst gehabt. (Sie hatte eine Heidenangst!) Gaiman zieht alle düsteren Register, von Stimmen in der Dunkelheit, singenden Ratten und formlosen Wesen bis hin zur kindlichen Grundangst, die Eltern nie wiederzusehen. *schauder* Klar ist das eine tolle Geschichte (wir sprechen hier von Neil Gaiman!), aber heidenei! Das ist nur was für große Kinder. Oder für das Kind in uns Erwachsenen, das auf Gruselgeschichten steht.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

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