„Und auf Erden Stille“: Hörspiel von Folgenreich

Während einer Pandemie ein Endzeit-Hörspiel hören? Warum sollte man das tun? In meinem Fall: Wenn man auf dem Instagram-Kanal von Folgenreich einen vielversprechenden Trailer in den Feed gespült bekommt und sich denkt: Was soll’s – kann ja auch nicht gruseliger sein als das NRW-Impfchaos.

Und siehe da: Es hat sich gelohnt. Denn bis auf Detlef Bierstedt’s seltsame Performance (der ist anscheinend auch nur ein Mensch) ist das neue Hörspiel von Jochim-C. Redeker und Balthasar von Weymarn wirklich klasse!

Von cooler Sci-Fi-Dystopie-Musik und stimmiger Geräuschkulisse getragen, hat “Und auf Erden Stille” eine ambitionierte Prämisse: Nicht eine, sondern gleich zwei Pandemien (die mit Corona herzlich wenig gemeinsam haben) haben die Menschen in arge Schwierigkeiten gebracht, und ein Mädchen wird in die gefährliche Welt außerhalb einer schützenden Kolonie geschubst, um Antworten auf die Frage nach dem Ursprung der Katastrophe zu liefern – und vielleicht ein Heilmittel. Mehr will ich hier nicht über den Inhalt verraten; es ist spannender, wenn ihr ohne großes Vorwissen in dieses Szenario eintaucht.

Mit nur wenig Erzählertext versehen, sprechen Dialoge und Handlung für sich selbst und ziehen die Hörer*innen in eine bedrohliche und auch faszinierende neue Welt hinein. Aber keine Sorge: Ekelszenen gibt es hier nicht; diese Viren haben andere, wesentlich interessantere Auswirkungen auf den menschlichen Körper als die üblichen Seuchen. Wir springen hin und her zwischen Gegenwart und Vergangenheit, so dass sich allmählich die Vorgeschichte der „Großen Katastrophe“ zusammenfügt.

Die Sprecher sind – bis auf Bierstedts seltenen Ausrutscher – durchweg gut bis sehr gut. Sarah Alles macht sich als Rhiannon prima, gerade die jungen Stimmen wirken erfreulich natürlich, Vera Teltz macht als Erzählerin einen gewohnt soliden Job, und am besten und überzeugendsten agierend hat mir Björn Schalla als Ranger gefallen, mit genau dem richtigen Timbre für einen schroff-gutherzigen Beschützer.

Die 10 Folgen vergehen wie im Flug, während wir uns mit Rhiannon und Begleitung von der Kolonie Novis bis nach Manhattan durchschlagen und Rückblenden den Anfang vom Ende erzählen. Das letzte Kapitel bringt Enthüllungen, die ebenso überraschend wie plausibel klingen, und das einzig Bedauerliche ist, dass man beim Hören des Abspanns das Gefühl hat, doch noch mitten drin zu sein in dieser Geschichte. Viele Fragen sind noch offen. Aber da steht ja auch “Staffel 1”, und auf Twitter hat Folgenreich soeben bestätigt, dass es eine zweite Staffel geben wird. Ich freu‘ mich drauf!

Eindeutige post-apokalyptische Hörspielempfehlung!

Bewertung:

Hörspiel: 9 von 10 Punkten

Sprecher: 8 von 10 Punkten

Das Hörspiel mit zehn knapp halbstündigen Folgen ist erhältlich als CD-Box sowie bei allen digitalen Anbietern und Streaming-Diensten wie z.B. Audible, Spotify, Deezer etc.

5 Gedanken zu “„Und auf Erden Stille“: Hörspiel von Folgenreich

  1. Kathrin 2. Februar 2021 / 21:02

    Liebe Ute, da hast du mir schon wieder was auf die Merkliste gesetzt. Zum Glück habe ich noch 2 Audible-Guthaben ^^

    Als ich das Hörspiel zum ersten Mal bei dir gesehen habe und mich dann mit dem Inhalt beschäftigt habe, dachte ich nur: „Och nö, nicht noch so eine Virus-Endzeit-Geschichte.“ Und die Inhaltsbeschreibung klang nun auch nicht sonderlich außergewöhnlich.

    Aber nachdem du nun so begeistert bist und die erste Staffel in so kurzer Zeit durchgehört hast, bin ich nun doch neugierig geworden.

    Liebe Grüße
    Kathrin

    • papercuts1 2. Februar 2021 / 22:00

      Liebe Kathrin,
      ja, ich fand das Hörspiel toll! Allerdings ist es vor allem tolle Unterhaltung, und ein “Symptom” der Pandemie hat einen besonderen Effekt, der speziell in einem Hörspiel gut rüberkommt. Erwarte aber bitte keine Politik oder sehr hohe Komplexität! Das Hörspiel konzentriert sich vor allem auf Rhiannon und ihre “Mission”. Es ist sicher anspruchsvoller als ein simples Zombie-Hörspiel, aber auch kein “Handmaids Tale” oder “Hunger Games” sondern irgendwo genau dazwischen. Ich fand’s einfach klasse zum Runterhören, mit einer cleveren Pandemie-Idee und technisch sehr sauber und gut gemacht, mit Potenzial für mehr in Staffel 2.
      Außergewöhnlich? Njein. Mehr als Schema F? Absolut!
      Hör mal in die Hörprobe rein. Dann hast du einen guten Eindruck.

      LG,
      Ute

      • Kathrin 4. Februar 2021 / 7:04

        Ach, zu komplex muss/soll es auch nicht sein – schon gar nicht im Hörbuch. Mir fällt es – bei dystopischen Geschichten und etlichen Fantasyreihen – schwer, den Durchblick zu behalten, wenn es zu komplex wird. Und beim Hörspiel / Hörbuch ist das noch stärker, weil ich nicht einfach ein paar Kapitel zurückblättern kann, wenn ich Infos auffrischen muss. Und das macht es auch schwer, potenzielle Logikfehler zu finden ;)

  2. Janna | KeJasWortrausch 6. Februar 2021 / 15:57

    Na da hast du mich jetzt aber mega neugierig gemacht und ich werde das Hörspiel direkt mal erstöbern und speichern! Thematik reizt mich eigentlich gar nicht, auch wenn dies mit der aktuellen Pandemie wenig thematisch gemeinsam hat, so bin ich eben durch Corona nicht auf solche Geschichten aus. Du hast mich aber einfach angefixt, will es hören :)

    Muckelige Grüße!

    • papercuts1 9. Februar 2021 / 9:42

      Hallo Janna,
      dann halte ich aber mal gespannt Ausschau nach deiner Beurteilung. Ein Hörspiel hören, dessen Thematik doch eigentlich nicht reizt – da muss das Drumrum überzeugen, Atmosphäre, Sprecher, Geräusche, Musik. Für mich war das hier so. Für dich hoffentlich auch!

      LG,
      Ute

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