„21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ von Yuval Noah Harari

Titel: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert
Autor: Yuval Noah Harari
Format: Hörbuch mp3-CDs
Sprecher: Jürgen Holdorf
Verlag: der Hörverlag
erschienen: 17. 09.2018
Länge: 12:46 Std., gekürzte Lesung

Inhaltsangabe:

Was sind die großen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht? Wer sind wir und was sollen wir mit unserem Leben anfangen? Seit Jahrtausenden fragt die Menschheit nach dem Sinn des Lebens. Doch jetzt setzen uns die ökologische Krise, die wachsende Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und der Aufstieg neuer disruptiver Technologien unter Zeitdruck. Irgendjemand wird darüber entscheiden müssen, wie wir die Macht nutzen, die künstliche Intelligenz und Biotechnologie bereit halten. Yuval Noah Harari will Menschen dazu anregen, sich an den großen Debatten unserer Zeit zu beteiligen.

Zum Hörbuch:

Yuval Harari lernte ich schon durch „Sapiens“ als einen überzeugten Gesellschaftshistoriker und Gegenwartsanalysten kennen, der mich schon damals mit seinen Thesen und Fakten fast erschlug. Als ich „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ begann, war mir klar, dass dieses Sach-Hörbuch nichts für nebenbei war. Stimmte dann auch.

Die Themen, die Harari abhandelt, entsprechen dem Zeitgeist: von Zuwanderung und Terrorismus, über Religion, Arbeit und Freiheit bis zu Datenbesitz und -sicherheit reicht das Spektrum. Und eins gebe ich jetzt direkt zu: Ich habe das Hörbuch abgebrochen. Nicht weil es schlecht wäre, nein – es enthält gut begründete Analysen von Vergangenheit und Gegenwart, abgeleitete Zukunftsvorhersagen und jede Menge Wissen und Diskussionsmaterial.

Allerdings präsentiert Harari seine Meinung als fast unumstößliche Schlussfolgerung. „Es wird so kommen“ ist sein Tenor. Und obwohl dieses Buch ja unter dem Begriff der Gegenwartsbetrachtung beworben wird (im Gegensatz zu den die Vergangenheit und Zukunft betrachtenden „Sapiens“ und „Homo Deus“) ist zumindest die Hälfte dieser Thesensammlung vor allem eins: Eine zwiespältige, in vielfacher Hinsicht negative Prognose für die Menschheit.

Jetzt bin ich keiner, der vor beängstigenden Voraussagen die Augen verschließt. Man sollte und muss sich mit dem, was kommt, auch nach der eigenen Lebenszeit, auseinandersetzen. Aber Harari beschwört (auf jeden Fall in Teil 1 und 2) vor allem eine Zukunft herauf, die aus einer zweigeteilten Menschheit besteht, von denen die Reichen, Gebildeten und Gesunden es gut haben, während ein immer größer werdender Anteil von  Armen, Ungebildeten und körperlich Schwachen immer weiter abgehängt werden. Das deutet sich ja auch so an, schon in den täglichen Nachrichten, im persönlichen Umfeld.

Was mich aber stört und derart heruntergezogen hat, dass ich mir das nicht mehr antun wollte: die Unausweichlichkeit, die aus Hararis Folgerungen herausklingt und eine gewisse Anmaßung, dass seine Interpretation diejenige ist, auf die wir uns einlassen müssen. Für Thesen, die davon abweichen oder gar radikal anders sind, ist in Hararis linearer Analyse kein Platz. Vieles stellt er als offene Fragen dar, aber vieles auch als A folgt auf B folgt auf C.

Eigentlich hatte ich gedacht, ich unterbreche „21 Lektionen“ nur für eine Weile. Hole mal Luft, wappne mich, lasse mich dann wieder ein. Schließlich steckt eine ganz enorme Faktenmenge in diesem Hörbuch, und man kann das ja auch hören, um sich hinterher in den Ring zu werfen und das Gegenteil zu behaupten. Aber es zeigte sich, dass mir das nicht als Motivation reichte. Der Negativismus von Harari schlug mir aufs Gemüt.

Hinzu kam noch, dass ich mit dem Sprecher Jürgen Holdorf nie richtig warm wurde. Der liest extrem neutral und faktisch, zwar sehr deutlich und in recht langsamem Tempo, so dass man alles mitbekommt und auch mal nachdenken kann zwischen den Zeilen. Mir war das aber zu trocken vorgetragen, zu gleichklängig, zu bewusst einheitlich. Jetzt bin ich ja sowieso kein großer Sachbuchhörer, aber das habe ich schon unterhaltsamer gehört.

Mag natürlich auch sein, dass ich mit der zweiten Hälfte von „21 Lektionen“ etwas verpasst habe. Dass sich Harari da in hoffnungsvollen, bunten Zukunftsvisionen ergießt und alles auf den Kopf stellt, was er vorher gesagt hat. Dass er sich da nicht so ganz auf seine wissenschaftliche Meinung versteift. Glaube ich nicht, könnte aber sein. Belehrt mich gerne eines Besseren. Vielleicht packe ich das Buch auch irgendwann nochmal an und verdaue das besser. Im Augenblick ist das allerdings nichts, was mich bereichert.

Bewertung:

entfällt, da abgebrochen

Ein Rezensionsexemplar wurde mir vom Hörverlag zur Verfügung gestellt – danke!

 

Ein Gedanke zu “„21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ von Yuval Noah Harari

  1. DerSinn 3. Februar 2019 / 12:46

    Vielen Dank für die tolle Zusammenfassung. Ich habe das Buch schon hier liegen – jetzt weiß ich, was ich zu erwarten habe. :)

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